Wolmirstedt l Das ehemalige Krankenhausgelände beschäftigt Stadträte, Verwaltung und Investoren sehr. Derzeit schwenken sie wieder auf ihren alten Beschluss vom Dezember 2016 zurück, nach dem dort Eigenheime und ein Mehrgenerationenprojekt entstehen sollen. Entlang der Schwimmbadstraße ist „nichtstörendes Gewerbe“ erlaubt.

Beinahe wäre Ende 2017 alles umgemodelt worden. Investoren hatten Pläne vorgestellt, nach denen auf diesem Gelände zwei Supermärkte sowie Mehrgeschosser gebaut worden wären. Vielen Stadträten bereiteten diese Vorhaben Bauchschmerzen, auch deshalb, weil es in der Stadt bereits neun Supermärkte gibt. Sie wollten aber die Investoren nicht verprellen. Deshalb begann eine intensive Debatte, die weiterhin andauert.

Weitere Investoren im Gespräch

Von vielen Stadträten wird gefordert, dieses Gelände für den Eigenheimbau zu nutzen, damit sich junge Familien ansiedeln können. Daten des neuen Flächennutzungsplans der Stadt stützen dieses Ansinnen, denn Untersuchungen zeigen auf, dass in der Zukunft ein Arbeits- und Fachkräftemangel droht. Gelten derzeit noch gut 6400 Personen als erwerbstätig, stehen nach dem prognostizierten Rückgang der Bevölkerung 2030 nur noch 4840 arbeitsfähige Personen zur Verfügung, weit weniger, als Arbeitsplätze vorhanden sind. Außerdem fehlen Wohnungen für Senioren.

Deshalb sieht Dirk Hummelt, Vorsitzender des Bauausschusses, alle Entscheidungsträger in der Pflicht, sorgfältig abzuwägen. „Wir haben die Möglichkeit, ein ganzes Areal zu gestalten und dabei müssen wir auch an kommende Generationen denken“, sagt er. Der Stadtrat scheint dabei aus dem Vollen schöpfen zu können. Dirk Hummelt weiß: „Für das Krankenhausgelände haben sich weitere Investoren gemeldet.“ Die Supermärkte wird es dort hingegen wohl nicht geben, diese Planungen sind vorerst vom Tisch.

Ein großer Lebensmittelmarkt könnte sich jedoch auf einer anderen Fläche neu ansiedeln. Die freie Fläche am Kreisverkehr zwischen Heinrich-Heine-Straße, Samsweger Straße und Geschwister-Scholl-Straße ist dafür im Gespräch. Die gehört der Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft (WWG). WWG-Geschäftsführer Gerhard Thiede wurde noch nicht zu Gesprächen geladen, hat aber kürzlich ein Portfolio vorgelegt, in dem auch aufgeführt ist, was mit den WWG-Leerflächen passieren könnte. Die WWG möchte am Kreisverkehr jedenfalls keine neuen Häuser errichten und Gerhard Thiede erklärt auch warum: „Diese Fläche ist für die Bebauung nicht gut geeignet, weil darunter die Heidewasserleitung entlangführt.“

WWG-Gelände könnte verkauft werden

Das ist jene Trinkwasserleitung, durch die das Heidewasser vom Colbitzer Wasserwerk bis nach Magdeburg fließt. Diese Leitung führt quer über das Gelände, da dort einst die Heinrich-Heine-Straße verlief und den Streckenverlauf der Trinkwasserleitung vorgab. „Unserer Meinung nach kann diese Fläche veräußert werden“, sagt Gerhard Thiede. Ob die Wasserleitung dem Bau eines Lebensmittelmarktes entgegensteht, müssen andere prüfen.

Zurück zum Gelände des ehemaligen Krankenhauses: Die Stadt möchte so schnell wie möglich verkaufen, da sie als Eigentümerin auch für die Pflege zuständig ist. Das Geld für das Mähen und die Müllentsorgung soll möglichst schnell eingespart werden. Und auch Dirk Hummelt hofft, dass bald Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Es soll losgehen.“ Der Bauausschussvorsitzende hat darüber hinaus bereits die nächsten 20 bis 30 Jahre im Blick und kann sich gut vorstellen, das Gebiet sukzessive bis an die Ohre heranzuentwickeln.

Noch gibt es dort zwei große Stahlbaubetriebe. Einer davon, der Segmentbehälterbau SBB, plant bereits, sich demnächst im nördlichen Wolmirstedt auszubreiten, neben der Fläche des ehemaligen Sport- und Freizeitparks. Der Standort in der Schwimmbadstraße soll weiterhin in Firmenhand bleiben. Trotzdem wagt sich Dirk Hummelt perspektivisch, generationsübergreifend einen Blick in die weite Zukunft zu werfen und kann sich durchaus vorstellen, dass Wolmirstedt sehr viel später auch auf diesem Areal den Charme der Kleinstadt versprüht.