Wolmirstedt l Lea Sophie Heinrich und Marie Steinwerth balancieren konzentriert über das Seil. Zirkustrainerin Jenny Sperlich hält Lea Sophies Hand, zeigt, wie sie die Füße setzen, den Körper aufrecht halten kann. Die anderen Mädchen der Seiltanzgruppe bilden im Hintergrund eine Reihe, wedeln anmutig mit schwarzen Fächern und warten auf ihren Auftritt. Jedes der Mädchen zeigt auf dem Seil eine andere Figur, sie gehen in die Hocke oder schlüpfen durch Reifen.

„Dass wir das so gut hinbekommen, hätten wir nicht gedacht“, sagen Lea Sophie und Marie nach der Probe. Die Zirkusfamilie sieht das genauso. Alfred Sperlich ruft: „Zur Belohnung gibt es jetzt die Kostümprobe.“ Die Seiltänzerinnen, Trapezkünstlerinnen und Taubendompteurinnen jauchzen und klatschen vor Freude in die Hände. Auch Lea Sophies und Maries Augen leuchten. „Es ist toll, dass wir so schöne Kleider bekommen.“

Erstes Projekt dieser Art

Es ist das erste Mal, dass sich Kinder einer Wolmirstedter Schule so intensiv dem Zirkus verschreiben. Engagiert wurde er von Schulleiterin Ines Vogler. Als sie wusste, dass sie die Leitung der Diesterweg-Schule übernehmen würde, hat sie sich sofort um einen Vertrag bemüht, weil sie aus der Erfahrung an ihrer vorherigen Schule wusste, dass sich Kinder gern auf diese andere Welt einlassen.

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Ute Haberkorn bestätigt diesen Eindruck. „Ich lerne manche Kinder von einer ganz anderen Seite kennen“, staunt die Lehrerin, „manche, die sonst eher schüchtern sind, leben hier richtig auf.“ Sie assistiert beim Seiltanz, gibt den Mädchen ebenso wie Zirkusfrau Jenny Sperlich Halt auf dem Seil, denn die wenigen Trainingsstunden reichen natürlich nicht aus, um Kinder ganz allein auf einem gespannten Draht balancieren und tanzen zu lassen.

Allerdings ist Ute Haberkorn ebenso aufgeregt wie die Mädchen, denn sie wird während der Vorstellungen ebenfalls in der Manege stehen. Allerdings nicht im bunten Kostüm, sondern in Schwarz. „Der Blick soll auf die Kinder fallen“, erklärt sie.

Zauberer und Artisten

Philip Schlee hat sich für die Zaubergruppe entschieden. Der Neunjährige übt zusammen mit den anderen Kindern, eine Taube ganz zauberhaft gegen einen Hasen zu tauschen. „Außerdem lassen wir ein blaues Tuch verschwinden“, verrät er. Philip hat zwar zu Hause auch einen Zauberkasten, dennoch verblüffen ihn die vielen Zirkus-Zaubertricks sehr. „Ich staune, wie man sich solche Tricks einfallen lassen kann.“

Für die Zirkusfamilie Sperlich ist die Arbeit in der Manege Alltag. Diesen Alltag teilen sie gern mit den Kindern. Alfred Sperlich begründet, warum: „Hier sind sie nicht allein. Sie lernen, miteinander zu arbeiten und zusammenzuhalten. Das bleibt ihnen fürs Leben erhalten.“

Trotz Artistik und Taubendressur wird auch in dieser Woche in der Diesterweg-Schule gelesen und gerechnet. Die Kinder, die gerade nicht im Zirkuszelt trainieren, lernen im Klassenraum. Doch natürlich dreht sich dabei auch alles um die Magie einer Zirkuswelt.

Vier öffentliche Vorstellungen

Karten für die vier öffentlichen Vorstellungen am Donnerstag und Freitag, 5. und 6. April, jeweils um 17 Uhr sowie Sonnabend um 10 und um 14 Uhr gibt es an der Tageskasse.