Zerbst l Das neue Jahr ist schon nicht mehr ganz so neu. Neuigkeiten vom Grundstück an der Breite, auf dem die AWO bauen will, gibt es aber nicht. Stattdessen stellt sich Verdruss ein. Die Zerbster sind das trübe Bild leid. Und Stimmen wurden laut: „Es hätte ja auch noch einen anderen Interessenten gegeben. Dann wäre jetzt bestimmt schon was passiert.“

Zumindest den weiteren Interessenten können beispielsweise Stadtrat Steffen Grey (FDP), Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD) und Knuth Jacob bestätigen. Letzterer weiß es ganz genau, denn er war der Interessent. Er ist geschäftsführender Vorstand der Zerbster Wohnungsgenossenschaft „Frohe Zukunft“.

Zwei Absagen

Die Genossenschaft hatte sich für das Grundstück interessiert. In einem Schreiben vom 23. Januar 2014 bekundete das Wohnungsunternehmen sein Kaufinteresse an gleich zwei Grundstücken der Bau- und Wohnungsgesellschaft Zerbst (BWZ). Eines wurde gleich abgelehnt, die Breite ließ noch etwas auf sich warten. Die BWZ wollte die Antwort der AWO abwarten. „Letztlich habe ich nie eine Antwort seitens der BWZ bezüglich des Grundstücks Breite/Wolfsbrücke erhalten“, sagt Jacob heute und moniert die Art und Weise.

Jacob geht fest davon aus, dass die damalige Entscheidung, das Grundstück Breite/Wolfsbrücke nicht an die Genossenschaft zu verkaufen, von der Stadt, die Gesellschafter ist, getroffen wurde, nicht von der BWZ. Sicherlich muss man Knuth Jacob da Recht geben. Denn es scheint auch schwer anders möglich, denn die BWZ ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt. Die Gesellschafterversammlung sowie der Aufsichtsrat sind ausschließlich mit Mitgliedern des Stadtrates oder Mitarbeitern der Stadt besetzt, wie man den jährlichen Beteiligungsberichten entnehmen kann.

AWO-Konzept überzeugte

Bürgermeister Andreas Dittmann kann sich an die Zeit der Grundstücksvergabe noch gut erinnern und sagt, dass zwei Aspekte ausschlaggebend waren, dass die AWO den Zuschlag bekam: „Es waren zum einen unternehmerische Gründe, zum anderen aber überzeugte uns damals das Konzept mehr.“

Die AWO hatte 2014 ein Konzept zum Servicewohnen für ältere Menschen eingereicht. Barrierefreie, aber ansonsten normale Wohnungen, zu denen Leistungen dazu gebucht werden können, um so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen. „Das war für uns damals neu und begeisterte uns. Und mit Hinblick auf den damals knappen barrierefreien Wohnraum haben sich betriebliche und städtische Gremien alle mehrheitlich positiv für dieses Konzept ausgesprochen“, erklärt Dittmann.

Die „Frohe Zukunft“ wollte auf dem Grundstück ein Wohn- und Geschäftshaus mit Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss, darüber Wohnungen und eine Tiefgarage errichten. Diese sollte nicht nur für die Mieter, sondern auch in einem abgetrennten Bereich öffentlich nutzbar sein. Zudem sollte sich das Gebäude architektonisch in die Breite einfügen.

Alternativen hätte es also gegeben. Doch mit „hätte“ kommt man derzeit auch nicht weiter. „Ich ärgere mich jeden Tag mindestens zwei Mal, immer, wenn ich an dem Grundstück vorbei fahre. Aber ich finde das Konzept nach wie vor gut. Aber meine Frustrationsstufe ist schon sehr hoch. Deshalb sind wir auch sehr hinterher, schreiben Briefe und Mails an die AWO und rufen regelmäßig an, um zu zeigen, dass wir an einer schnellen Lösung interessiert sind“, sagt Dittmann.