Colbitz/Lindhorst l Eine Kolonne von Militärfahrzeugen durchquert Colbitz. Als sie auf der Bahnhofstraße an einer Physiotherapiepraxis vorbeikommt, schauen von dort Menschen den Bundeswehrautos hinterher. So eine Fahrzeugkolonne sehen sie nicht alle Tage. Die Colbitzer allerdings, die durch das nahegelegene Gefechtsübungszentrum an den Anblick gewöhnt sind, haben nur Augen für die, die vor der Praxis stehen. Denn sie sind momentan die „Exoten“ in dem Börde-Ort.

Ein Filmteam um die Schauspielerin Claudia Michelsen und ihren Kollegen Matthias Matschke hat sich für einen Tag in der Physiotherapie eingemietet und dreht dort eine neue Folge des „Polizeirufs 110“, der sonst in Magdeburg spielt. „Meiner Meinung nach war es absolut an der Zeit, dass wir auch ins Umland gehen“, sagt Claudia Michelsen. Sie spielt im Polizeiruf Hauptkommissarin Doreen Brasch, die gemeinsam mit Hauptkommissar Dirk Köhler (Matthias Matschke) ermittelt.

Passende Szenerie gefunden

Diesmal wird in einem Wald bei Magdeburg ein abgestelltes Auto gefunden, in dessen Kofferraum sich auffällig viel Blut befindet. Die Ermittler suchen den Halter Jurij Rehberg. In dem nahegelegenen Dorf weiß Annette Wolf nicht, wo ihr Lebensgefährte ist. Der DNA-Abgleich bringt eine Überraschung: Das Blut im Auto stammt von Jurij und der Menge nach zu urteilen, ist er tot. Eine Spur von der Leiche gibt es nicht. Viele im Dorf mochten Jurij Rehberg offenbar nicht, während andere ihm regelrecht verfielen, darunter die Frauen, aber auch der Bäcker, Dietmar Böhmer. Er fand einen guten Freund in Jurij. Nach und nach entblättern sich Motive für einen Mord. Doch ohne Leiche ist niemandem etwas nachzuweisen. Als die Hauptkommissare mit Spürhunden durch den Ort gehen und diese an verschiedenen Stellen anschlagen, fügt sich ein Puzzle aus Tätern, Mitwissern, Helfern und Verrätern zusammen.

Bilder

Um diese „mörderische Dorfgemeinschaft“ – so auch der Titel der neuen Polizeiruf-Folge – in eine passende Szenerie einzufügen, wurden Drehorte im Landkreis Börde gefunden. Nicht nur die Physiotherapie in Colbitz wurde genutzt, sondern auch eine Kneipe in Groß Ammensleben, ein Rinderzuchtbetrieb, eine Kfz-Werkstatt sowie eine Bäckerei in Lindhorst. Letzterer wurde kurzerhand ein neuer Name verpasst – die Filiale in Lindhorst bekam für die Dreharbeiten neue Schilder.„Die Leute, bei denen wir drehen, sind sehr mutig und offen für alle Vorschläge. Das ist wirklich beeindruckend und macht Spaß“, verrät Florian Langmaack, Szenenbildner am Set des Polizeirufs.

Und auch Iris Kiefer, Produzentin des Films, ist begeistert von den Lindhorstern, Colbitzern und Groß Ammenslebern. „Wenn man in Berlin einen Film dreht, dann sind die Menschen oft genervt, denn sie sind sehr daran gewöhnt“, erzählt sie. „Hier wird man herzlich willkommen geheißen, die Leute sind interessiert und vor allem entgegenkommend. Wenn man nur eine Minute auf der Straße steht und etwas sucht, fragt garantiert jemand, ob er einem helfen kann. Das ist man schon kaum noch gewohnt“, gesteht Iris Kiefer.

Acht Drehtage in der Börde

Auch Hauptdarsteller Matthias Matschke kann nur Positives über den Dreh außerhalb von Magdeburg berichten. Zwar würden die Drehtage, an denen die Schauspieler teilweise zwölf Stunden am Stück arbeiten, kaum Zeit für Besichtigungen der Gegend lassen. Einige Sehenswürdigkeiten bekämen die Schauspieler aber doch zu sehen. „In Groß Ammensleben gibt es ein wunderschönes Kloster. Der Ort liegt ja an der Straße der Romanik. Die würde ich gern einmal mit dem Fahrrad erkunden“, sagt Matthias Matschke. Schon bei einem Dreh in Magdeburg habe er sich nach Feierabend sein Rad geschnappt und sei in Richtung Schönebeck auf dem Elberadweg gefahren, erzählt er.

Kollegin Claudia Michelsen zeigt sich unter anderem beeindruckt vom Kalimandscharo. „Den kannte ich vorher nicht“, sagt sie. „Hier gibt es noch so viel mehr zu sehen, allein in Magdeburg gibt es für uns noch viele unentdeckte Orte“, so Michelsen. Acht Drehtage hat das Filmteam, das stets mit vielen Last- und Lieferwagen anreist, in der Börde. Folgt man den positiven Worten, die alle Beteiligten über die Arbeitszeit dort verlieren, dürfte es nicht der letzte Abstecher des „Polizeirufs“ ins Magdeburger Umland gewesen sein.

Die Ausstrahlung der Folge „Mörderische Dorfgemeinschaft“ im Ersten ist für 2019 geplant. In dem Polizeiruf wird später übrigens kein Ort konkret benannt.