Zerbst l Das Anhaltische Theater Dessau zählt zu den Gewinnern des erstmals ausgelobten Theaterpreises des Bundes. Es erhält 80 000 Euro Preisgeld, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Montag mitteilte. Eine Jury hatte aus 187 Bewerbern zwölf Theater als Gewinner ausgewählt. Bewertet wurde das Programm der Spielzeit 2014/15.

Um den Theaterpreis beworben hatte sich das Anhaltische Theater Dessau mit der Produktion „Kristallpalast“, einer Revue mit Ballett und Schauspiel. Die Inszenierung erinnert an das gleichnamige Tanzlokal, das seit 25 Jahren in der Dessauer Innenstadt leersteht, jedoch einst die „gute Stube“ der Stadt war, in der man sich zu Bällen und rauschenden Festen, aber auch zu Modenschauen, Boxveranstaltungen oder politischen Kundgebungen traf.

An der Entstehung der mit Ballett und Schauspiel erzählten Geschichte waren zahlreiche Zeitzeugen aus Dessau und Umgebung beteiligt. Das Anhaltische Theater hatte im Vorfeld zur Premiere Menschen gesucht, die ihre individuellen Erinnerungen an das legendäre Tanzlokal erzählen. Regisseur und Choreograf Tomasz Kajdański und Dramaturg Andreas Hillger haben eine Vielzahl dieser Geschichten in die Revue einfließen lassen. Premiere feierte die Inszenierung in der Spielzeit 2014/15 unter der Generalintendanz von André Bücker.

Monika Grütters sagte, sie verstehe den Preis als „Ermutigungspreis“. Er solle insbesondere kleine und mittlere Theater würdigen und in ihrer Rolle als Orte der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen stärken. „Daher haben wir uns ermutigt gefühlt, die Bewerbung abzusenden. Außerdem zeigt die Produktion eine der Stärken des Anhaltischen Theaters: die stetige Arbeit über die Spartengrenzen hinaus, die immer wieder außergewöhnliche Aufführungen ermöglicht“, erklärte Theatersprecherin Luisa Männel. Gerade die Sparten Ballett und Schauspiel, deren Existenz in den letzten Jahren zur Diskussion stand, vereinigen sich hier in einem grandiosen Stück, fügte sie an.

„Was wir mit dem Geld machen, wissen wir jetzt natürlich noch nicht. Wir sind ja selbst freudig überrascht worden und wissen erst seit Montag, dass das Anhaltische Theater das Preisgeld in Höhe von 80 000 Euro erhalten wird“, fügte die Sprecherin an. Auf jeden Fall werde das Geld direkt in die künstlerische Produktion gehen. „Denn das haben auch und vor allem die Dessauerinnen und Dessauer verdient, die durch ihre aktive Mitarbeit an ‚Kristallpalast‘ die Produktion sehr bereichert haben. “, erklärte sie. „Der Preis ist ein Ansporn, die gute Arbeit meines Vorgängers fortzuführen und auch weiterhin gesellschaftlich relevante Themen auf die Dessauer Bühne zu bringen“, so Generalintendant Johannes Weigand.