Wolmirstedt l Die Stadtwerke schütten mehr Gewinn aus, als zunächst geplant war. Darüber informierte Stadtwerke-Chef Harald Luther den Stadtrat. Somit fließen in diesem Jahr 120. 000 Euro zusätzlich in den Stadthaushalt. Damit kann so manch langgehegter Wunsch in Erfüllung gehen.

Die Verwaltung hat sich Gedanken gemacht und dem Stadtrat drei Vorschläge unterbreitet. Die Rathausmitarbeiter haben dabei zuallererst an die Kitas „Pusteblume“ und „Ohrespatzen“ gedacht. Die Fenster sollen einen Außensonnenschutz bekommen. 55.000 Euro werden dafür benötigt. Der alte Sonnenschutz musste zu Jahresbeginn abmontiert werden, er war gefährlich marode. Schnelles Geld für einen Ersatz war im Stadthaushalt nicht eingeplant. Besonders die Kinder und Erzieherinnen der „Pusteblume“ litten zunächst arg an den heißen Sommertagen. Sie hatten keine Innenrollos, die Sonnenlicht und Hitze fernhalten, so wie die „Ohre-spatzen“. Inzwischen wurden solche Rollos auch in der „Pusteblume“ angebracht.

Die zweite Position auf der Wunscherfüllungsliste gilt dem Gerberbrunnen. Der wurde im März von Unbekannten gesprengt. Die Gerberfigur erlitt einen Totalschaden und muss komplett neu hergestellt werden. Der Künstler ist dazu bereit, allerdings sind die Preise gestiegen. Den damaligen Herstellungspreis von etwa 30.000 Euro übernimmt die Versicherung, doch das reicht für einen neuen Guss bei Weitem nicht aus. Der erfordert inzwischen etwa 55.000 Euro. Die fehlenden gut 25.000 Euro könnten ebenfalls aus der Gewinnausschüttung der Stadtwerke fließen.

Bilder

Der dritte Vorschlag gilt dem Küchenhorn-Stadion. Dafür blieben etwa 40.000 Euro, damit gravierende bauliche Mängel beseitigt werden. Das bedeutet nicht, dass das Stadion „Glück auf“ im Küchenhorn bleibt, eine endgültige Lösung für eine zentrale Sportstätte der Stadt ist noch nicht gefunden. „Aber die nächsten zwei bis drei Jahre muss das Küchenhorn-Stadion für die Sportler noch nutzbar sein“, begründet der stellvertretende Bürgermeister Marko Kohlrausch den Wunsch nach Investitionen.

AfD will Willkommensgeld

Die AfD-Fraktion konnte sich nicht mit allen drei Vorschlägen anfreunden. Fraktionsvorsitzender Felix Zietmann plädierte zwar für den Sonnenschutz im Kita-Gebäude, würde die 65.000 Euro, die die Verwaltung für die Gerberfigur und das Küchenhorn ausgeben möchte, lieber als eine Art Willkommensgeld an Eltern von Neugeborenen ausgeben. Ein Ortschaftsrat im Kreis Anhalt-Bitterfeld habe Ähnliches beschlossen, weiß Felix Zietmann.

Im Jahr 2018 wurden in Wolmirstedt 85 Babys angemeldet, in diesem Jahr bisher 34 Neugeborene, heißt es aus dem Rathaus auf Volksstimme-Nachfrage. Das würde in Etwa bedeuten, dass Wolmirstedter Eltern für ihr Neugeborenes gut 700 Euro aus dem Stadthaushalt bekämen, sollte der AfD-Vorschlag im Stadtrat Mehrheiten finden.

Was aber passiert in den Jahren, in denen es keine zusätzliche Gewinnausschüttung der Stadtwerke gibt? „Wir würden das Willkommensgeld zunächst temporär durch diesen Überschuss finanzieren“, erklärt Felix Zietmann. Die AfD peilt jedoch eine langfristige Lösung an. Um das Geld für frischgebackene Eltern auch künftig bereitzuhalten, werde derzeit innerhalb der AfD-Fraktion der Stadthaushalt durchforstet.

Die Stadtwerke sind ein gemeinsames Tochterunternehmen der Stadt Wolmirstedt und der Avacon, wobei Wolmirstedt mit 50,6 Prozent den größeren Anteil besitzt.

Wie der höhere Gewinn-überschuss zustande gekommen ist, war vom Stadtwerke-Geschäftsführer Harald Luther gestern nicht zu erfahren.

Wofür dieses unerwartete Geld letztlich tatsächlich ausgegeben wird, darüber befindet der Stadtrat. Der tagt wieder am Donnerstag, 26. September, um 18 Uhr im Ratssaal.