Wolmirstedt l Der Zulauf zur Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ ist legendär. 2015 wurden fünf fünfte Klassen eingeschult. Die wachsende Schülerzahl sprengte den Platz im Schulhaus, sodass im ehemaligen Harnisch-Schulhaus eine Außenstelle eröffnet wurde. 2019 startete zudem die gymnasiale Oberstufe mit zwei elften Klassen. Es wurde noch enger, die Außenstelle noch wichtiger.

Doch so eine Schule, die in Haupt- und Außenstelle geteilt ist, gefällt niemandem. Nicht den Lehrern, die zwischen beiden Schulhäusern pendeln und auch nicht den Kindern, die ins Harnisch-Schulhaus „ausgelagert“ sind und irgendwie nicht richtig zur Gutenberg-Schule gehören. Außerdem ist so eine geteilte Schule rechtlich nicht zulässig, nur eine Ausnahmegenehmigung macht diese Art Schulbetrieb möglich. Aber: Die Genehmigung wurde bereits verlängert. Wird die Ausnahme somit zur Regel?

Wird die Ausnahme zur Regel?

Das wollen weder die Schule noch der Landkreis als Träger dieser Gemeinschaftsschule. Aber was dann? Seit sechs Jahren wird zwischen Wolmirstedt und dem Landkreis Börde über den Schultausch gestritten, doch während dieser Streit mehrere Wendungen erlebte, verändern sich die Bedingungen. Und die Zahlen.

Statt der einst fünf fünften Klassen wurden in diesem Jahr nur zwei fünfte Klassen eingeschult. Das wird auch künftig so bleiben, die Zweizügigkeit ist in der Schulentwicklungsplanung des Landkreises festgeschrieben. Heißt: So viele Schüler wie derzeit, wird es in der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ bald nicht mehr geben.

Warum gibt diese Beschränkung durch die Zweizügigkeit, warum soll es nicht mehr fünfte Klassen geben? Das erklärt Dirk Michelmann, der im Landkreis für dieses Fachgebiet zuständig ist. „Es hilft, die Gefährdung anderer Schulstandorte zu vermeiden.“

Heißt im Klartext: Strömen die Fünftklässler weiterhin vor allem in die Gutenberg-Schule, kann es für die Leibniz-Gemeinschaftsschule in Wolmirstedt oder die Zielitzer Ganztagsschule dünn werden. Doch der Landkreis möchte unbedingt vermeiden, dass diese Schulen zu wenige Schüler haben und in Existenznot geraten. Es soll auch künftig eine bunte, vor allem wohnortnahe Schullandschaft geben.

Folgen für die Obestufe

Dennoch: Die Zweizügigkeit in der Gutenberg-Schule wird Folgen für deren gymnasiale Oberstufe haben. Aus zwei Klassen wachsen weniger Abiturienten nach, als aus fünf. Ist die eben erst eingeführte gymnasiale Oberstufe schon wieder bedroht? „Die Fünfzügigkeit war ohnehin nie geplant“, stellt Dirk Michelmann klar. Er sieht für die Zukunft der Abiturstufe an der Gemeinschaftsschule nur einen Weg: „Die notwendigen Mindestschülerzahlen können nur durch Kooperation mit anderen Gemeinschafts- und Sekundarschulen und eine hohe Attraktivität des Bildungsganges erreicht werden.“

Doch schon jetzt steht die Zukunft der gymnasialen Oberstufe bei Gutenbergs auf wackligen Beinen, schon jetzt verheißen die aktuellen Zahlen nichts Gutes. Die Mindestschülerzahlen von 50 Schülern pro Jahrgang sind nicht erreicht. In den zwölften Klassen lernen 43 Mädchen und Jungen, in die elften Klassen wurden gar nur 30 eingeschult. Noch ist das für den Bestand nicht kritisch, denn eine Übergangsregelung erlaubt, dass die Abiturstufe auch mit weniger als 50 Schülern bestehen darf. Aber diese Übergangsregelung gilt nur drei Jahre.

Macht es überhaupt noch Sinn, über einen Schultausch zu streiten oder sind die Schülerzahlen bald so gering, dass Grundschule und Gemeinschaftsschule in wenigen Jahren wieder gemeinsam in das Gutenberg-Schulhaus passen?

Auf solche Spekulationen will sich Dirk Michelmann nicht einlassen. Er verweist auf den Kreistagsbeschluss, der besagt, dass die Gutenberg-Gemeinschaftsschule komplett ins Gutenberg-Schulhaus zieht und die Gutenberg-Grundschule ins ehemalige Harnisch-Schulhaus. Dann hat jede Schulform ausreichend Platz.

Eigentlich wollten Stadt und Landkreis noch die Gebäude tauschen, damit jede Schulform im eigenen Haus residieren kann, aber der sechs Jahre währende Streit, der sich unter anderem um den Wertausgleich drehte, ist vorerst vom Tisch.

Nicht alles geregelt

Das heißt aber nicht, dass nun alles geregelt ist. Wenn die Gebäude nicht getauscht werden, dann sind beide Schulen jeweils Mieter beim anderen, die Grundschule beim Landkreis im Harnisch-Schulhaus, die Gemeinschaftsschule bei der Stadt Wolmirstedt im Gutenberg-Schulhaus. Also müssen Stadt und Landkreis jeweils Mietverträge abschließen. Entwürfe liegen vor, aber noch gibt es auf beiden Seiten Gesprächsbedarf. Am 10. November werden beide Verwaltungen verhandeln. Das Ziel: Entwürfe, die Wolmirstedts Stadtrat und dem Kreistag der Börde vorgelegt werden können.

Ist dann alles in Butter? Nein. Dann prüft das Landesverwaltungsamt, ob die Sache mit der gegenseitigen Miete überhaupt erlaubt werden kann.