Wolmirstedt l Jeanette Lüdecke füttert Katzen. Die Futterstelle in ihrem Garten betreibt sie in Absprache mit dem Tierschutzverein. Eines Tages tummelten sich dort vier kleine Katzenbabys, zwei graue und zwei rote. Von der Katzenmama war weit und breit nichts zu sehen. Jeanette Lüdecke nahm sich der Katzenbabys an, fütterte und streichelte sie. Ihre Hoffnung: „Wenn sie zahm sind, lassen sie sich in liebevolle Hände vermitteln.“ Die beiden roten Kätzchen waren bald darauf verschwunden, Jeanette Lüdecke hofft, dass sie in gute Hände geraten sind. „Rote Katzcen sind schließlich begehrt.“ Einem der kleinen grauen Kätzchen wurde das Vertrauen zum Menschen jedoch zum Verhängnis. Ihr Name ist Emily.

Die kleine Emily lag eines Tages im Garten und schrie. Das linke Hinterbein war zwar nicht komplett abgetrennt, lag aber quasi neben der Katze. Später haben Ärzte anhand des abgestorbenen Gewebes festgestellt, dass die kleine Miez offenbar heftig getreten wurde. Es war ein Sonntag, ein Tierarzt hatte die Erstversorgung übernommen, dann ging die Odyssee los.

Marlies und Otfried Müller vom Wolmirstedter Tierschutzverein stellten die kleine Katze im Tiermedizinischen Zentrum in Magdeburg vor. Nach der Diagnose war klar, eine Operation ist unumgänglich. „Ich wollte, dass beinerhaltend operiert wird“, sagte Marlies Müller. Die Ärzte sahen diese Option nicht und verwiesen an die Veterinärabteilung der Leipziger Uniklinik. Doch auch die Ärtze dort sahen keine Chance, Emilys Bein zu retten.

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Nach der Operation bekommt Emily Fieber

Die Operation verlief gut, doch drei Tage später bekam Emily Fieber. Irgendetwas mit ihrem Blut stimmte nicht. Eine Transfusion wurde empfohlen. Doch Katzen gehen gewöhnlich nicht zur Blutspende, woher also Blut nehmen? „Wir haben viele Katzen zu Hause“, erzählen Otfried und Marlies Müller. Blieb nur die Frage, ob die Blutgruppe passt. Also sind sie mit ihren drei entspanntesten Katzen ins Tiermedizinische Zentrum zur Blutgruppenbestimmung gefahren. „Tatasächlich, die Blutgruppe unseres Katers Kalimero passte.“ Kalimero war vor langer Zeit ebenfalls ein Bein abhanden gekommen, also spendete in der Leipziger Uniklinik ein dreibeiniger Kalimero-Kater einer dreibeinigen Emily-Katze Blut. Danach wurde alles gut.

Während der gesamten Leidenszeit der kleinen Emily kam weder Jeanette Lüdecke noch Marlies und Otfried Müller kein einziges mal die Idee, die kleine Miez einschläfern zu lassen. „Es fehlt doch nur ein Bein“, sagt Marlies Müller. Durch Kalimero und andere betroffene Katzen weiß sie, dass sich die Tiere trotzdem ausreichend und selbstständig bewegen können.

Eine Tiermedizinstudentin verliebte sich in Emily. Sie adoptierte das dreibeinige Katzenkind und übernahm die Kosten für die Nachsorgeuntersuchung. Alle anderen Kosten, die zuvor angefallen waren, trägt der Wolmirstedter Tierschutzverein. Fast 2000 Euro.

Bis zu 20.000 Euro Tierarztkosten im Jahr

Das sind nicht die einzigen Tierarztkosten, die der Tierschutzverein stemmen muss. Auch andere Tiere müssen behandelt oder geimpft werden. Im Jahr werden dafür etwa 15.000 bis 20.000 Euro ausgegeben.

Ohne Spenden und andere Einnahmen wäre das nicht zu finanzieren. Zuverlässig wird das Tierheim von Wolmirstedt und Barleben unterstützt. Mit beiden Gemeinden hat der Tierschutzverein Verträge für die Betreuung von Fundtieren geschlossen. Wolmirstedt zahlt 75 Cent pro Einwohner, aus beiden Orten fließen insgesamt 16.000 Euro. „Wir müssen ja außerdem die Betriebskosten für das Tierheim bezahlen“, macht Otfried Müller deutlich. Heizung, Strom und Futter gibt es auch in diesem ehrenamtlich geführten Betrieb nicht zum Nulltarif.

Eine Einnahmequelle sind die Feste und Flohmärkte, die im Tierheim regelmäßig veranstaltet werden. Die nächste Veranstaltung wird der Adventsmarkt sein, zu dem die Tierheimmitarbeiter am Sonntag, 1. Dezember, ab 11 Uhr einladen.