Wolmirstedt l Linda Leithardt spricht schnell, sehr schnell. Mit ebensolcher Geschwindigkeit flitzt sie zwischen den Cheerleadern der Baskets hin und her, den „Basket Ice“, die sie einmal in der Woche trainiert. Die Mädchen hoffen, dass sie bald ebenso zu Cheerleader-Meisterschaften reisen können wie ihre Trainerin. Die ist gerade von der Weltmeisterschaft in Orlando zurückgekehrt.

Linda Leithardt hat es ins National-Team der Para-Performance-Cheer geschafft. Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich eine besondere Cheerleader-Mannschaft, ein Viertel der Mitglieder gilt als beeinträchtigt. Ein seltsames Wort, wenn es um Menschen geht, aber um bei diesem Begriff zu bleiben: Beeinträchtigt ist auch Linda Leithardt.

Schwerbehindert nach Brustkrebs

Bei der 35-jährigen Frau wurde vor zwei Jahren Brustkrebs diagnostiziert. „Danach folgte das ganze Programm: Chemotherapie, Bestrahlung, Operation.“ Seither ist die Diplomverwaltungsfachwirtin schwerbehindert. Um dieser Schwerbehinderung eine Kategorie zu geben, steht in ihrem Ausweis 30 Prozent. Kein Grund für Linda Leithardt, auf Tanz und Akrobatik zu verzichten. Beides gehört zum Cheerleading dazu und zu ihrem Leben schon immer und sowieso.

Ihre ersten sportlichen Schritte ist die Wolmirstedterin beim OK-Live-Ensemble gegangen. Bei den „Blue Girls“ lernte sie die Grundlagen der Akrobatik, später trat sie als Leiterakrobatin auf. Dem Showtanz widmete sie sich bei den „Crazy Girls“ und mit 18 Jahren war beim OK-Live-Ensemble für die junge Frau Schluss. Sie hatte nach einem Vortanzen einen Platz in einer Magdeburger Tanzschule ergattert, wurde später Trainerin der Magdeburger Cheerleader „Guardian Angels“. Dann funkte die Krebserkrankung ins Leben. Das Tanzen bekam eine Pause.

Neue Aufgabe als Trainerin

Nicht jedoch ihre sozialen Kontakte. „Ich bin gern im Rudel unterwegs.“ Eines ihrer „Rudel“ sind die Basketballer aus Wolmirstedt, die „Baskets“, und als Linda Leithardt erfuhr, dass die Cheerleader eine neue Trainerin brauchen, sah sie darin eine neue Aufgabe und sagte spontan zu.

„Damals war ich mitten in der Chemotherapie“, blickt sie zurück, „hatte eine Glatze und saß während des Trainings auf dem Stuhl.“ Den Mädchen schien es trotzdem gefallen zu haben, kamen anfänglich fünf bis sechs, sind es inzwischen 15. „Gern können es noch mehr werden, Nachwuchs ist immer gerne gesehen“, ermutigt Linda Leithardt.

Cheerleader, sind das nicht die Mädchen, die beim Basketball oder American Football mit bunten Pompons am Spielfeldrand stehen und ihre Mannschaft anfeuern? Dieses Bild kommt wohl als erstes in den Sinn, doch Cheerleading ist weit mehr, ist Anmut, Tanz und Akrobatik in einem. In den Spielpausen bauen die Mädchen auf dem Feld mit ihren Körpern beeindruckende Figuren. „Cheerleading braucht Präzision, Kraft und Vertrauen“, sagt Linda Leithardt, „damit bei den Hebefiguren nichts passiert und das Bild zudem noch gut aussieht, muss jede auf den Punkt dasselbe machen, wie es abgesprochen und eingeübt wurde.“ Wie das gelingt, erleben Zuschauer bei jedem Heimspiel der Baskets.

Einzige Sachsen-Anhalterin im Team

Linda Leithardt legt Wert auf Perfektion, die Kinder lassen sich gern darauf ein. Doch die Trainerin wollte eines Tages auch selbst wieder Cheerleaderin sein, hat sich deshalb für das Para-Performance-National-Team beworben und wurde als einzige Sachsen-Anhalterin in diese Mannschaft berufen. Anders als im klassischen Cheerleading stehen beim Performen die tänzerischen Elemente wie Ballett, Jazz, Hiphop und Akrobatik im Mittelpunkt, genau das, was Linda bereits im OK-Live-Ensemble gelernt hat. Der Preis: In Orlando landete sie mit ihrem Team auf dem vierten Platz.

Die „Basket Ice Cheerleader“ haben sich mit ihr gefreut, doch Linda Leithardt lässt dafür nicht viel Zeit. Sie ermutigt die Mädchen wortreich, an den Hebefiguren zu feilen.