Wolmirstedt l Als Corona das Leben noch nicht im Griff hatte, war das Insektensterben in aller Munde, dazu der Klimawandel, die Energiewende und Fridays for future. Diese Themen sind in den Hintergrund gerutscht, doch immer noch da. Wer die Welt vor der Haustür ein bisschen grüner gestaltet oder gestalten möchte, kann sich am Wolmirstedter Vorgartenwettbewerb beteiligen. Wer unsicher ist, hat noch viele Monate Zeit, den Vorgarten fit zu machen.

Doch was macht einen schönen Vorgarten im Sinne des Wettbewerbs aus? Das erklärte Christa Ringkamp vom Verein Gartenakademie Sachsen-Anhalt einer kleinen Besuchergruppe im Schlosskeller: „Im Wesentlichen geht es darum, ohne Chemie und mit heimischen Pflanzen zu arbeiten, Insekten Nahrung zu bieten, das Regenwasser zu nutzen und den Boden zu mulchen.“

Immer mehr exotische Pflanzen

Diese Art der Gartengestaltung war für die Großelterngeneration gang und gäbe, doch im Laufe der Zeit haben immer mehr exotische Pflanzen Einzug in die Region gehalten, zunehmend werden Vorgärten sogar schlichtweg mit Steinen belegt. In diesen sogenannten Schottergärten soll Grünes gar keine Chance bekommen, Tiere finden weder Nahrung noch Unterschlupf.

Dass solche Schottergärten pflegeleichter seien, will Christa Ringkamp nicht glauben. „Dem Schottergarten folgt der Laubbläser, der die Blätter von den Steinen pustet.“ Beides habe nichts mit der Natur zu tun, die sich letztlich meist doch durchsetzt und ihren Platz erobert. „Im Laufe der Zeit siedelt sich auch zwischen diesen Steinen Grün an und lässt sich nur mühsam entfernen.“

Die Landschaftsarchitektin plädierte für Naturnähe und bietet interessierten Bürgern außerdem Hilfe an. „Schließlich soll der Vorgarten das ganze Jahr über schön aussehen und nützlich sein.“ Die Hilfe von Fachleuten ist allein deshalb nicht zu verachten, damit den Besitzern die Freude nicht vergällt wird. Das kann passieren, wenn der Vorgarten in der dunklen Jahreszeit trostlos aussieht oder sich die Blütenpracht nur innerhalb weniger Wochen zeigt, wenn der Pflegeaufwand zu groß ist oder der Geldbeutel schlapp macht.

Auch Schulen machen mit

An der Aktion können sich Privatpersonen beteiligen, aber auch Verwaltungen, Betriebe Kindergärten, Schulen. Dass sich auch Schulen am Wettbewerb beteiligen können, war in der Gutenberg-Grundschule noch nicht bekannt, doch dort wurde bereits ein Projekt angekurbelt. Eine naturnahe Ecke auf dem Schulhof soll neu gestaltet werden. Vor Jahren war dort ein Schulteich angelegt worden, aber im Laufe der Jahre aus dem Blickfeld geraten.

„Dieses Areal wollen wir in ein Naturparadies verwandeln“, berichtet Schulsozialarbeiter Rico Lehmann, „wir wollen eine Wildblumenwiese anlegen, ein Insektenhotel und Bänke aufstellen.“ Die große Herausforderung ist es, diese Anlage dauerhaft zu pflegen, die Natur nicht sich selbst zu überlassen. Rico Lehmann plant: „Wir richten eine Art grünes Klassenzimmer ein.“

Für dieses Projekt hat die Gutenberg-Schule bereits Fördermittel aus dem Projekt „Energie wird Natur“ erhalten, 666,66 Euro stehen bereit.

Steinweg soll bunt werden

Neben den Wildblumen soll auch der Steinweg dieser kleinen Wiese bunt werden. Rico Lehmann weiß auch schon, wie: „Die Kinder sollen Steine bemalen und auf diesem Weg ablegen. Damit zeigen wir: Wir sind eine bunte Schule.“

Derlei naturfreundliche Gedanken wünscht sich die Bürgermeisterin von vielen Bürgern. „Mit dem Vorgartenwettbewerb möchte die Stadt ein Zeichen setzen, für mehr Mut zum Grün plädieren, damit im Wohnumfeld zahlreiche Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen werden.“

Wer mitmachen möchte, kann in der Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Juli 2021 maximal vier Fotos und eine kurze Beschreibung des Vorgartens im Rathaus einreichen. Die Fotos sollten nicht älter als zwei Jahre alt sein. Nach dem Einsendeschluss wird eine Jury die Gärten bewerten. Neben Christa Ringkamp wird Wolmirstedts Grünverantwortliche Kerstin Pallmann sowie Staudengärtner Jan Weinreich zu den Begutachtern zählen.

Auf die Gewinner warten natürlich Preise. Der erste Preis wird ein Besuch im Blumenzwiebelparadies der Jolanda van Amerom sein, eine Führung durch ihren Schaugarten in Ostingersleben. Weiterhin zählt ein Buch zu den Preisen, das zeigt, wie Gartenfreunde einen Naturgarten anlegen können. Bürgermeisterin Marlies Cassuhn hofft, dass es immer mehr heißt: Wolmirstedt blüht auf.