Zerbst l „Ich hab‘ geputzt – ganz doll“, wendet sich Lillith stolz an Simone Viehl. Anerkennend nickt die Zahnärztin. Sie ist zu Besuch in der Kita „Benjamin Blümchen“. Und das aus einem bestimmten Grund. Es ist der Tag der Zahngesundheit. Deutschlandweit finden deshalb am 25. September ganz verschiedene Aktionen statt. Auch der Jugendzahnärztliche Dienst des Gesundheitsamtes des Landkreises Anhalt-Bitterfeld beteiligt sich.

Gemeinsam mit den beiden Zahnschwestern Daniela Semtner und Lisa Dobbert hat das Simone Viehl in die Zerbster Kindereinrichtung des Albert-Schweitzer-Familienwerkes geführt. Und zwar zunächst in die Gruppe „Arielle“. Die Drei- bis Sechsjährigen sitzen bequem auf Kissen im Kreis. „Ich krieg’ schon einen Schulzahn“, ruft ein Junge der Zahnärztin begeistert zu. Die greift den Einwurf sofort auf und erzählt von den neuen Backenzähnen, die die künftigen Abc-Schützen bekommen und die genauso guter Pflege bedürfen wie all die anderen Zähne.

Auf richtige Putztechnik kommt es an

„Bei Kindergartenkindern müssen Eltern abends nachputzen“, betont Simone Viehl. Das sei wichtig. Denn was passiert, wenn Zähne nicht ordentlich geputzt werden, wissen die Steppkes genau. „Dann kommen Karius und Baktus und bohren alles kaputt“, sagt Luisa. „Die haben einen Hammer“, ergänzt Fabienne. Und wenn erstmal ein Loch im Zahn ist, dann muss gebohrt werden. „Und das kann ziepen“, ergänzt Simone Viehl mit schmerzverzogenem Gesicht. Sie gibt zu, als Kind beim Zähneputzen selbst gemogelt zu haben und gesteht: „Ich habe auch kaputte Zähne.“

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Umso mehr wirbt Simone Viehl für das regelmäßige und richtige Zähneputzen. Um den Kariesteufelchen den Kampf anzusagen, hat sie ein Plüschpferd mit einem markanten Gebiss mitgebracht. Zuerst greift die vierjährige Lillith zur überdimensionalen Zahnbürste und demonstriert, wie sie ihre Zähne immer putzt. Fabienne und Maxim folgen. Auch sie wenden bereits die richtige Technik an. Nur hier und da gibt Simone Viehl noch Tipps, beispielsweise zum Reinigen der Innenfläche der Backenzähne. „Da müsst ihr die Essensreste herausfegen“, verdeutlicht sie.

Auch Zahnbürste gehört gereinigt

Anschließend teilt sich die Gruppe. Einige Mädchen und Jungen gehen in den Waschraum. „Jetzt zeigt ihr mir mal, wie ihr eure Zähne putzt“, fordert Simone Viehl die Kinder auf, bevor sie ihnen genau über die Schulter schaut. Auch auf das Reinigen der Zahnbürste achtet sie, denn das wird nicht selten vom Nachwuchs vernachlässigt.

Derweil ertastet Conner mit verbundenen Augen verschiedene Gegenstände, die ihm Lisa Dobbert in eine Holzbox legt. Sofort erkennt er fühlend Apfel, Banane, Zahnbürste und Becher. Schwieriger ist es mit dem Mundspiegel, den ein Zahnarzt verwendet. Der Rest der „Arielle“-Gruppe befasst sich unterdessen spielerisch mit dem Thema „Gesunde Ernährung“. Unter Anleitung von Daniela Semtner wird eifrig gewürfelt und gepuzzelt.

Weniger Kinder bekommen Karies

Wie positiv sich eine solch frühzeitige Prävention auf die Zahngesundheit auswirkt, belegt die Statistik für Anhalt-Bitterfeld. Diese basiert auf den zahnärztlichen Untersuchungen, die der Jugendzahnärztliche Dienst jährlich in den Kitas und Schulen durchführt. Demnach ist im Landkreis der Anteil der Kinder bis zwölf Jahren mit einem naturgesunden Gebiss zwischen 2007 und 2018 von 44 auf 60 Prozent gestiegen. Dieser Trend spiegelt sich ebenfalls bei den Zwölfjährigen wider, deren Altersgruppe weltweit als Vergleichsparameter für die Zahngesundheit gilt. Litten 2007 noch 19 Prozent von ihnen an Karies, sank dieser Wert 2018 auf 6 Prozent.

„Nicht ganz so erfreulich ist die Entwicklung bei den Vorschulkindern“, weiß Simone Viehl. Zwar ist auch bei den Dreijährigen ein Rückgang zu verzeichnen, doch 2018 besaßen noch immer 11 Prozent der Steppkes kranke Zähne.

Kinder leiden unter Nuckelflaschenkaries

„Besondere Sorgen bereiten uns die Kleinsten“, bemerkt die Zahnärztin. Das Dauernuckeln von gesüßten oder säurehaltigen Getränken vor allem zur Nacht hin sei Ursache für tiefgreifende Zerstörungen der Milchzähne. „Dieser Nuckelflaschenkaries betrifft 5 bis 10 Prozent der Kleinkinder“, sagt Simone Viehl. „Manche Eltern meinen, Milchzähne brauchen keine besondere Beachtung, sie fallen ja sowieso aus. Das ist ein Trugschluss“, betont sie und bittet alle Eltern, bereits ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes mit ihrem Kind regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen.