Wolmirstedt/Loburg l Um es vorwegzunehmen: Eddy sitzt immer noch in Loburg. Der junge Storch denkt noch nicht daran, nach Afrika zu fliegen. Er hat auf einem Nistmast des Storchenhofes Platz genommen und schaut sich die Umgebung an. Gefüttert wird er nicht mehr, Eddy soll sich nicht zu sehr an Menschen gewöhnen. Er gilt als ausgewildert und wird sich selbst versorgen.

Eddy ist ein Bruchpilot. Er war am Freitag, 27. Juli 2018, vom Nest über der Wolmirstedter Adler-Apotheke losgeflogen und unglücklich gelandet. Mitten in der Fußgängerzone. Passanten hatten den Storchenfund gemeldet, Eddy wurde eingefangen und zum Storchenhof nach Loburg gebracht.

Storchpaten zahlen 50 Euro

Paula Schmidt, die auf dem Storchenhof ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, übernahm sofort die Patenschaft für das Wolmirstedter Storchenkind. Storchpaten zahlen 50 Euro und dürfen einen Namen geben. „Eddy war in einem guten Zustand, vielleicht etwas geschwächt“, erzählt Christoph Kaatz, einer der Storchenhofväter. Doch kein Problem: Der Storch wurde in die Voliere zu den Artgenossen Susu und Anton gesetzt und ordentlich gefüttert. Gut eine Woche blieb den Adebaren Zeit, sich kennenzulernen, Sonnabend wurden sie gemeinsam ausgewildert. Zuschauer waren dabei ausdrücklich willkommen.

Bilder

Das Auswildern begann Punkt zehn Uhr. Storchenhof-Junior Michael Kaatz fängt Anton, Eddy und Susu ein. Paula Schmidt nimmt sich ihres Eddys an. Der Storch verpasst ihr einen Flügelschlag, doch sie lässt sich nicht beirren und wickelt ihn fest ein. Die selbstgenähten Umschlagtücher sind mit Klettverschlüssen ausgestattet und verhindern, dass die Tiere zappeln. Als Paket verpackt können sie sich nicht verletzen. Auch die Pfleger sollen ohne Schrammen bleiben, Paula Schmidt verhüllt den Storchenkopf mit einem Tuch. Der Storch ist für den letzten Check bereit.

Die Patin putzt den Ring. Der ist Eddys Personalausweis, AH97 steht darauf, damit lässt er sich überall identifizieren. Die Waage zeigt 3300 Gramm an, dann rückt der Abschied näher. Paula Schmidt nimmt das Eddy-Bündel auf den Arm, trägt ihn vorsichtig ins Auto, nimmt auf der Rückbank Platz und den Jungstorch auf den Schoß. So werden auch die anderen Storchenkinder auf eine nahegelegene Wiese gebracht, dort nebeneinander aufgereiht und ausgepackt. Sofort rennt Anton los. Dann steht auch Eddy auf und schüttelt sich. Susu folgt. Es ist noch ein vierter Storch hinzugekommen, Petri, der von Menschen aufgezogen wurde. Der rührt sich von seinem „Elternpaar“ nicht weg.

Afrika lockt noch nicht

Eddy traut sich. Er schreitet los, stolziert vor den Zuschauern entlang, breitet seine Flügel aus, flattert majestätisch, legt sie wieder an. Er bleibt nah bei Susu, die beiden scheinen sich zu mögen. So geht das eine gute halbe Stunde. Schreiten, Flügel strecken, schütteln, schreiten... Wirklich weg will keiner.

Christoph Kaatz weiß, der Abschied dauert. „Zum Auswildern suchen wir Wiesen aus, auf denen Störche Nahrung finden, wo es auch Wasser gibt.“ Dann erheben sich die Störche. Alle vier. Sie kreisen eine Runde, Anton fliegt davon. Irgendwann auch Susu. Petri landet auf dem nächsten Schornstein. Und Eddy? Der kehrt am Abend zum Storchenhof zurück. Er scheint noch nicht bereit, Afrika lockt nicht. Vielleicht wartet er auf die Geschwister. Die lümmeln noch immer im Nest über der Adler-Apotheke.