Wolmirstedt l Schneebedeckte Straßen und Gehwege, rutschige Kurven, nichtberäumte Kreisverkehre, Schneeberge am Straßenrand, festgefahrene Autos, eine Fußgängerzone, die für gehbehinderte Menschen eine Zumutung war - der Unmut in der Bevölkerung ist noch groß. Der Winterdienst tat sein Möglichstes, doch die Mitarbeiter scheinen erst jetzt, zum Wochenende hin, die Lage stellenweise in den Griff zu bekommen. Woran liegt das?

Bürgermeisterin Marlies Cassuhn wirbt um Verständnis: „So viel Schnee hatten wir seit Jahren nicht und - ehrlich - wir sind auch nicht mit Winterregionen zu vergleichen. Es muss mit Einschränkungen gerechnet werden.“ Sie betont: „Mit dem vorhandenen Personal und der Technik wurde das Machbare erledigt.“

14 Mitarbeiter im Einsatz

Das heißt: 27 Kilometer Straße, 52 Parkplätze mit etwa 1800 Einstellplätzen, dazu öffentliche Einrichtungen, wie die Friedhöfe wurden von 14 Mitarbeitern des Wirtschaftshofes sukzessive beräumt. Dabei folgen sie einer Art Prioritätenliste. An erster Stelle stehen die Hauptstraßen, dann folgen die Nebenstraßen, anschließend die Wohngebiete, die Rad- und Gehwege. Durch den Wirtschaftshof werden allerdings nur die stadteigenen Gehwege beräumt, ansonsten sind die Anlieger zuständig.

Dennoch wird deutlich: Die Technik des Wirtschaftshofes ist auf derartige Schneemengen nicht ausgerichtet. Die Maschinen können den Schnee beiseite schieben, aber nicht räumen. Dafür hat die Stadt andere Unternehmen wie Papenburg oder Stork beauftragt.

Umweltunternehmer Bernd Stork wohnt in Glindenberg und hat angesichts tagelang kaum beräumter Straßen in seinem Ortsteil zusätzlich zwei Schneefräsen angeschafft. Die bahnten sich am Freitag einen Weg durch Glindenbergs Breite Straße und beförderten den gefrästen Schnee gleich auf einen Lkw-Anhänger.

Schnee von der Fahrbahn schieben

Die Maschinen des Wolmirstedter Winterdienstes können nicht räumen. Sie schieben die Schneemengen von der Fahrbahn an den Straßenrand. Die Schneewälle türmten sich, auch an den Zebrastreifen. Fußgänger mussten vor dem Überqueren der Straße erst durch den Schneeberg stapfen, was gehbehinderten Menschen schwer fiel. Gibt es keine Kontrollen, die sicherstellen, dass vielgenutzte Übergänge begehbar sind?

Kontrollen seien momentan nur sehr eingeschränkt möglich, sagt Bürgermeisterin Marlies Cassuhn, die Mitarbeiter konzentrieren sich derzeit auf die praktische Arbeit. Das bedeutet, dass Fußgängerüberwege durchaus beräumt wurden, die Schneeschieber jedoch erneut Schnee an den Straßenrändern aufgetürmt haben.

Im Wirtschaftshof arbeiten 14 Mitarbeiter, ihre Schicht beginnt morgens um 4 Uhr. Trotzdem reicht die Belegschaft für derartige Wintereinbrüche nicht aus. Darüber hinaus berichten sie von Bürgern, die ihnen noch zusätzlich Arbeit machen und Zeit rauben, weil sie beispielsweise „einfach mal so“ eine Runde mit dem Auto durch den Schnee fahren wollen und dann feststecken. Einen solchen Sportsfreund mussten die Wirtschaftshofmitarbeiter dreimal aus den Schneemengen befreien.

Einfahrt freigehalten

Wieviel Manpower notwendig ist, um die Schneemassen konsequent in den Griff zu bekommen, zeigt die Feuerwehr. Die Kameraden halten die Einfahrt zum Gerätehaus dauerhaft frei, damit die Einsatzbereitschaft gesichert ist. Mehrmals täglich kamen Feuerwehrleute zusammen, schippten den Schnee in die Schaufel eines Radladers, der die weißen Massen anschließend auf den Hof kippte.

Solcherlei Hilfe nimmt auch die Stadt gern in Anspruch. „Wir haben uns über die Bereitschaft des Jugendbeirats gefreut und auch, dass Stadtrat Robert Grafe fleißig auf dem Friedhof geschippt hat“, sagt die Bürgermeisterin. Eine große Hilfe sind auch Bürger, die in verkehrsberuhigten Straßen den losen Schnee von der Fahrbahn räumen.

Wichtig sind freie Zugänge zu den Mülltonnen. „Ab der kommenden Woche wird der Müll wieder laut Tourenplan abgeholt“, sagt Dr. Dirk Gruber, Vorstand des Kommunalservice Börde. Fraglich ist lediglich die Abfuhr der Biotonne. Nachttemperaturen um Minus 16 Grad lassen den Biomüll in den Tonnen gefrieren, sie lassen sich nicht entleeren. Das Vorgehen wird in der nächsten Woche entschieden.

Dann soll es auch wieder einen Wochenmarkt geben. Die Schneedecke der Fußgängerzone wurde am Freitag mit Hilfe von Salz getaut und entfernt. Damit haben nun auch Fußgänger wieder freie Wege. Die Stadt hat inzwischen Sand und Salz nachbestellt.