Wolmirstedt l Die Rotorblätter gehören beinahe zum Stadtbild. Seit Jahren schon liegen sie auf dem Parkplatz des ehemaligen Rewe-Marktes. Während das frühere Marktgebäude langsam zerfällt, scheinen die Windrad-Flügel unverwüstlich zu sein. Doch Ende Oktober schien ihr Ende gekommen zu sein. Mitarbeiter eines sächsischen Unternehmens waren vor Ort und haben begonnen, die Rotorblätter zu zersägen. Staub und Lärm kamen bei Anwohnern nicht gut an. Sie meldeten den Vorfall im Rathaus. Ordnungsamtleiter Dirk Illgas wandte sich an das Umweltamt des Landkreises, das in diesem Fall zuständig ist. Mitarbeiter des Umweltamtes tauchten prompt am Rande des Schredders auf und untersagten die weitere Arbeit. Damit war auch ein Experiment beendet, das an der Stelle nicht genehmigt war.

Schredder stand in großer Staubwolke

Holger Müller gehört zum sächsischen Unternehmen Windpower Systems und bestätigt, dass von seinem Unternehmen am 22. Oktober erste Rotorblätter geschreddert wurden. Er bestätigt auch, dass die Auswirkungen dieser Arbeiten für die Anwohner nicht angenehm waren. „Der Schredder stand in einer großen Staubwolke.“ Offenbar kamen Lärm- und Geruchsbelästigung hinzu.

Das Unternehmen Windpower Systems ist nördlich von Dresden angesiedelt und beschäftigt sich unter anderem mit der Entsorgung alter Rotorblätter. Dafür gibt es bisher keine ausgereiften Technologien. Die Zerstückelung der Windradflügel in Wolmirstedt diente sozusagen als Feldversuch. „Wir wollten das Volumen reduzieren, damit die ausgedienten Rotorblätter transportfähig sind“, erklärt Holger Müller. Heißt, die Windradflügel sollten in Einzelteile zerlegt werden.

Im Ganzen sind sie rund 35 Meter lang, sechs Tonnen schwer und lassen sich nur schwer transportieren, zumal sie bis Bremen gebracht werden müssen. Dort gibt es offenbar die einzige Annahmestelle für ausgediente Windradflügel.

Obwohl die Aktion in Wolmirstedt abgebrochen wurde, war sie erfolgreich. „Wir haben sehr gute Zwischenergebnisse bekommen“, sagt Holger Müller, „und überlegen jetzt, wie wir weiter vorgehen wollen.“ Künftig in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt, gerne auch mit der Stadt.

Das Umweltamt muss für solche Arbeiten eine Genehmigung erteilen. Werden weniger als zehn Tonnen pro Tag zersägt oder gebrochen, gilt das Bauordnungsrecht, bei mehr als zehn Tonnen das Immissionsschutzrecht. Für das Schreddern am 22. Oktober lag überhaupt keine Genehmigung vor. Deshalb war sofort Feierabend, als die Behördenmitarbeiter aufgetaucht waren. Die Firmenmitarbeiter haben den Staub mit Wasser benetzt, zusammengetragen und beseitigt. Ein größerer Schaden für die Umwelt ist offenbar nicht entstanden. Vom Umweltamt heißt es, außer Staub und Lärm habe es keine schädlichen Auswirkungen gegeben.

Die Windradflügel wurden vor etwa 25 Jahren in Dänemark hergestellt und haben über 20 Jahre ihren Dienst getan. Nun liegen sie seit Jahren auf dem Parkplatz des ehemaligen Rewe-Marktes. Der jetzige Eigentümer des Areals ist Karsten Bauchrowitz und in Magdeburg zu finden. Gegenüber der Volksstimme sagt er, im Vertrag stand, dass die besagte Fläche vermietet ist. Dass darauf Flügel von Windrädern liegen werden, war ihm damals nicht klar.

Diese Lagerung hat die Firma Luxwind veranlasst. Die sitzt in Kappeln in Schleswig-Holstein und berät bei Fragen rund ums Rotorblatt. Unternehmensinhaber Frank Fischer bestätigt, die Windradflügel in Wolmirstedt gelagert zu haben. Aber sie gehören ihm nicht. Eigentümer soll eine Firma sein, die ihren Sitz in Spanien hat und nicht erreichbar ist.

Entsorgung der Rotorblätter soll grün sein

Dass ein sächsisches Unternehmen mit diesen Flügeln versucht, Entsorgungstechnologien zu entwickeln, ficht ihn nicht an. Im Volksstimme-Gespräch sagt er, ihm sei es recht, wenn sie entsorgt werden.

Das sächsische Unternehmen wird weiter an Entsorgungstechnologien tüfteln, auch im Sinne derjenigen, die künftig Rotorblätter entsorgen müssen. „Pro Blatt kostet das etwa zehn- bis 15000 Euro“, sagt Holger Müller. Mit einer neuen Technologie soll der Preis möglichst halbiert werden. „Dazu sind Versuche unerlässlich.“ Holger Müller hofft, dafür einen Platz in der Nähe zu finden, bei dem Bürger nicht gestört werden. „Wir wollen grünen Strom, doch auch die Entsorgung muss grün sein.“