Meitzendorf l Laut Augenzeugen bot sich am Sonntagvormittag auf dem Gelände in der alten Kiesgrube bei Meitzendorf ein grausiges Bild. Rund ein Dutzend Schafe lag verstreut auf der Wiese, der größte Teil war bereits tot. Eines der Tiere musste aufgrund der schweren Verletzungen eingeschläfert und zwei weitere mussten tierärztlich versorgt werden. Nur zwei von insgesamt 16 Schafen kamen unverletzt davon.

Auch wenn typische Kehlbisse und weitere Indizien für Wölfe als Angreifer sprechen: Beweise für Isegrim als Täter sind das noch lange nicht.

Laut dem Landesumweltamt war zwar eine Kollegin des landeseigenen Wolfskompetenzzentrums vor Ort, einer Außenstelle des Umweltamtes. Dennoch, so Pressesprecherin Ines Wahl, konnte vor Ort nicht festgestellt werden, ob der Angriff in Meitzendorf tatsächlich von Wölfen ausgegangen war, „da das Ergebnis der DNA-Analyse erst in circa vier bis sechs Wochen vorliegt“, teilt sie schriftlich auf Volksstimme-Anfrage mit.

Zwei Rudel und ein Pärchen in der Nähe

Grundsätzlich würden der Riss und die Umstände wie Gelände und vorhandene Schutzmaßnahmen ausführlich dokumentiert. „An den Tötungsbissen werden nach Möglichkeit DNA-Proben genommen. Diese werden an das Referenzlabor Senckenberg Gelnhausen geschickt“, erklärt Ines Wahl das weitere Vorgehen. Sowie das Anlyseergebnis vorliegt, erhalte „der Tierhalter alle Protokolle sowie eine Fotodokumentation mit der Endbewertung zur Verursacherschaft“.

Ob in Meitzendorf die vorhandenen Schutzmaßnahmen soweit in Ordnung waren, als dass sie hätten Wölfe abhalten können, darüber wollte die Sprecherin keine Auskunft geben. Nur so viel: „Vorhandener Herdenschutz wird bei der Begutachtung dokumentiert und in jedem Fall von uns vertraulich behandelt. Wir bitten daher um Verständnis, dass wir diese Informationen nicht weitergeben können.“

Sollte sich bestätigen, dass der Angriff tatsächlich von Wölfen ausging, wäre das der erste Fall südlich des Mittellandkanals und damit auch in der Gemeinde Barleben. Weitere Übergriffe in der Region sind dem Umweltamt nicht bekannt.

Landesweit wurden im vergangenen Jahr 51 Übergriffe dokumentiert, bei denen entweder Wölfe als Verursacher nachgewiesen wurden oder nicht ausgeschlossen werden konnten. Ines Wahl: „Bei einigen Fällen ist die Bearbeitung noch nicht abgeschlossen, so dass die Zahl als vorläufig zu betrachten ist und sich noch leicht verändern kann.“

In Sachsen-Anhalt leben laut einem Monitoring-Bericht von 2019 insgesamt 15 Wolfsrudel und zwei Wolfspaare. Ein Rudel wurde auch im südlichen Bereich der Colbitz-Letzlinger Heide bei Haldensleben nachgewiesen. Das Revier erstreckt sich über den Truppenübungsplatz Altmark und die angrenzenden Waldgebiete zwischen Born und Haldensleben sowie von Satuelle bis Colbitz. Ein weiteres Rudel lebt etwas weiter nördlich. Außerdem sind ein Wolfspärchen bei Tangerhütte (Landkreises Stendal) belegt.

Beratungen über das Wolfskompetenzzentrum

Sollten Wölfe als Verursacher für den Riss bei Meitzendorf „nachgewiesen oder nicht ausgeschlossen werden können, kann der Tierhalter eine Entschädigung beim Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten Anhalt, beantragen, das über eine finanzielle Entschädigung entscheidet“, teilte Ines Wahl weiter mit. Im Rahmen der Förderrichtlinie könnten Herdenschutzmaßnahmen gefördert werden.

Das Wolfskompetenzzentrum biete zudem unverbindliche und kostenlose Herdenschutzberatungen an. Dabei würden die Situation vor Ort angeschaut und umsetzbare Schutzmaßnahmen gemeinsam mit dem Tierhalter besprochen.

Der Angriff auf die Schafherde war am Sonntagmorgen festgestellt worden. Der hinzugezogene Jagdpächter Oliver Grundt berichtete gegenüber der Volksstimme von typischen Bissen in die Kehlen der Schafe. Es hätten sich aber auch Bissspuren an Rücken und Keulen gefunden. Die herausgerissen und weggeschleppten Pansen sowie der starke Geruch nach Wolfsmarkierungen seien Indizien für einen Wolfsangriff. Festlegen wollten sich der Jäger allerdings nicht.