Gersdorf l Am Freitagmorgen traute Karsten Sy aus Gersdorf seinen Augen nicht. Auf dem Feld am Wohngebiet Hohenwarsleber Weg lief scheinbar ein Wolf. Der Gersdorfer zückte ein Fernglas – und die Kamera gleich mit. Er meldete die ungewöhnliche Sichtung dem Wolfskompetenzzentrum in Iden (Landkreis Stendal).

Bisher sind laut der Zählung des Zentrums Wolfsrudel in der Altmark sowie östlich der Elbe nachgewiesen, doch in der Niederen Börde gab es noch keine Sichtungen. Doch unwahrscheinlich ist das Auftauchen des Wolfes in der Gemeinde laut Andreas Berbig, Leiter des Wolfskompetenzzentrums nicht.

Auch Heinrich Schulze, Kreisjägermeister der Börde, ist hat bereits mehrere Wölfe in der Niederen Börde gesichtet. „Rund um Samswegen, Groß Ammensleben, Vahldorf und Meseberg wurden bereits Wölfe gesichtet. Inzwischen ist das Tier allgegenwärtig in der Gemeinde", sagt Kreisjägermeister Heinrich Schulze. Das Streifgebiet der Wölfe betrage 50 bis 70 Kilometer pro Tag. Von der Colbitz-Letzlinger Heide bis zur Niedere Börde ist es für die Tiere nur ein Katzensprung.

Das Wolfskompetenzzentrum wertet nun die Bilder aus Gersdorf aus. Noch bleiben die Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums jedoch passiv. „In der Niederen Börde wurde bisher nur ein einzelnes Tier gesichtet. Erst wenn häufigere Meldungen zu Sichtungen eintreffen, werden wir aktiv“, so Andreas Berbig. Denn dann könne man davon ausgehen, dass Einzeltiere sich territorial ansiedeln.

In einem solche Falle arbeiten die Wolfsexperten mit Wildtierkameras, aber auch mit reiner Spurensuche. Dabei handelt es sich dann um das sogenannte aktive Monitoring, dem Wolf wird also auf die Spur gegangen.

Wölfe in Wolmirstedt und Magdeburg

Das letzte Mal, das ein Wolf im Bereich Wolmirstedt auf sich aufmerksam machte, war vor drei Jahren. Im März 2016 griffen Wölfe laut Wolfskompetenzzentrum mehrere Schafe im Ortsteil Mose an. Danach tauchte das Tier jedoch nicht wieder in der Region auf.

Zuletzt meldeten Anwohner des Parchauer Sees (Landkreis Jerichower Land) mehrere Sichtungen von Wölfen. Daraufhin installierte das Team des Wolfkompetenzzentrums eine Wildtierkamera, die jedoch auf 2000 Bildern keinen Wolf zeigte.

Anfang 2019 wurde auch ein Wolf im Magdeburger Stadtgebeit Buckau gefilmt. Auch hier brachten die Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums zwei Kameras an, doch der Wolf ist seither verschwunden.

Das Wolfskompetenzzentrum ist mit den Recherchen nach Hinweisen zu Sichtungen, Auswertungen zu Fotos, und Rissbegutachtungen rund um die Uhr beschäftigt. Sollte ein Tier gesehen werden, die das Zentrum die erste Anlaufstelle. Wichtig ist, dass in solchen Fällen die erste Quelle mitgeteilt werde, die den Mitarbeitern des WZI auch konkret Ort und Zeit solcher Sichtungen nennen können.

Generell ist die Unterscheidung zwischen einer Hunde- und einer Wolfsspur für den Laien schwierig und am Einzelabdruck unmöglich. Der Kot von Wildtieren wird fachbezogen als Losung bezeichnet. Charakteristisch für eine Wolfslosung ist ein hoher Anteil an enthaltenen Tierhaaren und Knochenresten. Außerdem markieren Wölfe ihre Territorien mit Losungen und platzieren diese oftmals an oder auf Wegen, bevorzugt an Kreuzungen und auf Erhöhungen. Auch am Geruch lässt sich eine Wolfslosung von Hundekot unterscheiden.

Hinweise zu Sichtungen des Wolfs nimmt Antje Weber vom Wolfskompetenzzentrum unter der Nummer 039390/6482 entgegen.