Barleben l „Emily ist ein fröhliches Mädchen, die immer lacht und optimistisch ist. Durch einen seltenen Gen-Defekt ist sie aber in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt“, erzählt Stephanie Brehm. Die Vorsitzende des Vereins „Tierisch geborgen“ aus Magdeburg berichtet, dass Emily zudem an einer Hirnschädigung leidet, die zu einer Fehlfunktion der Muskeln führte. „Das macht das Leben des Mädchens zusätzlich schwer“, sagt Brehm.

Momo soll im Alltag unterstützen

Deshalb soll die Bottmersdorferin einen Hund bekommen. Doch der Vierbeiner wird kein normaler Familienhund sein, sondern ein sogenannter Assistenzhund, der Emily in ihrem Alltag helfen soll. Nun stand die Neunjährige bereits kurz vor der Erfüllung ihres Traums vom eigenen tierischen Freund, der ihr Leben so viel leichter machen sollte. „Doch vor einem Monat ließ eine schwere Krebsdiagnose des noch jungen Hundes diesen Traum platzen“, berichtet Stephanie Brehm weiter. „Vom Schock erholt, blicken wir gemeinsam mit Emily nach vorn.“

Wochenlang sei nach einem neuen, geeigneten Hund gesucht worden. Nun sind die Vereinschefin und ihre Mitstreiter fündig geworden: „Fürst Momo vom Windberg“ ist der Name des gerade einmal fünf Wochen jungen Hovawart-Rüden. Kennengelernt haben sich Emily und Momo bereits. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Nun muss der kleine Hovawart seine Ausbildung zum Assistenzhund durchlaufen. Am 6. Dezember schon soll es in Magdeburg losgehen. Die Mitarbeiter der Hundeschule Taz in der Elbestadt werden für die nächsten gut eineinhalb Jahre viel zu tun bekommen. Denn Momo wird allein für Emily ausgebildet und erlernt Aufgaben, die die Behinderungen des Mädchen direkt mindern sollen.

Hohe Standards einhalten

Doch das reicht nicht aus. So muss der Vierbeiner zudem hohe Standards in der Öffentlichkeit einhalten. Zum Beispiel darf er nicht schnüffeln und muss andere Menschen und Hunde ignorieren. Hat Momo seine Ausbildung in etwa 18 Monaten beendet, wird er Emily jeden Tag rund um die Uhr begleiten. So ist das Mädchen auf die Hilfe ihres Assistenzhundes angewiesen, wenn sie zum Beispiel zum Arzt muss und etwas einkaufen möchte.

Doch gibt es einen Haken: „Die Ausbildung des Hundes kostet etwa 20 000 Euro“, erklärt Stephanie Brehm. So viel Geld kann sich aber die Bottmersdorfer Familie nicht leisten. Und hier kommt der Verein „Tierisch geborgen“ ins Spiel. Die Mitstreiter sichern über Spendeneinnahmen unter anderem die Finanzierung der Ausbildung von Assistenzhunden wie Momo es einer werden soll. 1100 Euro sind für das Projekt „Ein Hund für Emily“ bereits zusammengekommen. Doch fehlt noch ein großer Teil.

Auf den Magdeburger Verein ist vor einiger Zeit auch Chiara Brömse über ihre Familie aus Haldensleben aufmerksam geworden. „Die Projekte des Vereins fand ich so gut, dass ich dachte, das muss unterstützt werden“, erzählt die Achtklässlerin.

Jedes Jahr eine Kampagne

Die Schüler des Ecole-Gymnasiums Barleben greifen jedes Jahr einer Kampagne mit Spenden unter die Arme. „Da wir in diesem Jahr auf der Suche nach einem neuen Projekt waren, habe ich vorgeschlagen, den Verein ‚Tierisch geborgen‘ zu unterstützen“, berichtet die Haldensleberin. Als Mitglied im Schülerrat hat sie ihre Idee sogleich ihren Mitstreitern des Gremiums vorgeschlagen. Die kam offenbar so gut an, dass das Projekt tatsächlich umgesetzt wurde.

„Alle Schüler waren dazu aufgerufen, pro Monat je einen Euro zu spenden. Eigentlich hätten 1100 Euro zusammenkommen müssen, es sind aber sogar 1250 Euro geworden“, berichtet der 17-jährige Schülersprecher Johann Strauß nicht ohne Stolz.

Am Freitag war dann der große Tag: Die zwei Schülervertreter haben Vereinsvorsitzende Stephanie Brehm eingeladen, um ihr den Spendenscheck zu überreichen. „Ich freue mich, dass wir heute symbolisch 1250 Euro übergeben dürfen und damit Emilys Traum, einen Assistenzhund an ihrer Seite zu haben, ein Stück näher gekommen sind“, sagt Chiara Brömse und dankte ihren Mitschülern für ihr Engagement. Und sie dankte den Klassensprechern ihrer Schule, dass ihre Idee sofort Anklang fand.

Schüler rufen zu weiteren Spenden auf

Auch die Projektleiterin für die Spendenaktion am Ecole-Gymnasium, Kirstin Wolter, zeigt sich begeistert von dem Einsatz ihrer Schüler. „Ich bin aber auch sehr stolz, dass sich die Mädchen und Jungen so sehr für dieses Anliegen stark gemacht haben“, sagt die Lehrerin.

In drei bis vier Wochen schon wird der kleine Momo in Emilys Zuhause in Bottmersdorf einziehen und dann fast täglich für die Ausbildung abgeholt. Doch die „Lehre“ des jungen Hovawart-Rüden, auch wenn sie schon Anfang Dezember beginnt, ist längst nicht in trockenen Tüchern. Das wissen auch die Ecole-Schüler in Barleben. So bitten die Gymnasiasten um Spenden, damit Emilys Leben mit ihrem Assistenzhund an ihrer Seite künftig an Qualität gewinnt.