Wolmirstedt l Der Stadtrat und die Verwaltung haben sich alle Mühe gegeben. Doch der Plan, ein neues Stadion zu bauen, muss erst einmal pausieren. Die Sache mit den Fördermitteln Sachsen-Anhalts ist verzwickt. Die Stadträte lassen sich trotzdem nicht beirren. Dabei sind die Nachrichten nicht gut.

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn hat Post von Umweltministerin Claudia Dalbert bekommen und fasste den Inhalt für den Stadtrat zusammen: „Es gibt für den Stadionneubau keine Mittel aus dem Hochwasserschutzprogramm.“ Jedenfalls nicht vor 2023. Erst dann ist das Planfeststellungsverfahren für den Deich am Handwerkerring und im Küchenhorn beendet, erst dann werden Summen ins Spiel gebracht.

Neubau nur mit Fördermitteln

Hingegen stehen die Fördergelder des Sport- und Innenministeriums schon jetzt, aber nur bis zum 30. September 2020 zur Verfügung. Beides geht nicht zusammen. Die Stadt braucht beide Förderprogramme im selben Zeitfenster, sonst kann sie keinen Stadionneubau stemmen. Und nun? Kann das Sport- und Innenministerium die Mittel einfrieren, bis das Umweltministerium mit der Deichplanung fertig ist?

Marlies Cassuhn macht wenig Hoffnung: „Für die Fördermittelbeantragung gibt es im Innenministerium keine Terminverlängerung.“ Heißt also: Hochwassermittel nicht in Sicht, Sport- und Innenministeriumsmittel nur bis zum 30. September abrufbar. Ist der Kampf damit verloren?

Das wollen weder die Bürgermeisterin noch der Stadtrat hinnehmen. Sie geben sich weiterhin zuversichtlich und haben sich zumindest für einen Platz entschieden. Soll ein neues Stadion kommen, soll es in der Samsweger Straße entstehen. Damit ist der Weg zumindest frei, um Fördermittel zu beantragen.

Frage der Notwendigkeit

Mahner gab es trotzdem. UWG-Stadtrat Klaus Mewes warf noch einmal die Sanierung des Küchenhornstadions als Option in die Waagschale. „Ist es wirklich so oft überflutet?“ Er meinte, eine sechs-Millionen-Euro-Investition in ein neues Stadion muss begründet sein, beispielsweise durch eine echte Gefährdung das alten.

Wie häufig das Küchenhornstadions bisher überflutet war, ist allerdings gar kein Maßstab, denn künftig möchte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz den Deich zurückverlegen, sodass das gesamte Küchenhorn wieder zum Auwald wird. Ein Auwald ist eine Art Überflutungsgebiet, gibt dem Fluss Raum und Bäume können auch mal nasse Füße bekommen. Somit kann das Stadion mitten im Auwald also künftig öfter als bisher unter Wasser stehen.

Zum Schutz könnte der Landesbetrieb für Hochwasserschutz einen Ringdeich um das Stadion bauen, der würde etwa 1,2 Millionen Euro kosten. Für so einen Din-gerechten Deich müssten viele Bäume fallen. Wenn aber dieser Ringdeich nicht gebaut, das Geld nicht benötigt wird, wäre das die Summe, die in den Stadionneubau fließt. So war der Plan, der nun erst 2023 ernsthaft verhandelt werden kann.

Finanzielle Bedenken

Klaus Mewes äußerte auch finanzielle Bedenken. „Die Finanzierung ist so unklar, außerdem haben wir aufgrund der Corona-Krise gewaltige Steuereinbrüche zu befürchten.“ Auch in diesem Zuge fragte er, ob es nicht sinnvoller sei, das Küchenhorn-Stadion zu sanieren. Das erforderte „nur“ 2,9 Millionen Euro.

SPD-Stadtrat Nico Henning wollte sich nicht ins Bockshorn jagen lassen und plädierte dafür, an den Stadionneubauplänen festzuhalten. „Der Sportplatz im Küchenhorn ist eine Schande für die Stadt. Wir sollten unbedingt Geld für einen Neubau in die Hand nehmen.“ Dirk Hummelt (CDU) sprang ihm bei. „Der neue Standort in der Nähe der Schulen bringt Synergieeffekte.“

Stadtfinanzer Marko Kohlrausch wandte sich vor der Abstimmung mit ein paar Hoffnungen und Risiken an die Volksvertreter: „Es kann sein, dass die rund sechs Millionen Euro nicht reichen, dann müssen wir den Weg trotzdem zu Ende gehen.“ Ein halbfertiges Stadion sei keine Alternative. Außerdem gebe es die Möglichkeit, den Anteil des Landesbetriebs für Hochwasserschutz vorzufinanzieren.

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn zeigte sich zuversichtlich, dass die Stadt und beide Ministerien an einer Lösung im Sinne eines neuen Stadions interessiert sind und weiterhin nach einer Lösung suchen.

Mit großer Mehrheit

Der Stadtrat hat letztlich mit großer Mehrheit entschieden: Wenn ein neues Stadion gebaut wird, dann in der Samsweger Straße.

Mit diesem Votum zeigte sich SV-Kali-Vorsitzender Martin Westphal hochzufrieden, sah die Stadt auf einem guten und mutigen Weg und gab den Ball nun weiter in die Ministerien: „Ich bin optimistisch, dass Staatssekretäre und Minister eine Entscheidung treffen.“