Angern l „Respekt vor Wald, Mensch und Natur – bei der Politik keine Spur“ ist in großen Lettern auf einem Plakat im Waldgebiet zwischen Angern und Sandbeiendorf zu lesen. Seit einigen Wochen versuchen Waldbesitzer nicht nur dort mit einer ausgedehnten Plakataktion Sachsen-Anhalts Landesregierung auf das großflächige Waldsterben aufmerksam zu machen.

„Die Schadensereignisse, die inzwischen über unsere Wälder hereingebrochen sind, bringen uns in eine schwierige Lage. Wir leiden unter schlechten Absatzmöglichkeiten, geringen Holzpreisen, gestiegenen Preisen für Forstpflanzungen sowie deren schlechter Verfügbarkeit“, klärt Lothar Hecht, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Am Diek, auf. Außerdem seien Unternehmer sehr schwer zu bekommen, da deren Auslastung an die Belastungsgrenze gehe, fügt er an.

Die Forstbetriebsgemeinschaft Am Diek ist ein wirtschaftlicher Verein privater Waldbesitzer mit 208 Mitgliedern, einer Mitgliedsfläche von 1830 Hektar und einer durchschnittlichen Mitgliedsfläche von acht Hektar (0,5 bis 350 Hektar). Der jährliche Holzeinschlag beläuft sich auf etwa 6500 Festmeter. Acht bis zehn Hektar werden im Jahr aufgeforstet, 50 Hektar junger Bestände gepflegt.

Stürme, Trockenheit und Pilzbefall

Seit fast 25 Jahren bestehe die FBG, aber mit derart gravierenden Problemen für Wald und Waldbesitzer habe sie bislang nicht zu tun gehabt, meint Lothar Hecht. In den vergangenen drei Jahren seien viele Schadensereignisse auf die Waldbesitzer zugekommen. „Stürme, anhaltende Trockenheit und massiver Pilzbefall haben den Wäldern nicht gutgetan. Auch wenn in diesem Jahr überwiegend ausreichend Niederschläge gefallen sind, werden die Defizite der vergangenen Jahre damit nicht kompensiert“, ist Lothar Hecht überzeugt.

Die Forstbetriebsgemeinschaft nennt einige Zahlen: Im Zeitraum 2017 bis 2020 belaufen sich Sturmschäden auf etwa 2000 Festmeter. Etwa 900 Festmeter in Altholzbeständen sind von Pilzen befallen; diese Größenordnung entspricht fast einem Fünftel des geplanten Einschlages. Schäden in Aufforstungen durch Trockenheit finden sich auf einer Fläche von etwa 35 Hektar. Notwendige Nachbesserungen sind auf einer Fläche von fünf Hektar erforderlich.

„Ob diese Schäden schon das Ende sind, vermögen wir nicht zu sagen. Waldbesitzer haben beispielsweise auch deshalb große Probleme, da die Hälfte der älteren Birken abgestorben ist und somit eine sehr wichtige Begleitbaumart stark geschädigt ist“, stellt Lothar Hecht klar.

Der Pilzbefall schreite ebenfalls weiter voran, da die Kiefern geschwächt seien und Schwächeparasiten somit leichtes Spiel haben. Derzeit gehöre der Befall mit der Nadelholzmistel dazu. Folge in diesem Jahr seien Absterbeerscheinungen, zieht die Forstbetiebsgemeinschaft ein düsteres Fazit.

Ähnlich äußert sich der Waldbesitzerverband Sachsen-Anhalt und sieht den Wald in verheerendem Zustand. Betroffene Waldbauern und Forstfachleute gehen von wenigstens 30.000 Hektar Schadfläche nur im Harz aus. Dabei sei laut Koalitionsvertrag der Wald als CO2-Senke zu erhalten und Waldbesitz zu fördern, heißt es in einer Presseerklärung des Verbandes. Zugleich mahnt der Waldbesitzerverband einen übergreifenden Einsatzstab geeigneter Fachleute und einen Aktionsplan zum Walderhalt an.

Der Landesverband vertritt berufsständische, rechtliche und forstpolitische Interessen privater, kommunaler und kirchlicher Waldbesitzer in Sachsen-Anhalt gegenüber den gesetzgebenden Körperschaften, politischen Parteien, Behörden, Wirtschaft und der gesamten Öffentlichkeit.

Die Privatwaldwirtschaft zukunftsorientiert zu führen, werde immer schwieriger. Mit der Plakataktion auf Probleme hinzuweisen, treibt die Forstbetriebsgemeinschaft um. „Vorhandene Fördermittel zu beantragen ist ein schwieriges Unterfangen und ohne fachliche Hilfe kaum zu bewältigen“, weiß Lothar Hecht. „Momentan stecken wir in der Umstrukturierung der Betreuungsleistung des Landes auf Vollkosten. Eine Zeit war nicht klar, wie die Forstbetriebsgemeinschaft diese notwendige Leistung bezahlen sollte. Jetzt ist eine Lösung gefunden“, ergänzt Hecht.