Rogätz l Das Jahr 2017 war ein erfolgreiches Storchenjahr auf dem Rogätzer Horst in der Magdeburger Straße. „Gerade ist mit dem Abflug des Storchen-Brutpaares in ihr Winterquartier unser Storchenjahr zu Ende gegangen. Grund genug, um die Ereignisse Revue passieren zu lassen und Resümee zu ziehen“, sagt Bruno Buckler, der von der Ankunft des ersten Storches am 3. März bis zum Abflug des Brutpaares am vergangenen Sonntag Tagebuch geführt hat.

„Heute ließ sich der erste Storch dieses Jahres für eine Nacht auf dem hiesigen Horst nieder und zog am Folgetag zu seinem eigentlichen angestammten Nistplatz weiter“, lautet der erste Eintrag am 3. März. Am 22. März erschienen dann der erste und am 23. März der zweite Storch des diesjährigen Brutpaares.

Späte Ankunft

„Der relativ späte Ankunftstermin lässt vermuten, dass es sich um sogenannte ,Ostzieher‘ handelt, also um Störche, die den Winter in Afrika verbringen“, glaubt der Rogätzer. „Leider ist das Paar nicht beringt. Doch ist nach dem äußeren Anschein und wiedererkannter individueller Merkmale zu vermuten, dass dieses Brutpaar identisch ist, mit den erst etwa drei Jahre alten Jungstörchen, die im Vorjahr das damalige alte Brutpaar nach heftigen Kämpfen hier vom Horst vertrieben und die fast schlupffähigen Eier entsorgt hatten“, ist sich Bruno Buckler sicher.

Wegen seiner Jugend war das Paar im vergangenen Jahr selbst noch nicht brutfähig. In diesem Jahr begann das junge Brutpaar aber sogleich mit der Renovierung und Pflege des Horstes, mit dem Treten sowie dem nachfolgenden Legen und Bebrüten befruchteter Eier. „Etwa am 15. Mai begann das Schlüpfen der Jungvögel, was wegen der Höhe des Schornsteines zwar nicht einsehbar war, aber aus dem Verhalten geschlussfolgert werden kann“, schreibt Bruno Buckler in sein Tagebuch.

Tod durch Blutvergiftung

Lange Zeit war deshalb unklar, wie viele Jungstörche denn geschlüpft sind. Am 26. Mai lag ein gut ernährter und mindestens eine Woche alter, durch den Sturz getöteter Jungstorch am Fuße des Schornsteines. Das ließ vermuten, dass es entweder reichen Nachwuchs in diesem Jahr gegeben hat, also der Platz auf dem Horst zu eng geworden war oder aber auch, dass das zur Verfügung stehende Futterangebot nicht für alle ausreichte. „Erst etwa Mitte Juni war an sich reckenden Schnäbeln hungriger Jungstörche zu erahnen, dass immerhin noch vier Jungen auf dem Horst verblieben sein könnten. Eine Anzahl, die dem abwechselnd fütternden Brutpaar Höchstleistung abverlangte“, berichtet Buckler.

Am 24. Juni erfolgte die Beringung durch die erfahrenen ehrenamtlichen Nabu-Mitarbeiter Falk Höhne und Peter Gottschalk. Dabei wurden tatsächlich noch vier Jungstörche vorgefunden. Der Kleinste hatte am Flügel eine blutige und entzündete Wundstelle. Deshalb wurde er nicht wieder auf den Horst zurückgesetzt, sondern zum Storchenhof nach Loburg zur Wundheilung und Einzelpflege verbracht. Am 25. Juni ist er dort beim Tierarzt leider an einer Blutvergiftung verstorben.

Erste Flugversuche

Dann ein großer Tag. „Am 17. Juli hebt der erste Jungstorch vom Horst ab und erlebt mutig seinen Jungfernflug, nachdem alle Jungstörche ein bis zwei Wochen zuvor, zuerst nur auf dem Horst hüpfend, erlernt haben, dass ihre Flügel sie im Winde tragen können. Ein immer wieder besonders putziges Schauspiel.“

Doch zwei Tage später verfing sich der Flugpionier in einem Schneeschutzgitter eines Daches in der Nachbarschaft und musste befreit werden. Er verbrachte die Zeit bis zur Auswilderung im Storchenhof Loburg. Von dort trat er den Flug gen Süden an.

Jungstörche reisen zuerst

Die hier noch verbliebenen Jungstörche verließen schon am 7. August, wahrscheinlich für immer, den Rogätzer Horst und flogen mit Gleichgesinnten in ein südliches Winterquartier. Das erfolgreiche Brutpaar genoss nun sichtlich und mit häufigem Klappern den wieder ihm allein gehörenden Horst und die eingekehrte Ruhe. Am Sonntag brach dann auch das Brutpaar die weite Reise ins Winterquartier an.

„Entgegen des allgemeinen diesjährigen Trends in Deutschland, hat dieses junge Brutpaar an diesem seit 1986 in jedem Jahr zuverlässig besetzten Nistplatz beste Arbeit geleistet. Fünf befruchtete Eier wurden ausgebrütet, vier Jungstörche groß gezogen und drei letztlich verbliebene Jungstörche ins Winterquartier entlassen. Auch die wieder zahlreichen Angriffe, durch an diesem Horst ebenso interessierte weitere Storchenpaare, konnten sie erfolgreich abwehren. Chapeau! Nun bleibt nur, allen drei Jungstörchen viel Glück beim ersten weiten Flug und ebenso dem erfolgreichen Brutpaar ein nahrungsreiches und ungefährliches Winterquartier zu wünschen!“, beendet Bruno Buckler seine Tagebuchaufzeichnungen mit einem kleinen Resümee.

Weitere Horste benötigt

„Wie die vielen und mitunter heftigen, zum Glück selten sogar tödlichen Angriffe auf den hiesigen begehrten Nistplatz zeigen, fehlen im Rogätzer Revier und anderen der Elbe nahen Revieren noch weitere Horste. Grundstückseigner und Storchenfreunde: Es macht Arbeit, aber es lohnt sich. Für Euch, die Natur und die Storchenpopulation“, appelliert Bruno Buckler.

Viele Interessenten aus Rogätz und Umgebung, aber auch viele Touristen des Elbe-Radwanderweges, bleiben gern an der Außenmauer von Bucklers Grundstück stehen. Dort hat Bruno Buckler einen Schaukasten gestaltet, in dem Informationen über Störche im Allgemeinen und über die Störche auf dem alten Schornstein sowie eindrucksvolle Bilder zu sehen sind.