Landtagswahl

Wolmirstedt ist dreimal im Landtag vertreten

Zwei Neue und ein alter Hase - der Wahlkreis Wolmirstedt wird in der kommenden Legislaturperiode durch drei Mitglieder im Landtag vertreten sein. Wie werden sie sich orientieren?

Von Gudrun Billowie
Diana Rolle und Michelle Sternberg leeren die Wahlurne aus.
Diana Rolle und Michelle Sternberg leeren die Wahlurne aus. Foto: Gudrun Billowie

Wolmirstedt - Bisher war der Wahlkreis Wolmirstedt durch Holger Stahlknecht (CDU) und Kristin Heiß (Die Linke) im Landtag vertreten. Nach der Wahl am 6. Juni hat sich das Karussell weitergedreht. Holger Stahlknecht macht weiter, hat mit 40,39 Prozent das Direktkandidat des Wahlkreises gewonnen. Über die jeweiligen Landeslisten haben nun auch Felix Zietmann (AfD) und Katrin Gensecke (SPD) den Sprung in Sachsen-Anhalts Landesparlament geschafft. Kristin Heiß hingegen wird sich verabschieden.

Holger Stahlknecht war in der vergangenen Legislaturperiode Innenminister, bis ihn Ministerpräsident Reiner Haseloff am 4. Dezember 2020 entließ. Das Landtagsmandat hatte Stahlknecht behalten und tritt nun erneut ins Parlament ein. Er wird einen der 40 CDU-Plätze einnehmen, mit deutlichem Rückenwind der Wähler. Strebt er wieder ein Ministeramt an? „Nein“, sagt Holger Stahlknecht, „das ist nicht vorgesehen.“ Er wird außerdem weiter in einer Anwaltskanzlei für Wirtschaftsrecht tätig sein.

Holger Stahlknecht (CDU) strebt kein Ministeramt an

Im Landtag wird Holger Stahlknecht weiter mit dem Ministerpräsidenten Reiner Haseloff in der CDU-Fraktion agieren. Wird eine Zusammenarbeit möglich sein oder ist das Tischtuch nach der Entlassung als Innenminister zerschnitten? Auf Befindlichkeiten will sich Holger Stahlknecht nicht einlassen. „Die Zusammenarbeit hat sich nach der Zäsur am 4. Dezember gut eingespielt. Es gilt: Wir haben einen Auftrag vom Wähler, hier geht es um Profession, das Land, den Wahlkreis.“

Das Wahlkreisbüro wird in Wolmirstedt bleiben. „Ich will weiterhin Ansprechpartner vor Ort sein.“

Kristin Heiß (Die Linke) schließt ihr Büro

Kristin Heiß (Die Linke) hingegen wird ihr Wahlkreisbüro in Wolmirstedt Ende Juni aufgeben. Dann läuft der Mietvertrag aus. Sie hat den erneuten Einzug in den Landtag verfehlt und plant, künftig im Sozialministerium zu arbeiten.

Stattdessen erwägt Katrin Gensecke, ein SPD-Wahlkreisbüro einzurichten. Die Gersdorferin hat den Einzug über die Landesliste geschafft. Sie stand auf Platz 7, die SPD konnte 9 der insgesamt 97 Sitze ergattern. Nach dem Schreck über das einstellige Abschneiden ihrer Partei keimt langsam die Freude, bald selbst im Land mitgestalten zu können.

Katrin Gensecke (SPD) steht für Menschen mit Handycap

Katrin Gensecke will sich vor allem für Menschen mit Behinderung einsetzen, ihre eigenen Erfahrungen einbringen. „Es gibt im Landtag noch viel zu wenige Menschen mit einem Handycap.“ Sie ist selbst von multipler Sklerose betroffen, einer Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems. Wie wichtig ihr das Thema ist, spürte sie gleich am Montag nach der Wahl. Sie erfuhr von einer Aktion Blinder und Sehbehinderter Menschen vor dem Landtag. „Es hat mich spontan zu diesen Menschen hingezogen.“

Für ihr persönliches Leben bedeutet der Einzug in den Landtag einen großen Schritt. „Ich werde endlich ein vollwertiger Arbeitnehmer.“ Bisher lebte sie von der Erwerbsminderungsrente, ihre Arbeit im Sinne der SPD oder behinderter Menschen erledigte sie im Ehrenamt. Nun wird sich ihr Berufsstatus ändern.

Auch Felix Zietmann (AfD) schaffte den Sprung in den Landtag über die Liste. Der Wolmirstedter hatte Listenplatz 14 inne, die AfD besetzt 23 Plätze. Auch er plant, ein Wahlkreisbüro in Wolmirstedt einzurichten.

Die AfD gilt als rechtspopulistische Partei, in Teilen rechtsextrem. Von diesem Spektrum distanziert sich Felix Zietmann sehr deutlich: „Ich bin sehr gegen Radikalisierung und Extremismus.“

Seine Arbeit im Landtag will er auf Sachfragen richten. „Ich hoffe, dass wir, egal mit welcher Partei, Kompromisse in der Sachpolitik finden. So wie im Wolmirstedter Stadtrat.“ Dort ist Felix Zietmann vertreten, steht der AfD-Fraktion vor.

Felix Zietmann distanziert sich vom Rechtsextremismus

Im Landtag will er den Schwerpunkt bei der Kinderbetreuung setzen, strebt kostenlose Kitas, Horte, kostenloses Schulessen an. Die Finanzierung sieht er als eine Sache der Verteilung, räumt aber ein: „Es wird ein Kraftakt in den kommenden Jahren, Corona hat ein Riesenloch in den Haushalt gerissen.“

Zum Wahlkreis Wolmirstedt gehören die Stadt Wolmirstedt, Barleben, Niedere Börde, Hohe Börde sowie aus der Gemeinde Elbe-Heide die Orte Angern, Burgstall, Colbitz, Loitsche-Heinrichsberg, Rogätz, Westheide, Zielitz.

Felix
Zietmann
Felix Zietmann
Foto: Tom Wunderlich
Holger Stahlknecht
Holger Stahlknecht
Foto: Gudrun Billowie
Katrin 
Gensecke
Katrin Gensecke
Foto: UliLücke