Wolmirstedt l Der aus dem Mansfelder Land stammende Joachim Hennig wohnt seit 2017 in Wolmirstedt. Er war als Manager und ehrenamtlicher Straßen-Sozialarbeiter in Berlin-Kreuzberg tätig. Außerdem – und das ist in der heutigen Zeit sehr wichtig – weiß er, wo es Fördergelder für soziale Projekte gibt.

Das Gewichtheben und das Ringen begeistern ihn schon lange. „Als ich dann nach Wolmirstedt gezogen bin, habe ich mich damit beschäftigt, wie es hier einmal um den Ringersport gestanden hat.“ Und dabei wurde der heute 67-Jähirge schnell fündig. Die Region Wolmirstedt war nämlich einmal sehr bekannt für ausgezeichente Ringer, die es bis in die Nationalmannschaft gebracht haben und zahlreiche Titel einheimsten. Das hat Hennig auch einer Publikation des örtlichen Museums entnehmen können, die sich mit dem Sport in der Ohrestadt beschäftigt. „Mir fehlten aber zunächst die Kontakte, um da Genaueres zu erfahren“, sagt er.

Der engagierte Rentner hat zudem die Idee entwickelt, das Ringen in seiner neuen Heimatstadt wieder zu beleben. Zunächst gehe es ihm dabei um die Prävention in Sachen Gewalt, Alkohol und Drogen. „Ich war sehr erstaunt darüber, dass es hier solche Probleme mit dem Konsum von Crystal Meth gibt“, schildert er. Laut seinen Recherchen sei die Droge unter Jugendlichen weit verbreitet. „In Berlin-Kreuzberg ist das nicht in dem Maß so“, schätzt er ein.

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Kontakt zu Schulen aufgenommen

Genau hier will der 67-Jährige ansetzen. Darum hat er erste Kontakte zu den Schulen aufgenommen und seine Gedanken zu entsprechenden Arbeitsgemeinschaften vorgestellt. Bei der Leibnisschule und der Gutenbergschule ist das positiv aufgenommen worden. Nur vom Gymnasium hat er bislang keine Antwort bekommen.

Kreissportlehrer Birger Orlamünde findet den Ansatz sehr gut. „Wir freuen uns natürlich, wenn es Bestrebungen gibt, ein breiteres Sportangebot bei uns zu etablieren“, sagt er. „Gerade das Ringen hat in der Region Wolmirstedt eine lange Tradition.“ Die Kinder und Jugendlichen dafür erneut zu begeistern, sei eine feine Sache.

Dem schließt sich auch der Präsident des Kreissportbundes, Klaus Renner an. „Ich könnte mir vorstellen, dass Joachim Hennig damit offenen Türen einrennt“, äußert er sich. „Wir haben uns erst kürzlich über diese Idee unterhalten und wir sind da sehr aufgeschlossen.“ Schließlich ist auch Otto Bertram aus Colbitz von dem Gedanken angetan. Er trainierte mit dem ebenfalls aus Colbitz stammenden Helmut Strumpf einst die Ringer von Jena, beide waren Mitglieder der Nationalmannschaft. Bis 1980 leitete er eine gut 40-köpfige Ringer-Gruppe für den SV Kali Wolmirstedt am Stützpunkt Zielitz, aus der es etliche weit gebracht haben.

„Prinzipiell finde ich das gut“, sagt er. „Ich weiß aber auch aus meinen Erfahrungen, was alles dazu gehört. Da ist die finanzielle Ausstattung eine wichtige Seite, dazu kommt aber noch, dass die Unterstützung durch Mitstreiter einfach da sein muss.“ Lange Zeit hat er selber viel freie Zeit in den Sport und das Training investiert.

Arbeitsgemeinschaften geplant

Joachim Hennig sieht zunächst die Einrichtung von Arbeitsgemeinschaften. Er kennt das von Deeskalationsprojekten aus Berlin-Kreuzberg, die aus dem europäischen Sozialfond finanziert worden sind. „So haben sich dort früher Araber und Türken mit Steinen beworfen, die dann in einer Mannschaft waren“, erzählt er. „Später sind sie ihren Weg gegangen und haben jetzt meist Arbeit und Familie.“ Da diente der Ringersport als Grundstock für die soziale Integration und auf ähnliche Weise könne dies in Wolmirstedt erfolgen. Gegenseitiger Respekt und klare Regeln im Umgang miteinander seien somit erlernbar.

So will Hennig im ersten Schritt mit Schülern der Klassen 10 bis 13 ins Gespräch kommen, danach dann die Grundschulen einbeziehen. „Interessierte Jugendliche könnten Breitensport-Übungsleiter werden und dann über den Ringer-Landesverband speziell geschult werden“, sagt er. „Im Zentrum steht dann die Basisarbeit. Da wäre das Ablegen des Wieselabzeichens, welches den Einstieg in diesen Sport bietet, als ein Breitensportevent denkbar.“ Die Stadt Wolmirstedt biete zudem mit etlichen Turnhallen gute Voraussetzungen und es gebe kurze Wege.