Straßensanierung

Ausbau des Gartenweges entlang der Zerbster Stadtmauer soll im Sommer starten

Von Daniela Apel

Zerbst. Tiefe Löcher überziehen den bislang nur geschotterten Gartenweg in Zerbst. Der schlechte Zustand der 333 Meter langen Nebenstraße im Schatten der Stadtmauer wird allerdings bald der Vergangenheit angehören. Im Sommer soll der grundhafte Ausbau starten. Drei Monate sind für die Realisierung der Maßnahme veranschlagt, wie Jens Wähling vom Ingenieurteam Seume aus Jessen im Bau- und Stadtentwicklungsausschuss informierte, als er den Planungsentwurf vorstellte.

Vorgesehen ist eine 3,50 Meter breite Fahrbahn, die zur mittelalterlichen Wehranlage hin ein Hochbord erhält, während auf der gegenüberliegenden Seite ein Rundbord gesetzt wird. Denn dort befinden sich die Zufahrten zu einzelnen Wohngrundstücken. Weitere Einfamilienhäuser könnten entstehen, Flächen dafür sind vorhanden, wie Heike Krüger, Leiterin des Bau- und Liegenschaftsamtes, anmerkte. Sie war sich sicher, dass es so kommt, wenn der Gartenweg erstmal befestigt ist.

Einbahnstraße für Radfahrer frei

Im historischen Stadtkern gelegen bekommt die Straße jedoch keine Asphaltdecke. Stattdessen wird sie mit den gleichen rotbraunen Natursteinen gepflastert wie der Kleine Klosterhof, dessen Sanierung schon läuft. In diesen mündet der Gartenweg, der nach seinem Ausbau nur noch in eine Richtung befahrbar ist. Grund für die Einbahnstraßenregelung ist, dass „für Gegenverkehr kein Platz ist“, so Jens Wähling.

Zwar wurde durchaus über eine Variante mit Ausweichbuchten nachgedacht. Aber dafür hätte in die Böschung der Stadtmauer eingegriffen werden müssen. Zudem wäre die notwendige Sichtweite nicht gegeben gewesen, wie er erläuterte. So wird der Gartenweg künftig zur Einbahnstraße, in die man von der Fritz-Brandt-Straße aus hineinfährt. Ausgenommen sind Radfahrer.

Beleuchtung wird erneuert

Wie Jens Wähling ausführte, wird die Fahrbahn eine leichte Neigung hin zur Wohnbebauung aufweisen. Die dorthin abfließenden Niederschläge fängt dann ein kleiner noch zu verlegender Regenwasserkanal auf. Abgeleitet werden soll das Wasser in die Boner Nuthe, wozu ein Rohr unter der Stadtmauer durch geführt werden muss.

Im Zuge des Straßenausbaus werde auch die Beleuchtung erneuert, schilderte Jens Wähling. Darüber hinaus erfolgt als separate Maßnahme die Sanierung des Schmutzwasserkanals auf einer Länge von 150 Metern. Zudem soll eine Stromleitungslücke geschlossen werden.

Obstbäume sollen Lücken füllen

Bauvorbereitend fand bereits die Fällung von 17 Bäumen entlang der Stadtmauer statt. Genauso viele sollen wieder als Ersatz im Bereich der Böschung gepflanzt werden, gab Jens Wähling den Vorschlag von Ute Schilling vom städtischen Grünflächenamt weiter. Sie würde dafür Felsenbirne, Mehlbeere und eine Apfelsorte auswählen.

Zugleich habe Ute Schilling angeregt, im bereits sanierten Abschnitt der Wehranlage keine Bäume in die Erde zu setzen, um die freie Ansicht zu erhalten. Christiane Schmidt (Grüne) wäre das etwas zu kahl. Als Alternative schlug sie Säulenbäume mit schlanken Kronen vor. „Elf Bäume stehen noch. Sie werden während der Baumaßnahme geschützt“, ergänzte indes Jens Wähling.

Maßnahme teurer als geplant

Er ging auch auf den Untergrund des Gartenweges ein, der in der Vergangenheit mehrmals aufgefüllt wurde. Eine Untersuchung des Bodens ergab, dass dieser schadstoffbelastet ist. „Wir vermuten aber, dass das nur in der Oberlage der Fall ist“, sagte Jens Wähling. Die unteren Schichten sollen zwecks einer möglichen Wiederverwertung erneut analysiert werden.

Negativ auf die Kosten wirkt sich auch die schlechte Tragfähigkeit des Bodens aus. So waren für die Maßnahme ursprünglich 345.000 Euro kalkuliert, die sich jetzt auf 595.000 Euro erhöhen. Einen Antrag auf zusätzliche Fördermittel hat die Stadt mittlerweile gestellt. „Es gibt auch ein positives Signal, aber bislang keine Bewilligung“, informierte Heike Krüger. Bereits 2017 erhielt Zerbst aus dem Programm „Stadtumbau Ost“ einen Bewilligungsbescheid für den Ausbau des Gartenweges, und zwar für 2021. Der Zuschuss beläuft sich auf 66,66 Prozent.

Zufahrt künftig nur für Anlieger?

Um die Einschränkungen für die Anwohner so gering wie möglich zu halten, könnte das Projekt in zwei Bauabschnitte geteilt werden. So zumindest lautet der Vorschlag der Planer, den Jens Wähling nicht unerwähnt ließ.

Derweil gab Christiane Schmidt zu bedenken, dass eine künftig vermehrte Nutzung des Gartenweges vermieden werden sollte. Sie dachte da nicht zuletzt Touristen, die nach der Umgestaltung der Klosterhöfe und der Sanierung des einstigen Frauenklosters jene Ecke von Zerbst hoffentlich vermehrt besuchen. Sie regte deshalb an, die Straße nur für Anlieger frei zu geben. Es könnten auch Poller gesetzt werden, die nur die Anlieger öffnen könnten, überlegte sie. „Der Durchgangsverkehr lässt sich sicher mit einer Beschilderung regeln“, fand Sebastian Siebert (SPD).

Bodenschwellen zum Ausbremsen von Rasern

Um eventuelle Raserei zu vermeiden, sollen auf der Fahrbahn Bodenschwellen eingebaut werden, teilte Heike Krüger mit. „Die sollten wir vielleicht weglassen“, meinte Alfred Schildt (Die Linke) mit Blick auf Radfahrer.

Bauausschussvorsitzender Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) lenkte die Aufmerksamkeit auf die Stadtmauer. Im Zuge der denkmalrechtlichen Genehmigung zum Ausbau des Gartenweges sollte geprüft werden, ob nicht ein weiterer Aufgang zum Wächtergang geschaffen werden könnte. Bislang ist dieser nur über die Marienpforte zugänglich.