Groß Ammensleben l Eigentlich sollte es dieser Tage für die Teilnehmer des kommunalen Projektes „Jugend und Kommune“ nach Berlin gehen. Dort stand neben dem Besuch des Bundestages auch ein Treffen mit Mitgliedern des Kinder- und Jugendparlamentes in Tempelhof-Schöneberg auf dem Plan. „Die Fahrt nach Berlin haben wir schon vor zwei Wochen abgesagt, weil die Bundeshauptstadt ja zum Risikogebiet erklärt wurde“, sagt Daniela Baars, Fachdienstleiterin „Bürgerdienste“ bei der Gemeindeverwaltung Niedere Börde. Nun bestehe mit den aktuellen bundesweiten Corona-Regelungen erst recht keine Möglichkeit, an die Spree zu reisen. „Das ist erst einmal Geschichte.“

Fahrt soll später stattfinden

Doch ganz abschreiben möchte die Gemeindeverwaltung den Ausflug nicht. Zwar sind die Fördermittel für die Fahrt erst einmal futsch. „Aber wir haben vom Fördermittelgeber die Zusicherung erhalten, über ein verkürztes Verfahren erneut Mittel beantragen zu können“, erklärt die Fachdienstleiterin. Damit ist der Berlinausflug also nicht vom Tisch. Vielmehr soll dieser im kommenden Jahr nachgeholt werden, „sowie es die Corona-Pandemie wieder zulässt“.

Das Projekt „Jugend und Kommune“ war Anfang März mit einem ersten Workshop auf der Domäne in Groß Ammensleben gestartet. In dem Projekt sollen mit Jugendlichen gemeinsame politische Handlungsstrategien entwickelt werden. Gemäß dem Kommunalverfassungsgesetz sollen die Kommunen Kinder- und Jugendliche, Senioren, Menschen mit Behinderungen, Zuwanderer und andere gesellschaftlich relevante Gruppen bei der Planung und bei Vorhaben, die deren spezifische Interessen berühren, in angemessener Weise beteiligen. Vor diesem gesetzlichen Auftrag ist das übergeordnete Ziel des Projektes zu sehen, Jugend und Kommune“, junge Menschen als aktive Mitglieder in die Zivilgesellschaft zu integrieren.

Bevor eine entsprechende Jugendbeteiligungsstruktur für die Gemeinde erarbeitet wird, soll es zunächst im Rahmen des Projektes mit den bereits bekannten und engagierten Jugendlichen – und in Zusammenarbeit mit der jungen Gemeinderätin Amy Schneider (FDP) – eine notwendige Gruppen-Weiterqualifizierung geben. Somit können sich diese Jugendlichen zukünftig als Sprachrohr für alle Kinder- und Jugendlichen in der Gemeinde engagieren.

Zunächst acht Teilnehmer

Der erste Workshop im März diente den zunächst acht Teilnehmern der Team- und Ideenfindung. Dazu war unter anderem ein Brainstorming durchgeführt worden. Demnach schätzten die jungen Leute die Natur, die Kitas, den Hort, die Jugendfeuerwehren sowie den Jugendclub in Groß Ammensleben als positiv ein. Als negativ werteten sie fehlende Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten sowie schlechte Verbindungen des öffentlichen Personennahverkehrs.

Der zweite Workshop endete mit der konkreten Idee, den Wunsch der Jugendlichen nach Fahrradwegen nach Groß Ammensleben durch eine „Radparade“, also eine Fahrrad-Demo, zum Ausdruck zu bringen. Die Demo hatte am 26. September in Form einer Sternfahrt von Dahlenwarsleben und Samswegen zu einer gemeinsamen Kundgebung auf die Domäne nach Groß Ammensleben stattgefunden.

Nun sollte es also nach Berlin gehen. Doch nicht nur die Reise ist abgesagt worden. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wurde am gestrigen Donnerstag auch ein Abschlusstreffen mit den Teilnehmern des Workshops auf unbestimmte Zeit verschoben. „Im Moment kann kein Treffen stattfinden“, erklärte Daniela Baars auf Volksstimme-Nachfrage.

Projekt soll Fortsetzung finden

Dennoch gehe „Jugend und Kommune“ weiter. „Wir wollen schauen, was wir im kommenden Jahr machen wollen. Schließlich hatten die Jugendlichen Ideen zusammengetragen, die über die Forderung nach Radwegen hinausgehen“, erklärt die Fachdienstleiterin. So gebe es beispielsweise die Idee, dass sich die Teilnehmer des Workshops an der 900-Jahr-Feier in Dahlenwarslebens einbringen. Aber auch der Wunsch nach einer Jugenddisko könnte weiter verfolgt werden. So ist also vorgesehen, weitere Projekte anzustoßen.

Mittelfristig soll dann auch über die Beteiligung der Jugendlichen an der Kommunalpolitik entschieden werden. Ziel des Projektes ist es, den jungen Leuten eine Stimme im Gemeinderat der Niederen Börde einzuräumen. „Wie genau das passieren soll, wissen wir noch nicht“, sagte Baars. So wird das Projekt „Jugend und Kommune“ also weiterlaufen, „und zwar als eine offene Gruppe“, führt die Amtsleiterin weiter aus. Jugendliche, die bisher nicht an dem Projekt teilgenommen haben, seien dann stets willkommen.