Leps l Für Dr. Susanne Friederich ist die Ausgrabungsstätte bei Leps eine Kriminalgeschichte. Die Projektleiterin des Amtes für Archäologie und Denkmalpflege sieht vor sich einen „cold case“ – ein kalten Fall, dem sie nachgehen. Denn auf den 170 Quadratmetern, die die Archäologen untersuchen, haben sich Spuren einer Siedlung – wie Abfall- und Vorrratsgräben – gefunden, aber auch einer Gräberstätte, die Grabräubern zum Opfer gefallen ist.

Auf der Gräberstätte vermuten die Archäologen mehr als 80 Urnenbeisetzungen. „Es könnten aber auch vier Mal so viele sein“, sagt Friederich. Denn die Urnen, die feinsäuberlich in ein Loch eingebettet wurden, in dem zuvor eine Steinplatte auf dem Boden und rings um Steine platziert worden, lagen zumeist mindestens einen Meter tief. Die jetzige Grabungstiefe, in der die Urnen entdeckt wurden, liegt aber bei 30 bis 50 Zentimetern. „Es ist also schon viel abgetragen worden. Wenn wir tiefer graben würden, würde wohl noch einiges zum Vorschein kommen“, vermutet sie. Denn die Gräberstätte scheint immer wieder genutzt worden zu sein.

Viele Fragen offen

Zumeist sind es aber nur noch die Steingebilde, die einst den Urnen Halt gaben, die freigelegt werden. Wann die Räuber zugeschlagen haben und die Urnen stahlen, in der Hoffnung in ihnen Grabbeigaben wie Schmuck zu finden, ist unklar. „Das hoffen wir noch herauszufinden. Wer waren die Räuber?, wann kamen sie? – all diese Fragen sind offen“, formuliert es Friederich.

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Und genauso wie in der heutigen Ermittlungsarbeit hoffen die Archäologen auf Spuren. „Dinge, die die Räuber verloren haben, etwa wie Knöpfe oder Schmuck, was auf die Identität schließen lässt“, erklärt Friederich weiter. Eins wissen sie aber schon: In den letzten einhundert Jahren fand kein Raub statt. Es muss eher gewesen sein.

Neben den Urnen, deren Innenleben auf Grabbeigaben erst später in Halle geprüft wird, gab es aber auch im Siedlungsbereich interessante Funde. So kam eine Schwanenhalsnadel zum Vorschein und eine Art Sicherheitsnadel aus der römischen Kaiserzeit – beides aus Bronze gefertigt. Daneben sind auch Speerspitzen, Münzen und Sichelstücke metallische Funde. Dann kommen noch etliche Keramikfunde dazu. Ganz typisch: eine Tasse, an deren Form sich bis heute wenig geändert hat. Friederichs Lieblingsstück ist aber eine Rassel aus Ton.

Die Grabungen führt das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege im Zuge eines Teilneubaus der Ferngasleitung zwischen Neugattersleben und Trajuhn durch. Die Leitung wird auf etwa 50 Kilometern erneuert. Die Arbeiten dafür sollen voraussichtlich Anfang 2019 starten.

30 Fundstellen

Im Zuge eines ersten Abschnittes der archäologischen Untersuchungen wurde bereits im Herbst 2017 auf 35 Kilometern Länge der neue, 15 Meter breite Trassenkorridor hinsichtlich seiner kulturhistorischen Evidenz untersucht. Seit April 2018 finden nun auf knapp 30 Fundstellen flächenhafte archäologische Grabungen statt, darunter auch die Fläche bei Leps. Bis zum Baustart sollen die Grabungen abgeschlossen sein.