Zerbst l Amselweg, Brauereiweg und Große Wiese haben eines gemeinsam: Die Straßen sind nur geschottert – bei Trockenheit staubt es, bei Regen bilden sich Pfützen, die Schlaglöcher hinterlassen. Verständlich ist da der Wunsch der Anwohner nach einer asphaltierten Fahrbahn. Dagegen spricht für die meisten allerdings ein wesentlicher Aspekt: die hohe finanzielle Beteiligung. Denn in allen drei Fällen würde es sich um eine Erschließung handeln, bei der die Grundstückseigentümer 90 Prozent der Kosten übernehmen müssten.

Sowohl im Amselweg als auch im Brauereiweg hat sich die überwiegende Mehrheit der Anlieger aus dem Grund gegen die „erstmalige Herstellung“ ihrer Straßen – so die Definition für eine Erschließung – bei der Befragung durch die Stadtverwaltung ausgesprochen.

Findet sich noch ein Kompromiss?

Diese gibt deshalb die Empfehlung, von einer Erschließung der beiden Straßen abzusehen. Die endgültige Entscheidung hat der Stadtrat zu treffen. Bereits ins dieser Woche beschäftige sich der Bau- und Stadtentwicklungsausschuss mit den Beschlussvorlagen.

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Der Ausschussvorsitzende Helmut Seidler (Freie Fraktion Zerbst) wollte die Abstimmungen dazu gern verschieben und stattdessen erst das Ergebnis des Workshops abwarten, der zu einer anderen, ebenfalls noch unbefestigten Straße jetzt im September geplant ist: zur Großen Wiese. Auch dort sind fast alle Anlieger gegen eine Erschließung der Straße – vor allem so, wie diese angedacht ist.

Anwohner sollen ihre Wünsche darlegen

„Wir wollen eine befestigte, asphaltierte Straße, keinen Boulevard mit Grünstreifen und Begegnungsflächen“, formulierte es Anwohner Klaus Trömer auf der Bauausschusssitzung Mitte August. Damals regte Jürgen Borgsdorf (CDU) einen Workshop an.

Die Anwohner sollten noch einmal darlegen, was genau sie wollen, um doch noch einen Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können. Eine abgespeckte Variante wäre vielleicht möglich. Denn wie Lutz Voßfeldt (FDP) zu bedenken gab, reiche es nicht aus, nur Asphalt aufzutragen. „Ein grundhafter Ausbau muss sein“, so Voßfeldt, dessen Ingenieurbüro die Entwürfe zur Großen Wiese erarbeitet hatte.

Allheilmittel finden?

Vielleicht ergibt sich bei diesem Workshop auch eine Lösung, die sich auf die anderen unbefestigten Straßen im Stadtgebiet übertragen lässt. Immerhin „schieben wir rund 15 Kilometer vor uns her, die nicht wenig in der Unterhaltung kosten“, meinte Helmut Seidler. „Vielleicht finden wir ein Allheilmittel“, formulierte es Lutz Voßfeldt.

Dennoch wollte die Mehrheit der Ausschussmitglieder am Dienstagabend eine Entscheidung zum Amselweg und zum Brauereiweg fällen. „Ich denke mal, dass von den Bürgern erwartet wird, dass wir uns positionieren“, meldete sich Sebastian Siebert (SPD) zu Wort. Er regte an, einen Vorbehalt in die Beschlussvorlage einzubauen, um festzulegen, dass es erst zu einer Erschließung kommt, wenn nach Vorbild der Großen Wiese eine Variante gefunden wird, die von den Anwohnern akzeptiert wird. „Damit schieben wir die generelle Entscheidung nach hinten“, konstatierte Alfred Schildt (Die Linke).

Rechtsgrundlagen sind eindeutig

„Ich habe den Eindruck, dass so lange gefragt wird, bis wir Ja sagen“, warf Berndt Ludewig, Anwohner des Amselweges, ein. Das verneinte Helmut Seidler und bat um eine sachliche Diskussion. Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) verwies derweil erneut auf die Rechtsgrundlagen, die definieren, wann es sich um eine Erschließungsmaßnahme handelt. „Die persönliche Meinung spielt keine Rolle“, wandte er sich an Steffen Dammann (AfD). Jener hatte zuvor erklärt, dass es für ihn keine Erschließung sei, sondern nur ein Straßenausbau. Ein solcher würde die Bürger weniger finanziell belasten.

Am Ende folgte der Ausschuss bei einer Gegenstimme dem Vorschlag von Sebastian Siebert.