Gutenberg-Schule

Wolmirstedter Schultausch ist vom Tisch - jetzt können neue Lernformen starten

In Wolmirstedt teilen sich Grundschule und Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ ein Schulhaus. Das reicht schon lange nicht mehr für alle Klassen aus. Die Stadt Wolmirstedt und Landkreis Börde haben lange um eine Lösung gerungen. Nun ist der Streit beigelegt.

Von Gudrun Billowie

Wolmirstedt

In der Johannes-Gutenberg-Schule Wolmirstedt ist es seit Jahren viel zu eng. So eng, dass manche Klassen bereits in einem anderen Schulhaus lernen, in der ehemaligen Harnisch-Schule. Die Außenstelle war bisher als Notvariante gedacht und soll nun Dauerlösung werden. Das hat der Kreistag jüngst beschlossen und einen Streit beendet, der über sieben Jahre währte.

Der Plan sieht vor, dass die Oberstufenklassen 11 bis 13 im ehemaligen Harnisch-Schulhaus lernen können. Die fünften bis zehnten Klassen sollen im Gutenberg-Schulhaus bleiben, damit sie die berufsbildenden Werstätten nutzen können. Außerdem bleibt die Grundschule im Gutenberg-Schulhaus. Nun geht es darum, dass sich beide Schulen einigen, wie sie die Räume im Gutenberg-Schulhaus untereinander aufteilen. Vor allem geht es auch darum, wie die ehemalige Harnisch-Schule für die Oberstufe hergerichtet werden kann. Da haben Gemeinschaftsschulleiter Michael Jordan und sein Team viel zu tun.

Lernen nach dem Dalton Prinzip

Die Ideen sprudeln schon. Michael Jordan spricht von Lernbüros und Lernateliers, denn das selbstorganisierte Lernen soll auch in den oberen Klassen fortgesetzt werden. Das Prinzip geht so: Die Schüler arbeiten nach Wochenplänen, erhalten Frontalunterricht, vertiefen ihr Wissen aber auch in fachbezogenen Lernräumen. Das kann im Bio-Atelier sein oder im Geschichtsatelier. Diese Art zu lernen wird in Fachkreisen Dalton-Prinzip genannt. Mit der Sanierung der ehemaligen Harnisch-Schule sieht Michael Jordan gute Chancen, dieses Dalton-Konzept umzusetzen. „Es kann moderne Lösungen geben, ich freue mich, wenn wir uns entfalten können.“

Bezahlen muss vorrangig der Landkreis. Der ist Träger der Gemeinschaftsschule „Johannes Gutenberg“ und Eigentümer des ehemaligen Harnisch-Schulhauses. Noch weiß keiner, wieviel Geld genau das kostet. „Die Investitionen werden aufgrund des Raumprogramms ermittelt“, sagt Friederike Hecht, Amtsleiterin für Kultur in Bildung im Landkreis Börde. Dabei gelte der Grundsatz: Schulleiter Michael Jordan ist der Architekt, der Ideengeber, der Landkreis mit seinem Gebäudemanagmant übernimmt die Bauplanung und Ausführung. Ob alle Architektenwünsche tatsächlich erfüllt werden, wird sich zeigen.

Doch neben der Sanierung des ehemaligen Harnisch-Schulhauses muss der Landkreis auch weiterhin in die Tasche greifen. Der Landkreis Börde muss Miete an die Stadt Wolmirstedt bezahlen, weil seine fünften bis zehnten Klassen im Gutenberg-Schulhaus bleiben. Das gehört der Stadt.

Endgültige Lösung nicht perfekt aber zufriedenstellend

Wolmirstedts Verantwortliche zeigen sich zufrieden mit der endgültigen Lösung. „Wir können die Entscheidung gut mittragen“, sagt Kulturfachdienstleiterin Erika Tholotowsky. Grundschulleiterin Doreen Haensch akzeptiert das Ergebnis, auch wenn das nicht die Lieblingsvariante ist. Sie wäre mit ihrer Grundschule gern komplett und allein ins ehemalige Harnisch-Gebäude gezogen, dann wären Grund- und Gemeinschaftsschule getrennt. Trotzdem ist sie froh, dass endlich eine tragfähige Entscheidung steht. „Wir müssen endlich das Raumkonzept in Sack und Tüten bringen, damit die Digitalisierung umgesetzt werden kann.“ Es seien in der Vergangenheit viele Investitionen liegen geblieben, weil nicht klar war, wie die Schule weiter arbeiten und aussehen wird.

Wenn nun alle zufrieden sind, warum währte der Streit fast sieben Jahre, warum haben sich Stadt und Landkreis so lange nicht einigen können? Was ist jetzt anders? Eine Antwort liegt in der Schulentwicklungsplanung des Landes Sachsen-Anhalt. Die Harnisch-Schule als Außenstelle war nur mit Ausnahmegenehmigung betrieben worden, eigentlich waren zwei Schulgebäude nicht erlaubt. Neuerdings darf eine Schule auf mehrere Gebäude verteilt werden. Deshalb kann die ehemalige Harnisch-Schule künftig als zweiter Schulstandort der Gutenberg-Schule gelten, nicht mehr als Außenstelle, sondern gleichberechtigt. Nun wird auf allen Ebenen geplant, wie das Innenleben aussehen soll und wenn alles gut geht, soll das ehemalige Harnisch-Schulhaus 2023/24 ein schickes zweites Gutenberg-Schulhaus sein.

Bleibt nur noch ein Problem: Wie soll die ehemalige Harnisch-Schule künftig heißen?