Wolmirstedt l Der Kreistag des Landkreises Börde hat beschlossen, den Schultausch zwischen Gutenberg- und Harnisch-Schule grundsätzlich zu favorisieren. Damit sind weitere Optionen - wie die sogenannte Campusvariante oder ein Anbau - wohl endgültig vom Tisch. Weiterhin wurde der Landrat beauftragt, eine Rahmenvereinbarung mit der Stadt Wolmirstedt zu verhandeln. Die soll dem Kreisausschuss am 31. August vorgelegt werden. Dann läuft das neue Schuljahr bereits zwei Wochen.

Auch wenn der Kreistag jetzt eine Richtung vorgegeben hat, ist noch nicht klar, wie der Platzmangel in der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ ab dem neuen Schuljahr behoben werden kann. Zumal dort auch die Abiturstufe beginnt. „Wir befinden uns in einem Zustand des aufgeklärten Nichtwissens“, brachte SPD-Kreistagsmitglied Frank Hüttemann die Lage auf den Punkt, „eigentlich kann man der Vorlage wegen Unreife nicht zustimmen. Aber wir haben die Pflicht, diese endlose Geschichte zu Ende zu bringen.“ Auch UWG-Mitglied Klaus Mewes forderte konsequenteres Vorgehen.

Geschichte geht schon fünf Jahre

Die „endlose Geschichte“ dauert bereits fünf Jahre. Solange wird über die prekäre Platzsituation diskutiert, der Schultausch ebenso lange in den Raum gestellt. Der war von den Schulleitern stets favorisiert worden, weil mit der ehemaligen Harnisch-Schule ohnehin ein Schulgebäude leersteht.

Auch wenn sich diese Lösung quasi aufdrängt, haben sich Landkreis und Stadt bisher nicht einigen können. Hauptknackpunkt war und ist der Wertausgleich Gebäude. Die stadteigene Gutenberg-Schule ist mehr wert als die landkreiseigene Harnisch-Schule, bei der Höhe von Ausgleichszahlungen des Landkreises an die Stadt war kein gemeinsamer Nenner gefunden worden.

Damals war Martin Stichnoth Bürgermeister Wolmirstedts. Jetzt ist er Landrat, hat als Dienstherr sozusagen die Seiten gewechselt, auf die Seite mit dem größeren Problem.

Seit Jahren Unterricht in Außenstelle

Der Landkreis ist Träger der Gemeinschaftsschule, die im Stadt-Grundschulhaus quasi eingemietet ist. Weil der Platz nicht reicht, werden die fünften bis siebten Klassen der Gemeinschaftsschule schon seit Jahren in der Außenstelle Harnisch-Schule unterrichtet. Diese Sondererlaubis dafür laufe aus, heißt es, offenbar liegt eine Verlängerung nicht vor. Aus dem Landkreis war dazu nichts zu erfahren, auch nicht, wo die Klassen ab August unterrichtet werden sollen.

Zwar ist nun offiziell der Schultausch favorisiert, doch längst ist nicht bekannt, wer wieviel bezahlt, in welcher Form die Harnisch-Schule hergerichtet wird, wann endlich zwei Schulen für zwei Schulformen zur Verfügung stehen. Bisher liegen offensichtlich noch immer keine Zahlen vor.

Arbeitskreis für Lösungsfindung

Die waren eigentlich schon längst gefordert worden. Im April 2019 kam erstmals ein Arbeitskreis zusammen. Vertreter aus Landkreis, Stadt, die Schulleiterinnen, Elternvertreter, Stadträte und Kreistagsmitglieder wollten an einer Lösung arbeiten. An diesem Tag war offensichtlich allen klar geworden, dass es keine aktuellen Zahlen gab, auf deren Grundlage ein Schultausch oder eine andere Lösung verhandelt werden können. Derlei Zahlen gab es auch zur Kreistagssitzung am 12. Juni nicht.

Kristin Müller, Schulelternvertreterin der Gemeinschaftsschule, war dabei und sagt: „Das war ernüchternd.“ Sie war zwar sehr beruhigt, weil einstimmig für den Schultausch gestimmt wurde, hatte aber mehr erwartet, Zahlen, eine Zeitschiene, mehr Konkretes. Sie bleibt dabei: „Ich erwarte eine Lösung.“

Froh über Schultausch als Richtung

Ebenso ernüchtert war auch Andrea Schwerdtfeger, die Schulelternvertreterin der Grundschule. „Es war ein mulmiges Gefühl, dort rauszugehen und es ist doch noch nicht alles in Sack und Tüten.“ Auch sie war froh, dass zumindest die Richtung Schultausch klar ist, „aber dann steht man da und denkt: Und jetzt?“

Regine Albrecht ist erst seit kurzem Schulleiterin der Gemeinschaftsschule, hat noch nicht so viele Entscheidungsschleifen mitgedreht. Sie blickt optimistisch in die Zukunft, auch auf den August. „Wir starten im neuen Schuljahr mit der Klasse 11, die Oberstufe wird etabliert.“

Bereitschaft zu Kompromiss

Sie bleibt auch ruhig, obwohl sie nicht wirklich weiß, wie es ab August weitergeht. „Ich möchte die nächste Sitzung des Arbeitskreises abwarten.“ Der tagt am 25. Juni. „Wenn man weiß, dass Bewegung in die Sache gekommen ist und lösungsorientiert gearbeitet wird, ist man kompromissbereit.“

Von dieser Kompromissbereitschaft hat bereits die Grundschule profitiert. Sie hat einen Klassenraum und zwei Teilungsräume für den Förderunterricht hinzubekommen. „Ich bin zufrieden“, sagt Schulleiterin Doreen Haensch.