Barleben l Es war ein offener Brief, der Hilfe forderte. Mit emotionalen Worten hat sich die Lehrerin Gerda Schmidt an Martin Stichnoth (CDU), Landrat der Börde, gewendet. Sie schreibt, was die Schulsozialarbeiterin Franziska Starke an der Grundschule leistet – und was passiert, wenn sie nicht mehr da ist.

Rückblick: Seit dem Schuljahr 2017/2018 ist Franziska Starke als Schulsozialarbeiterin an der Grundschule. Ihre Aufgabe ist es, individuell auf die Probleme der Kinder einzugehen und Projekte zu erarbeiten, um den Problemen vorzubeugen. Sie ist oftmals Zuhörerin, Tränentrocknerin und Bezugsperson in einem. Ihr Arbeitgeber ist das Sozialwerk Kinder- und Jugendhilfe der Gemeinnützigen Paritätischen Sozialwerken – kurz: Paritätischer. Dieser wiederum wird vom Europäischen Sozialfonds sowie dem Landkreis Börde gefördert. Diese Förderung war von Beginn an befristet bis zum 31. Juli 2019.

Trotzdem haben alle Beteiligten immer gehofft, dass die Stelle der Schulsozialarbeiterin in Barleben gesichert sind. „Uns wurde vom Landkreis immer gesagt, man finde nach Ablauf der Zeit Lösungen“, sagt Anja Krause, Schulleiterin der Grundschule Barleben. Nun steht es schwarz auf weiß: In vier Monaten wird Franziska Starke nach aktueller Lage nicht mehr an der Schule tätig. Sie könne sich einen Alltag ohne Schulsozialarbeit nicht mehr vorstellen. Neun Schulsozialarbeiter der Börde werden ab dem 31. Juli nicht mehr gefördert. Insgesamt 40 dieser Stellen waren im Landkreis bisher besetzt.

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Schulsozialarbeiter stellen Projekte auf die Beine, um die Kompetenzen der Jugendlichen zu fördern. So hat Franziska Starke unter anderem einen Yogakurs für die Kinder etabliert. Dabei sollen die kleinen Teilnehmer den Umgang mit Stress lernen. Außerdem führt sie einmal wöchentlich ein Trainingsprogramm zur frühzeitigen Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen durch, um Verhaltensstörungen vorzubeugen. „Diese Projekte sind beendet, wenn meine Arbeit endet“, sagt Franziska Starke.

Suche nach Hilfe bei Eltern und Gemeinde

Nun sind die Akteure der Grundschule aktiv geworden. „Wir sammeln Briefe von Kindern, Eltern und Lehrern, in denen geschrieben steht, was ihnen die Schulsozialarbeit bedeutet“, erklärt Anja Krause. Diese „Liebesbriefe“ wollen sie dem Landkreis zukommen lassen, um auf die Wichtigkeit der Arbeit hinzuweisen. „Ich finde Schulsozialarbeit wichtig, weil es vielen Kindern hilft, über alles, was dem Kind auf dem Herz liegt, zu reden“, schreibt eine Zweitklässlerin in ihrem „Liebesbrief“ an Frau Starke.

Neben Eltern und Lehrerschaft hat sich die Schulleiterin auch an die Gemeinde als Träger der Schule gewandt. Gemeindebürgermeister Frank Nase hat seine Unterstützung zugesagt. Wie diese genau aussehen soll, ließ er offen. Der Landkreis Börde hat sich bisher nicht zu dem Sachverhalt geäußert.

Des Weiteren haben sich die Schulleiter, die Schulsozialarbeiter sowie Elternvertreter der betroffenen Schulen im Landkreis Börde zusammengesetzt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen und eine Lösung zu finden.

„Ich habe mich in den zwei Jahren sehr eingebracht in das Schulleben und vieles aufgebaut. Natürlich bekommt man dann das Gefühl, dass die Wichtigkeit der eigenen Arbeit nicht gesehen wird“, sagt Franziska Starke. Es sei auch schade für die Schule. Trotzdem hoffe sie noch auf eine Notlösung in letzter Sekunde.