Barleben l Seit zwei Jahren engagiert sich die Schulsozialarbeiterin Franziska Starke bereits mit verschiedenen Projekten in der Grundschule. Sie geht individuell auf die Kinder ein, ist ihnen, den Lehrern und Eltern sehr ans Herz gewachsen, nicht mehr aus dem Schulalltag wegzudenken. Doch bald muss sie die Schule verlassen.

Zum Hintergrund: Ihr Arbeitgeber ist das Sozialwerk Kinder- und Jugendhilfe der Gemeinnützigen Paritätischen Sozialwerke. Diese werden vom Europäischen Sozialfonds und dem Landkreis Börde gefördert. Diese Förderung wird zum 31. Juli 2019 auslaufen. Insgesamt neun Schulsozialarbeiter, die im Landkreis Börde tätig sind, werden ab dem 1. August gekündigt. Nun protestieren Schüler, Eltern und Lehrer und starten mehrere Projekte.

Nach einem Aufruf haben Schüler aller Klassenstufen der Grundschule Barleben und auch viele Eltern „Liebesbriefe“ geschrieben, in denen sie mitteilten, warum ihnen Schulsozialarbeit wichtig ist. So schrieb der 6-jährige Alex: „Sie hilft uns, wenn wir uns streiten.“ Die 7-jährige Jolina teilte mit: „Sie hilft uns immer, wenn jemand traurig ist.“

Gute Zuhörerin

Aus der zweiten Klasse schrieb Julian: „Liebe Frau Starke, Sie sind so nett und sie helfen jedem Kind. Sie machen mit uns viele Spiele. Sie geben uns Tipps, wie man das besser machen kann.“ Leona (9 Jahre) meinte: „Ich finde, dass die Schulsozialarbeit bleibt, weil man ihr/ ihm vertrauen kann. Man kann Sorgen, Gedanken und Probleme erzählen. Und danach fühlt man sich viel besser.“

Weiterhin schätze Mutter Carina Behrendt Franziska Starke als feste Ansprechpartnerin für Schüler, Lehrer und Eltern. „Sie hört zu, motiviert und hilft bei Konfliktsituationen. Sie betrachtet weniger die schulischen Leistungen des Schülers, sondern das Verhalten und bespricht Lösungsansätze. Durch ihre Unterstützung werden die Eltern zur Mitwirkung an Schule motiviert.“

Monique Ferchland sei dankbar, dass ihr Sohn in Franziska Starke nach einem Schicksalsschlag „eine gute Zuhörerin fand, die ihm half, das Geschehene zu verstehen, zu verarbeiten und damit zu leben. Frau Starke hat ein Gespür für die Probleme der Kinder, sie kann zuhören, hinterfragt, regt Lösungswege an und gibt jedem Kind das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Frau Starke gehört an die Grundschule Barleben, alles andere wäre ein Fehlentscheidung.“

Buttons als Zeichen

Inzwischen trägt jedes Schulkind der Grundschule Barleben einen Anstecker an seinem Ranzen. Die anderen betroffenen neun Grundschulen fertigen sich nach diesem Beispiel ebenso Buttons an. Darüber hinaus wird die Vorlage inzwischen auch im Bundesland zur Aktion „Verstetigung der Schulsozialarbeit“ weiterverbreitet, so Franziska Starke. Die Idee für den Button kam vom Elternrat, Mutter Kathrin Hoffmann hat das Design entworfen.

Die Briefe und Button-Aktion geben der Schulsozialarbeiterin mächtig Rückenwind: „Ich bin überwältigt von den ganzen Nachrichten und Briefen. Es zeigt mir, dass in den zwei Jahren, die ich an der Grundschule Barleben bin, viel erreicht worden ist,“ sagt Franziska Starke. Sie hat unter anderen einen Yogakurs für die Kinder betreut. Dabei lernten die Kleinen, richtig mit Stress umzugehen. Außerdem führt sie einmal die Woche ein Trainingsprogramm zur frühzeitigen Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch, um Verhaltensstörungen zu verhindern. Sollte es bei einer Kündigung bleiben, gehen einige Projekte an der Grundschule verloren, für die Franziska Starke zuständig war. Die Lehrer könnten dies nicht auffangen.

Franziska Starke hält daran fest, weiter Schulsozialarbeiterin zu bleiben. „Es ist mein Herzenswunsch, Schulen bei der Entwicklung zu einem Wohlfühlort zu helfen. Damit die Kinder einfach gerne in die Schule gehen,“ sagt die junge Frau. Ihre eher negativen Erlebnisse in der eigenen Schulzeit motivierten sie, eine verständnisvolle Ansprechperson für die Kinder bei deren Persönlichkeitsentwicklung zu werden.

Gemeinsam mit Schulleiterin Anja Krause und Vertretern des Elternrates wird sie an der heutigen Kreistagssitzung teilnehmen. Die gesammelten Zuschriften, Briefe und Nachrichten werden sie dem Landrat Martin Stichnoth überreichen. Um zu zeigen, wie wichtig Schulsozialarbeit ist.

Die Schulleiterin hat sich auch an den Barleber Gemeindebürgermeister Frank Nase gewandt. Seine Hilfe hat er ihnen zugesichert. Nun wird er gemeinsam mit dem Paritätischen und dem Börde-Landrat Martin Stichnoth bei der Kreistagssitzung am heutigen Mittwoch über eine Beschlussvorlage entscheiden. Bei dieser soll es laut Schulleiterin Krause um eine Mischfinanzierung gehen. Wie diese genau aussehen soll, sei bisher nicht bekannt.