Zerbst l Der Breitbandausbau in der Einheitsgemeinde sorgt bei den Einwohnern nicht nur für Freude über die neuen Geschwindigkeiten, die demnächst aus ihren DSL-Anschlussdosen in den Rechnern ankommen werden. Bei vielen Kunden macht sich auch Frust breit, besonders bei denen, die ihre Verträge bei anderen Internet-Anbietern als der Telekom haben.

„Das Thema Breitband Ausbau ist ja nun zu einer reinen Veralberung geworden“, schreibt Fabian Reimann. Die Telekom baue ihre Verteilerkästen mit zu wenigen Ports und sein Vertrag, den er mit Vodafone geschlossen hat, sei storniert worden. „Es ist kein Platz mehr im Verteiler und dann bekomme ich zu hören, dass ich warten muss, bis jemand in meiner Gegend auszieht oder seinen Anschluss kündigt“, schildert er verärgert.

Sperrfrist für Nicht-Kunden

Reimann weiter: „Ich dachte es hieß schnelles Internet für jeden? Und laut Telekom-Mitarbeiter ist wohl auch gar kein Ausbau in Zerbst hinterlegt, so steht es wohl im System der Telekom-Bestellhotline.“

So oder so ähnlich klingen zahlreiche weitere Schilderungen von Zerbstern. Dazu kommt der Vorwurf, dass Bürger, die nicht Kunden der Telekom sind, nicht oder erst nach einer „Sperrfrist“ bei den schnellen Breitbandanschlüssen berücksichtigt werden.

Vorwürfe zurückgewiesen

Diese Vorwürfe weist Telekom-Sprecher Georg von Wagner auf Volksstimme-Nachfrage entschieden zurück. „Der Netzausbau in Zerbst läuft auf Hochtouren, erste Standorte sind verfügbar und können durch die Kunden bereits genutzt werden, weitere werden folgen. Das Netz wird diskriminierungsfrei gebaut. Das heißt, dass es allen Carriern, die Verträge über die Nutzung der Infrastruktur haben, zur Verfügung steht“, so von Wagner.

Berichte über Sperrfristen oder Bevorzugungen entbehrten somit jeglicher Grundlage. „Warum andere Unternehmen ihren Kunden derartige Auskünfte geben, können wir nicht nachvollziehen“, schreibt von Wagner in seiner Stellungnahme. Verallgemeinernden Aussagen wie „die Hotline sagt …, das Netz ist zu langsam …, keine Netzabdeckung …, oder ähnliches“, könne er nicht gezielt nachgehen. Auch sie entbehrten in der Regel jeglicher Grundlage.

Falsche Auskünfte

Bei den Aussagen der Hotline-Mitarbeiter sei es nicht um „das Netz ist zu langsam …, keine Netzabdeckung …, oder ähnliches“ gegangen, sondern um die Aussage, dass Zerbst nicht als Ausbaugebiet hinterlegt sei und die Aussage, dass zu wenige Ports in den Verteilerkästen sind, hakt die Volksstimme noch einmal bei Pressesprecher Georg von Wagner nach.

„Diese Aussage der Mitarbeiter an der Hotline ist falsch. Zu wenige Ports – wer sagt das? Wer hat die gezählt? Wie ich bereits sagte: Das entbehrt jeglicher Grundlage. Fragen Sie doch mal, wer den Kunden diesen Unsinn erzählt. Diese Parolen kommen nicht von uns. Wir, die Telekom, bauen ein neues, schnelleres Netz. Was haben wir mit dem Frust der Kunden anderer Unternehmen zu tun? Wenn die Kunden anderer Unternehmen Probleme haben, ans schnelle Netz zu kommen, sollen sie sich bitte an ihr Unternehmen wenden“, reagiert von Wagner ungehalten auf die erneute Nachfrage.

Selbsttest gemacht

Ausbauvorhaben mit einer Größe wie das in Zerbst, seien nie bis ins letzte planbar. „Aber, falls ein Fehler passiert, bereinigen wir ihn und geben Rückmeldung. Die Kunden können sich an den bekannten Service-Punkten oder an der Hotline der Telekom informieren“, betont von Wagner in seiner schriftlichen Stellungnahme.

Ein Zerbster Volksstimme-Mitarbeiter hat sich beraten lassen. Er ist 1&1 Kunde und selbst betroffen. Laut Aussage des Verbindungspunktes in Roßlau ihm gegenüber gibt es diese Vermarktungs-Sperrfrist sehr wohl. Sie beträgt in der Regel ein halbes Jahr, möglich seien sogar bis zu drei Jahre. Nur würden sie eben nicht Sperrfrist genannt, so der Berater für Mobilfunk, TV Kabelanschlüsse, sowie Festnetz- und Internetanschlüsse.

Die Aufträge würden einfach abgelehnt – aus Ressourcenmangel, wie eben zu wenige oder belegte Ports. Die Tele- kom sagt wiederum, das sei nicht so. Das sei reine Auslegungssache und schwer nachweisbar. Ein Wechsel von einem anderen Anbieter zur Telekom sei hingegen relativ unproblematisch möglich, vorausgesetzt, die Kündigungsfrist des bestehenden Vertrages lasse dies zu.