Barrierefreiheit

Wohnungsunternehmen in Wolmirstedt setzten verstärkt auf den Einbau von Aufzügen

Die Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft will die Geschäftsstelle näher an ihre Mieter verlegen. Und hegt außerdem weitere Pläne, damit sich mehr Menschen für eine Wohnung in Wolmirstedt interessieren.

Von Gudrun Billowie 27.05.2021, 11:11
Noch ist die Samsweger Straße 60 eine Baustelle, doch noch in diesem Jahr sollen die Balkone angebracht, die Wohnungen bezogen und die WWG-Geschäftsstelle eingerichtet sein.
Noch ist die Samsweger Straße 60 eine Baustelle, doch noch in diesem Jahr sollen die Balkone angebracht, die Wohnungen bezogen und die WWG-Geschäftsstelle eingerichtet sein. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Die Wolmirstedter Wohnungsbaugesellschaft (WWG) möchte Menschen länger in den Wohnungen halten. Derzeit ziehen Mieter im Durchschnitt nach acht Jahren wieder aus. Dieser Mittelwert bedeutet, manche bleiben Jahrzehnte, andere geben die Wohnung nach kurzer Zeit wieder auf. Die Gründe für relativ kurze Wohnzeiten kann WWG-Geschäftsführer Klaus Jaenecke nachvollziehen. „Oft ziehen junge Leute bei uns ein, die bald darauf eine Familie gründen, Kinder bekommen und dann größere Wohnungen brauchen oder woanders eine Arbeit aufnehmen und wegziehen.“ Trotzdem ist das Ziel, dass Menschen lange in ihren Wohnungen bleiben, dass vielleicht auch Magdeburger Wolmirstedt als Wohnort entdecken, wegen der kurzen Wege und der guten Verkehrsanbindung, der schnellen Erreichbarkeit der Landeshauptstadt. Die WWG macht ihren Wohnungsbestand fit.

Ein Baustein für besseres Wohnen sind Aufzüge, die ermöglichen, dass Mieter barrierefrei in ihre Wohnungen gelangen. Das helfe nicht nur Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß, sondern auch jungen Familien, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind. Deshalb wird die Samsweger Straße 60 einen Aufzug bekommen, ebenso der lange Fünfgeschosser Samsweger Straße 68 bis 73. Das stellt das Unternehmen vor große Herausforderungen.

Grundrisse müssen verändert werden

Für den Einbau ebenerdig erreichbarer Aufzüge müssen zum Teil die Grundrisse der Wohnungen verändert werden. In der unteren Etage fällt ein Zimmer weg, aber es werden im Gegenzug auch ein paar größere Wohnungen entstehen und mit großen Balkons versehen. In über zwei Jahren soll die fahle Plattenbaureihe ein anderes Bild ergeben. Im zweiten Quartal 2023 soll der letzte Eingang dieses Wohnblocks fertig sein. Die Wohnungen werden stückweise schon vorher vermietet, sobald ein Eingang hergerichtet ist, wird er bezogen.

Baustellen bieten in der Regel keinen schönen Anblick, die WWG möchte jedoch aus der Not eine Tugend machen. „Es wäre doch schön“, sagt Klaus Jaenecke, „wenn der Bauzaun an der Samsweger Straße 68 bis 73 eine Art Freiluftgalerie wird.“ Kinder und Hobbykünstler können sich beteiligen. Im kommenden Schuljahr will die für diese Kunstaktion im öffentlichen Raum an Schulen werben.

Auch andere Blocks sollen Aufzüge bekommen

Doch auch, wenn die Fertigstellung des Blocks noch über zwei Jahre dauert, schon jetzt blickt die WWG weiter: „Wenn die Wohnungen in der Samsweger Straße 68 bis 73 gut angenommen werden, denken wir auch darüber nach, außerdem die Samsweger Straße 61 bis 67 mit Aufzügen auszustatten“, sagt Klaus Jaenecke.

Diesen Trend zu Aufzügen kennt auch die AWG, ebenfalls großer Vermieter in Wolmirstedt. Nachdem in der Straße der Deutschen Einheit Nummer 2 und Nummer 18 Aufzüge eingebaut wurden, sind weitere Eingänge für die Nachrüstung vorgesehen. Mit ebenerdigen Aufzügen sollen die Straße der Deutschen Einheit 30 bis 33 sowie die Meseberger Straße 8 bis 13 versehen werden, verrät AWG-Vorstand Steffen Mairose.

AWG und WWG wissen, wie wichtig Fahrstühle sind

Die AWG ist eine Wohnungsgenossenschaft, das heißt, wer in eine Wohnung einzieht, muss Genossenschaftsanteile erwerben, bekommt dafür aber unter anderem ein Mitbestimmungsrecht eingeräumt, kann im Rahmen der Mitgliederversammlung aktiv auf die Zukunft der Genossenschaft Einfluss nehmen. Die WWG ist ein kommunales Wohnungsunternehmen, zu einhundert Prozent Tochter der Stadt Wolmirstedt. Das letzte Wort bei Entscheidungen gebührt dem Aufsichtsrat, Vorsitzende ist Bürgermeisterin Marlies Cassuhn.

Während die AWG bereits im Stadtzentrum residiert, hat die WWG ihren Sitz in der Schwimmbadstraße. Das soll sich ändern. Die Mitarbeiter werden künftig beinahe neben der AWG, in der Samsweger Straße 60 residieren, in der unteren Etage des Hauses gegenüber der Augenarztpraxis. Der Umzug erfolgt, sobald das Haus fertig ist. Eigentlich war vorgesehen, dort neben den 16 Wohnungen im Erdgeschoss eine Arzt- oder Physiotherapiepraxis einzurichten. Doch von diesen medizinisch agierenden Mietern hat die WWG inzwischen Abstand genommen und richtet die Räume als eigene Geschäftsstelle her. Dabei werden die 12 Mitarbeiter in ein volles Haus ziehen, denn alle 16 Wohnungen sind bereits vermietet.

Wohnquartier soll eigenen Namen bekommen

Das gesamte Wohnquartier hinter dem Rathaus liegt der WWG am Herzen. Klaus Jaenecke sieht das Potenzial, dass Menschen dort nicht nur wohnen, sondern sich auch zwischen den Häuserblocks begegnen können. Dafür sollen Inseln geschaffen werden und es wird ein Name für das Quartier gesucht. Ein paar Vorschläge gibt es schon. Der Favorit - soviel sei schon verraten - bezieht sich auf das Nachbargebäude, hat das Wort „Rathaus“ im Namen.

So soll die Samsweger Straße 60 nach der Sanierung von der anderen Seite aussehen.
So soll die Samsweger Straße 60 nach der Sanierung von der anderen Seite aussehen.
Visualisierung: WWG