Zerbst. Ines Haberer gewährt im Zerbster Kunstfenster derzeit malerische und fotografische Einblicke in ihr Leben. Farbenfroh erzählt die 50-Jährige von ihrer Leidenschaft, dem Yoga. Die aus Indien stammenden Lehre praktiziert sie nicht nur selbst, sondern vermittelt ihre Philosophie und die damit verbundenen Übungen inzwischen auch anderen. „Ich gebe eigene Kurse an der Zerbster Kreisvolkshochschule“, verrät die ausgebildete Yoga-Lehrerin, die zugleich als Ayurvedaberaterin tätig ist und beruflich als Verwaltungsfachangestellte arbeitet.

Ihre Entspannung im Alltag findet Ines Haberer im Yoga, wie die gezeigten Fotografien verraten, die mit der Handykamera als Selbstporträts, so genannten Selfies, auf Fuerteventura entstanden sind. Aber auch in ihren Bildern spiegelt sich ihre Passion wider. In kräftigen Acrylfarben hat sie ihren „Lebensweg“ zur inneren Ruhe auf Leinwand gebannt. Auffallend bei ihren Werken sind die häufig gewählten Rottöne. „Orange ist meine Lieblingsfarbe. Sie strahlt so viel Wärme aus“, erklärt die gebürtige Hallenserin lächelnd, die seit 2005 in Zerbst wohnt.

Malen als Meditation

Während sie „schon immer viel fotografierte, hat es mich durch Zufall zur Malerei verschlagen“, verrät Ines Haberer. Inzwischen ist es ein weiteres Hobby, das sich ideal in ihre Biographie einfügt. „Malen ist auch eine Art Meditation“, zieht sie die Verbindung zum Yoga. Der Griff zu Pinsel und Farben ist ein weiterer Ausgleich zu den stressigen Momenten im Alltag und eine Form sich auszudrücken. Das versucht die 50-Jährige auf vielfältige Art und probiert dabei gern Neues aus. „Dort habe ich mit Holz gearbeitet“, zeigt sie auf ein Bild mit Masken.

Daneben gibt es Collagen und ein „Herzensprojekt“, das Ines Haberer ebenfalls in ihren Werken eingefangen hat: das Hospiz, dessen einzelne Wortbuchstaben für sie für Hoffnung, Offenheit, Sensibilität, Palliativ, Individualität und Zuversicht stehen. „Außer meinem Bruder habe ich niemanden mehr“, erzählt sie. Erst im vorigen Jahr ist ihre Oma verstorben, schon eher verlor sie ihre Mutter, „die ich lange nicht loslassen konnte“, gesteht die Hallenserin. Mittlerweile kann sie über all das reden und möchte gern anderen in dieser schwierigen Lage helfen. „Ich lasse mich gerade zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin ausbilden“, berichtet sie von dem bis Dezember laufenden Befähigungskurs. Die Engel oder auch das in die Ferne schauende Paar sind Motive, mit denen Ines Haberer diesem ihr so wichtigen Anliegen Ausdruck verliehen hat.

Reise nach Indien

Wer durch das Schaufenster tiefer in die gläserne Galerie hineinblickt, entdeckt an der rückwärtigen Wand noch ein Triptychon. Es handelt sich um ein Foto des Taj Mahal. „Das habe ich selbst aufgenommen“, bemerkt die 50-Jährige und ergänzt: „2015 habe ich mir meinen Traum erfüllt und bin nach Indien gereist.“

So steckt hinter jedem Werk, das Ines Haberer im Kunstfenster präsentiert, eine Geschichte, die jeder Betrachter für sich selbst entdecken, deuten und dabei Ausschau nach „Visionen“ halten kann. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 4. Juli.