Landwirtschaft

Bauernverband „Anhalt“ zieht auf seiner jährlichen Tagung ein ernüchterndes Fazit

Von Daniela Apel
Die ersten Rapsblüten haben sich bereits geöffnet wie hier auf einem Feld zwischen Bias und Steutz. Ob die Erträge wie 2020 leicht ansteigen, bleibt abzuwarten. Foto: Daniela Apel

Zerbst

Der Bauerntag des Bauernverbandes „Anhalt“ ist stets rege besucht. Die Mitglieder nutzen gern die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch und direkten Erfahrungsaustausch. In diesem Jahr allerdings blieben sie coronabedingt auf Distanz. Statt sich wie gewohnt in Brambach zu treffen, fand die Veranstaltung digital als Videokonferenz statt. Diese Form der Zusammenkunft war neu, die angesprochenen Probleme hingegen unverändert die alten.

Viele Landwirte kämpfen um ihre Existenz, wie der Vorstandsvorsitzende Thomas Külz ausführte. Als „sehr verhalten“ bezeichnete er beispielsweise die Milchpreise im Vergleich zu den gestiegenen Kosten, zumal die Futtersituation nach wie vor angespannt sei und auch die Personalsituation nicht besser werde. Eine solide Milchproduktion sei nicht möglich, konstatierte er. Doch es gebe eben Standorte, an denen keine Feldfrüchte angebaut werden könnten. „Wenn ich 1000 Hektar Wiese habe, muss ich es irgendwie über Tiere veredeln“, gab er zu bedenken.

Solaranlagen als neue Einnahmequelle?

Eine andere Möglichkeit, auf schlechten Böden Einnahmen zu erzielen, sind Freiflächenphotovoltaikanlagen. Auch im Zerbster Bau- und Stadtentwicklungsausschuss wurde kürzlich rege diskutiert, ob es erlaubt werden sollte, auf Äckern Solarmodule zu errichten. Bevor hier eine Entscheidung getroffen wird, soll das Thema mit allem Für und Wider betrachtet werden. Der Bauernverband könnte damit leben, dass fünf Prozent der Gemarkungsgröße oder maximal 20 Hektar für solche Anlagen freigegeben werden, wie Thomas Külz erklärte.

In seinem Bericht warf er ebenfalls einen Blick auf die Erträge im vergangenen Jahr. Im Gegensatz zu 2018 und 2019, als extreme Dürre für deutliche Ernteeinbußen sorgte, gab es 2020 etwas mehr Niederschläge. Allerdings fiel die Menge von Region zu Region ganz unterschiedlich aus, weshalb mancher Betrieb das dritte Jahr in Folge mit anhaltender Trockenheit konfrontiert wurde. Sein allgemeines Fazit: Die Weizenmengen blieben unter dem Zehn-Jahres-Schnitt, während beim Raps eine leichte Steigerung erzielt werden konnte. Unter Frostschäden und Mäusebefall hingegen litt die Wintergerste.

Schweinepreise sind deutlich gesunken

Schwierige Monate liegen ebenfalls hinter den Schweinezucht- und -mastbetrieben. „Auch im Kreis mussten leider einige aufgeben“, bedauerte Thomas Külz. Die Branche sei „arg gebeutelt“. Mit dem Einfuhrstopp vom deutschem Schweinefleisch nach Asien nach Auftreten des ersten Falls von Afrikanischer Schweinepest in Brandenburg fiel ein wichtiger Absatzmarkt weg. Zudem sanken die Preise für Schweinefleisch, lagen „teils unter einem Euro fürs Kilo“, schilderte der Vorstandsvorsitzende.

Kritik übte er an den zunehmend zu erfüllenden Auflagen, die kostbare Zeit in Anspruch nehmen. „Wir haben immer mehr Kontroll- und Dokumentationspflichten. Wir kommen gar nicht mehr zur Arbeit auf dem Feld“, bezweifelte er, ob dies sinnvoll sei. Immerhin seien sie eigenverantwortlich, betonte Thomas Külz.

Ihn ärgerte zudem, dass „wir Landwirte für alles in Haftung genommen werden“ - für sauberes Grundwasser ebenso wie für Artenvielfalt, Insektenschutz und unbelastete Böden. Produkte sollen in Bio-Qualität erzeugt werden, während ihnen im Hintergrund offene Märkte und die Billigpolitik zusetzen.