Wolmirstedt l Es war wohl die Knallerei außerhalb der Silvesternacht, die einen Schäferhund das Leben kostete. Das schwerverletzte Tier konnte nur noch eingeschläfert werden. Was war passiert?

Schon vor dem Silvestertag wurden überall in Wolmirstedt Böller gezündet. Es zischte, knallte, leuchtete bereits am Abend des 30. Dezember. Was daraufhin geschah, kann so rekonstruiert werden: Der belgische Schäferhund Tomi hielt sich auf der Dachterrasse seiner Wohnung auf, die liegt an der Rückseite des Hauses. Offenbar erschreckte er sich dermaßen vor einem lauten Knall, dass er auf das Dach des Hauses sprang, bis auf den First kletterte. Er konnte sich dort oben wohl nicht halten, rutschte ab, die andere Dachseite hinunter, die vorn zur Straße zeigt. Tomi versuchte offenbar verzweifelt, sich an den Dachziegeln festzukrallen. Ein Radfahrer, der sich später als Zeuge zur Verfügung stellte, berichtete von Kratzgeräuschen und einem Schatten, der so schnell nicht einzuordnen war. Fakt ist: Der Hund rutschte ab und schlug derbe auf dem Pflaster auf. Weitere Passanten wurden darauf aufmerksam, um 19.13 Uhr ging in der Leitstelle der Notruf ein.

Schwerverletztes Tier

Sofort bildete sich eine Menschentraube um das schwerverletzte Tier. Dazu kamen Ordnungsamtschef Dirk Illgas, der hatte Rufbereitschaftsdienst und war von der Leitstelle informiert worden. Er rief den zuständigen Veterinär des Landkreises an und einen Tierarzt. Der Hund konnte sich nicht bewegen, der Tierarzt stellte fest, das Rückgrat sei gebrochen. Für Tomi konnte er nichts mehr tun und erlöste das Tier von seinen Qualen. Damit ging für Tomi ein endlich gut geratenes Hundeleben vorzeitig zu Ende.

Tomi war ein Tierheimhund, der bei seinem Frauchen endlich ein schönes Zuhause gefunden hatte. Er war 2011 in Ungarn geboren und von dort nach Deutschland gebracht worden, lebte in den Tierheimen Salzwedel, später in Gardelegen. Tomi galt als schwierig, fand jedoch im Wolmirstedter Tierheim schließlich ein Zuhause auf Zeit. „Wir haben ihn sozialisiert“, sagt Tierheimleiter Otfried Müller.

Um so erfreuter waren die Tierheimmitarbeiter, als sich eine erfahrene Hundehalterin des Schäferhundes annahm, sich augenscheinlich liebevoll um Tomi kümmerte. Otfried Müller atmete auf: „Endlich hatte er jemanden gefunden.“ Und nun? Das Geschehen am 30. Dezember ordnet Dirk Illgas so ein: „Es war ein tragischer Unglücksfall.“

Zu früh geböllert

Und doch: Tomi hätte wohl nicht sterben müssen. Es ist nicht erlaubt, außerhalb des Silvester- und Neujahrstages Feuerwerke zu zünden. Dennoch wurde auch in Wolmirstedt bereits am 30. Dezember überall im Stadtgebiet geböllert. Das erzeugt für Tiere und Halter zusätzlichen Stress.

Für Tiere ist diese Zeit des Jahres schwierig, sie können nicht verstehen, was es mit der Knallerei auf sich hat. Tierhalter müssen sich deshalb Schutzmaßnahmen einfallen lassen. „Entweder das Radio aufdrehen oder die Tiere an einen ruhigen Platz bringen“, sagt Otfried Müller. Er hat damit reichlich Erfahrung.

Das Tierheim in der Angerstraße befindet sich einerseits weitab von der Innenstadt als Hauptböllerplatz, andererseits in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gelände des Schützenvereins. „Unsere Tiere sind es also gewöhnt, dass es hin und wieder knallt.“ Im Tierheim war alles ruhig.

Die Silvesternacht selbst verlief in Wolmirstedt friedlich, besondere Vorkommnisse sind nicht bekannt. Viele Bürger fegten Böllerreste zusammen, andere hatten sie achtlos liegenlassen oder in städtische Papierkörbe gestopft. Grundsätzlich gilt jedoch das Verursacherprinzip: Jeder entsorgt seinen Müll selbst. Alles andere werden heute die Wirtschaftshofmitarbeiter entfernen.