Groß Ammensleben l Bisher haben in diesem Jahr 27 Paare in der Niederen Börde geheiratet. Das sind vier Eheschließungen mehr als ein Jahr zuvor und zwei als im Jahr 2018. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn es liegt noch eine weitere Anmeldung für eine Hochzeit in Groß Ammensleben vor. Und es könnten noch mehr werden. „Unsere Erfahrung zeigt, dass sich gerade im Dezember Kurzentschlossene bei uns melden, die sich zeitnah trauen lassen wollen“, erklärt Standesbeamtin Heide Roy.

Paare mögen das historische Ambiente

Die Zunahme an Eheschließungen führt sie auf die in diesem Jahr neu geschaffene Außenstelle des Standesamtes im Infozentrum auf der altehrwürdigen Domäne zurück. In historischem Ambiente haben sich seit dem Sommer 14 Verliebte das Jawort geben. „Tatsächlich hatten wir in den Vorjahren Paare, die sich für eine Trauung bei uns angemeldet haben, um dann aber zum Beispiel in Wernigerode oder an der Ostsee zu heiraten – einfach wegen des schöneren Umfeldes“, berichtet Heide Roy. Mit der Möglichkeit, sich auch in der eigenen Gemeinde vor entsprechender Kulisse das Jawort geben zu können, bleiben die Paare nun gerne hier. „Die Domäne wird sehr gut angenommen und erfährt einen guten Zuspruch“, sagt die Standesbeamtin und wertet die Widmung des Infozentrums zur Außenstelle als vollen Erfolg.

Den Weg hatten die Mitglieder des Gemeinderates bereits Anfang dieses Jahres freigemacht. Mehrheitlich folgten die Kommunalpolitiker einer entsprechenden Beschlussvorlage der Verwaltung.

Seither versprüht die ehemalige Schmiede, in der das Infozentrum der Gemeindeverwaltung untergebracht ist, feierlichen Charme. Gut 20 mit weißen Hussen überzogene Stühle stehen in Reih und Glied und große Pflanzen sind aufgestellt. Tatsächlich verströmen die Räume mit altem Handwerkszeug wie Blasebalg und Schmiedeamboss idyllischen Charme. Letzterer kommt übrigens zum Einsatz, wenn durch einen Schlag mit dem Hammer auf ein Hufeisen das Glück der Frischvermählten besiegelt wird.

Außenstelle in der alten Schmiede ist barrier

Dass auf dem Gelände der altehrwürdigen Einrichtung inmitten teils jahrhundertealter Architektur geheiratet werden kann, ist auch dem Wunsch der Bürger in der Gemeinde zu verdanken. „Aufgrund der verstärkten Nachfrage nach Trauungen auf der Domäne soll nunmehr der Ausstellungsraum im Infozentrum als Außenstelle des Standesamtes gewidmet werden“, hieß es in der bereits erwähnten Beschlussvorlage der Verwaltung, die die Räte im Februar dieses Jahres verabschiedet hatten.

Gesetzlich ist eine Gemeinde dazu verpflichtet, unentgeltlich ein Trauzimmer anzubieten. Dieses befindet sich auf dem Hof der Gemeindeverwaltung in Groß Ammensleben. Hier passen mehr Leute hinein, dafür müssen jedoch mehrere Treppen bewältigt werden. Die Vorteile für eine Hochzeit in der Außenstelle auf der Domäne liegen in der Barrierefreiheit und dem Motiv mit der Kirche „Sankt Peter und Paul“ im Hintergrund auf der Hand.

Während die Nutzung des Trauzimmers in der Verwaltung kostenlos ist, müssen Paare, wenn sie auf der Domäne heiraten wollen, einen Obolus zahlen. Dies wurde in einer weiteren Satzung so geregelt. Bei zehn Eheschließungen in der Außenstelle im Jahr würden somit 900 Euro zusätzlich generiert. Doch da die tatsächliche Anzahl der Eheschließungen zum Jahresbeginn noch nicht bekannt war, waren die mutmaßlichen Mehreinnahmen nicht in den Haushaltsplan 2020 eingearbeitet worden.

Von der Zeremonie in der alten Schmiede waren auch Claudia und Stefan Ribbe begeistert. Die Beiden gaben sich im Juni als erstes Paar auf der Domäne das Jawort. „Das war eine sehr schöne Trauung in einem sehr schönen Umfeld“, hatte die glückliche Braut erzählt und hinzugefügt: „Der Schlag auf das Hufeisen am Ende war noch mal eine schöne Aktion.“