Rogätz l Herbert Bilang nähert sich vorsichtig dem riesigen Nadelbaum, den prüfenden Blick auf das dichte Gewächs gerichtet. Schnell hat der Colbitzer Eulenexperte insgesamt 19 Vögel erspäht, die es sich auf einem Grundstück am Ortsrand des Dorfes gemütlich gemacht haben. „Waldohreulen schlafen in der kalten Jahreszeit gern gemeinsam auf Bäumen“, weiß der Vogelkundler.

19 Tiere in einem Baum

Nach der Zählung richtet Herbert Bilang sein Augenmerk auf den Boden unter dem Baum. Er findet, wonach er sucht. Einige Dutzend Gewölle – die unverdaulichen Nahrungsreste – sammelt er auf. Diese werden in einem Labor untersucht und lassen Schlüsse auf den Speiseplan der Eulen zu. Eulen fressen sich gegenseitig das Futter weg. Sie stehen in Nahrungskonkurrenz zueinander, erzählt Herbert Bilang.

Eine Eule vertilgt pro Tag etwa drei Mäuse. Damit nimmt sie rund 45 Gramm an Nagern sowie großen Käfern und Insekten zu sich. „Bei zehn Eulen sind das schon 450 Gramm täglich. Das heißt also, dass das Objekt am Ortsrand wahrscheinlich genügend Nahrung bietet, um so viele Eulen zu ernähren“, vermutet der Experte. Das erkläre auch die große Zahl der Tiere. „Sie nehmen sehr gern Nadelgehölze an, da diese ausreichend Ruhe und Schutz vor Attacken auch kleinerer Vögel wie Meisen oder Finken bieten.“ Warum sie sich ausgerechnet für diesen Schlafplatz in Rogätz entschieden haben, wird aber das Geheimnis der Waldohreule bleiben.

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Das Alter der 19 Vögel in Rogätz ist unbestimmt, da sie nicht beringt werden. Sie bauen keine eigenen Nester, sondern nutzen alte Krähen- oder Elsternester, um dort ihre Brut aufzuziehen. Es sei sinnvoll, in Gärten oder in kleinen Feldgehölzen diese Nester zu belassen, da sie für die Waldohreulen als „Nachnutzer“ geeignet sind.

Waldohreulen sind "Nachmieter"

„Die Waldohreulen bleiben noch bis Ende März in der Schlafgemeinschaft zusammen. Nach der Balz werden sie in Rogätz und der näheren Umgebung brüten. Diese Brutplätze oder Reviere sind für uns natürlich ebenso interessant und wir freuen uns über entsprechende Hinweise, wo nach der Trennung der Vögel neue Reviere entstanden sind“, blickt Herbert Bilang voraus.

Die Zahl der Waldohreulen-Brutpaare wird in Sachsen-Anhalt auf 2000 bis 3000 geschätzt. „Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass der Bestand rückgängig ist. Insbesondere dort, wo Landwirtschaft intensiv betrieben wird oder die Region kein Hotspot für Eulen ist“, macht Herbert Bilang deutlich. Aßerdem: Die Vögel sind streng geschützt und dürfen vor allem an Brut- und Schlafplätzen nicht gestört werden.

Bestand der Tiere nimmt ab

Um die Bestände kontinuierlich zu erfassen, sucht der NABU Sachsen-Anhalt „Eulenzähler“. „Jeder Naturfreund oder Interessierte ist aufgerufen, uns alle Eulenvorkommen – Waldkauz, Waldohreule, Schleiereule – aber auch andere Vorkommen mitzuteilen“, wirbt der Vogelkundler um jederzeit willkommene Unterstützung. „Die Eulenvorkommen finden sich zumeist auf privatem Grund, daher sind wir auf die freundliche Mitarbeit der Grundstückseigner angewiesen. Alle Informationen werden auf Wunsch natürlich vertraulich behandelt.“

Herbert Biland nimmt sehr gern Informationen zu Eulenvorkommen aller Art entgegen. Er ist telefonisch unter 039207/9 52 27 oder 0152/23 32 88 37 zu erreichen.