Lindau/Reuden-Süd l Statt Galaveranstaltung für alle, war Christine Praunert, Projektmanagerin „Kulinarisches Sachsen-Anhalt“ bei der Agrarmarketinggesellschaft in dieser Woche unterwegs, um 15 Sterne einzeln zu verteilen. In Lindau fuhr sie die Schafmilchkäserei JAARE an. Zum dritten Mal in Folge konnten sich Arnold und Anett de Vries über einen „Kulinarischen Stern“ freuen. Für ihr „kleines Schaf“ mit Bärlauch haben sie den Stern in der Kategorie „Molkereiprodukte“ abgeräumt.

Den Schnittkäse gab es als Laib bereits, aber die Verfeinerung mit Bärlauch, der ja auch in unserer Region wächst, macht den Käse aus. „Dieses Jahr habe ich gar nicht damit gerechnet“, musste Anett de Vries zugeben. Sie sei mit dem Reifegrad eigentlich noch nicht zufrieden gewesen, als sie den Käse einreichte. Die Jury sah das offenbar anders und war begeistert und überzeugt vom Produkt. „Das hat schon was zu sagen, wenn das Produkt bei dem Wettbewerb ankommt“, so die Lindauerin. Den Stern sieht sie als Bestätigung, „dass wir gute Arbeit machen und als Anerkennung für unsere guten Produkte.“ Darauf darf man stolz sein.

Drei Produkte bekommen einen Stern

In den zurückliegenden vier Jahren haben Arnold und Anett de Vries sieben Produkte für den Wettbewerb eingereicht. Sechs schafften es ins Finale unter die besten Drei, davon holten drei jeweils einen Stern. Nun wird der Platz schon eng, um die Auszeichnungen in dem kleinen Hofladen unterzubringen. Der floriert seit Corona förmlich. Die Leute haben sich auf die Produkte aus der Region besonnen. Auch die Osteraktion, bei der Käsepakete verschickt wurden, war gut angekommen, so Anett de Vries, die über eine ähnliche Aktion im Herbst nachdenkt. Schließlich brauchte es einen Ausgleich für das ausgefallene Hoffest.

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Inzwischen ist einiges langsam wieder angelaufen. Anett de Vries hofft, dass das veränderte Kaufverhalten der Leute auch nach Corona noch anhält. Nach dem Bekanntwerden der Sternesieger habe es gleich einen Ansturm gegeben. Den Trend zu regionalen Produkten, wo der Verbraucher weiß, woher sie kommen, bestätigen auch die Partner der Schafmilchkäserei, die auch Lindauer Produkte in ihren Hofläden mit anbieten.

Käseschafherde wird vielfältiger

„Schwarzes Schaf“, „altes Schaf“, „weißes Schaf“, „kleines Schaf“ – immer vielfältiger wird die Käseschafherde von Anett de Vries, die immer wieder neues ausprobiert. Mal sehen, was sie im nächsten Jahr beim Wettbewerb ins Rennen schickt. Sie überlegt schon, wieder mitzumachen, auch wenn ihr Mann auch den anderen Mitbewerbern mal einen Stern gönnen würde. Die Auszeichnung trägt schließlich zu einer höheren Wertschätzung regionaler Produkte bei. Das ist das Anliegen für die Agrarmarketinggesellschaft, die das Projekt zusammen mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie ins Leben gerufen hat.

Der zweite Stern für Zerbst ging nach Reuden-Süd zu den Fläminger Entenspezialitäten. Hier hatte sich die Entenkrakauer im Glas durchgesetzt. Auch die Rostbratwurst aus Ente hatte es unter die drei Finalisten in der Kategorie „Fleisch- und Wurstwaren“ geschafft. „Darüber habe ich mich sehr gefreut“, sagte der Geschäftsführer Michael Bügener. Bei den Fläminger Entenspezilitäten versuche man gerade was anderes zu machen, als normale Ente, so Bügener. Seit drei Jahren wird an Wurstspezialitäten aus Entenfleisch gefeilt. Mit im Boot ist auch die Hochschule Bernburg. So lag es nahe, für den Wettbewerb etwas von den Neuentwicklungen einzureichen. Das wurde belohnt.

Experiment mit Grillente

Ein weiteres Standbein will das Unternehmen, das durch fehlende Kunden aus dem Gastronomiebereich ebenfalls Schaden durch Corona nahm, damit schaffen. Das Problem sei, Ente wird nur im Herbst und Winter gegessen, erläutert es Bügener, aber der Betrieb arbeitet das ganze Jahr. So wird derzeit auch an Grillartikeln aus Ente probiert und mit der Greußener Salami- und Schinkenfabrik wurde eine Salami entwickelt. „Wir sehen gute Chancen“, sagt Michael Bügener, „die Leute suchen Alternativen zum Schweinefleisch.“

Wenn diese Produkte dann auch noch mit einem Stern daher kommen, spricht das für sie. Der Geschäftsführer: „Wir wollen was machen, was sich von den anderen Produkten abhebt.“ Seine Mitarbeiterinnen aus dem Regionalverkauf können bestätigen, dass mit dem Stern-Prädikat gleich die Nachfrage im Online-Shop stieg. Das Unternehmen und seine Produkte im Bekanntheitsgrad nach vorne zu bringen ist ebenso Anliegen der Kampagne „Kulinarischer Stern“.

Kantine soll renoviert werden

Künftig sollen Kunden vom Werksverkauf, der vergrößert werden soll, gleich in der öffentlichen Kantine am Eingang auch die Sterne-Produkte genießen können. Geplant ist, die Kantine zu renovieren und im alten Stil der 70-er Jahre wieder herzurichten und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Denkbar seien außerdem Bunkerführungen und Einblicke in die Geschichte des Betriebes, so Bügener.