Zerbst l „Pünktlich zum Weihnachtsfest wird der Abwasserkanal in der Friedrich-Naumann-Straße gereinigt“, schrieb Wilhelm Becker erbost an die Redaktion. „Wir haben Urlaub, die Kinder Ferien und es wird Weihnachten vorbereitet.“ Es sei noch viel zu tun: Backen, kochen, reinigen der Wohnung sei aber immer mit Wasser verbunden. „Und das muss entsorgt werden“, sagte er.

Nun hatte aber die Firma Rakowski Dienstleistungen darum gebeten, wegen Kanalarbeit am heutigen Dienstag und morgigen Mittwoch „alle Sanitäröffnungen (gemeint sind damit Toiletten, Duschen, Waschbecken, Badewannen und Fußbodenentwässerungen) im Haus zu verschließen.“ Wo solle man denn die Toiletten benutzen, wollte der Leser wissen.

Toiletten bleiben benutzbar

„Die Toiletten bleiben benutzbar“, erklärte Günter Kantner, Leiter Ingenieurdienste der Heidewasser GmbH, der Volksstimme auf Nachfrage. Heidewasser betreibt das Netz und hat die Firma Rakowski beauftragt, eine Überprüfung der Abwasserleitung in der Friedrich-Naumann-Straße in Zerbst vorzunehmen. „Die Firma wird die Leitung mit einer Kamera befahren“, erklärte er weiter. Dafür sei vorher eine Reinigung nötig.

Diese erfolge mit Hochdruck. Dabei könne es sein, dass die Luft über die Abflüsse des Hauses entweicht und eben auch Masse mit sich bringt. „Um für den Ernstfall den Schaden gering zu halten, soll die Firma darauf hinweisen, dass ein mit zum Beispiel Büchern beschwerter Toilettendeckel schon vieles verhindern kann“, sagte Kantner. „Wir verlangen übrigens von der beauftragen Firma, dass sie die Kunden darüber informiert“, fügte er an.

Warum die Arbeiten nun ausgerechnet zu den letzten Tagen vor Weihnachten sein müssen, dazu sagte Bauleiter Andreas Barkenthien von Heidewasser: „Hintergrund ist, dass wir im kommenden Jahr den Abwasserkanal in der Friedrich-Naumann-Straße sanieren wollen.“ Dafür müssen Vorarbeiten erledigt werden, unter anderem die vollständige Befahrung mit dem Kameragerät. „Der Auftrag dazu ist schon sei zwei Monaten raus, allerdings konnte die Firma Rakowski erst jetzt den Auftrag ausführen, weil sie vorher keine freien Kapazitäten hatte“, sagte er.

Die Arbeiten beginnen am Frauentorplatz und setzen sich dann dem Straßenverlauf folgend fort. Dabei werde von Schacht zu Schacht gearbeitet. „Daher können die Anwohner auch sehen, ob gerade an ihrem Abschnitt gearbeitet wird oder nicht“, sagte Barkenthien. Nur dann bestehe die Möglichkeit, dass etwas aus der Leitung zurückdrücke. Überprüft werde übrigens der Zustand der Leitung.

Offene oder geschlossene Bauweise

„So können wir herausfinden, ob wir eine offene oder geschlossene Bauweise im kommenden Jahr wählen müssen“, erzählte er weiter. Offen bedeute, dass die Leitung freigelegt werden müsse. Bei der geschlossenen Bauweise müsse die Straße nicht aufgerissen werden, was für die Anwohner angenehmer ist. Dabei werde in den alten Kanal ein Schlauch eingezogen und aufgepumpt, bis er innen anliegt. Er sei aus einem Spezialmaterial, welches dann aushärte. „So entsteht dann ein Rohr in dem Rohr“, sagte Barkenthien.

Doch welche Maßnahme angebracht sei und ob überhaupt die gesamt Länge der Straße erneuert werden müsse, lasse sich ausschließlich mit der Kamera herausfinden.

Michael Hesse, Abteilungsleiter der Firma Rakowski, sagte: „Die Toiletten bleiben benutzbar.“ Es gehe bei dem Hinweis lediglich darum, dass es bei der Reinigung, die vor der Kamerafahrt stattfindet, Unter- oder Überdrücke entstehen, die sich an der leichtesten Stelle entladen. Das seien oft die Abwasserzugänge in der ersten Etage.

Er sagte auch: „Wir haben zwei Tage eingeplant, da ist jedoch eine Kulanz für uns drin. Wir sind vermutlich schneller fertig.“