Zerbst l „Es entwickelt sich gut“, sagt Manfred Werner. Der Vorsitzende des Zerbster Imkervereins ist zufrieden mit der Entwicklung in diesem Frühjahr. Wie die Landwirte sind auch die Imker direkt von den Umweltbedingungen mit ihren Bienenvölkern abhängig. Leiden die Pflanzen unter Trockenheit, finden auch die staatenbildenden Insekten wenig Nahrung. Die Honigernte fällt dann entsprechend bescheiden aus. In den vergangenen beiden Jahren erlebten die Imker so einen Einbruch. Viele Völker sammelten nur knapp die Hälfte des Honigs, den sie sonst in durchschnittlichen Jahren in die Waben einlagern. Vor allem die Trockenheit und die hohen Temperaturen machten den kleinen Insekten in den vergangenen beiden Jahren zu schaffen. Aktuell blühen die Robinien. Die weißen Blüten schmücken die großen Bäume und bieten den Insekten reichlich Nahrung, sagt Manfred Werner.

Robinienhonig sei sehr beliebt, weiß er. Der bräunliche Honig bleibe lange flüssig und sei nicht so süß, weshalb er gern mal im Tee als Süßungsmittel Verwendung finde, kennt er die Vorlieben der Menschen. Seit dem Beginn der Obstblüte wechseln sich die sogenannten Trachten in der Natur ab. Die Obstblüte ist im Frühjahr der Start für die Bienen und rund 100 andere nektarsammelnde Insekten.

Kaum Lindenhonig

Nach der Robinie kommt die Linde zur Blüte. Aufmerksam verfolgen die Imker das Schauspiel in der Natur. Im vergangenen Jahr gab es so gut wie keinen Lindenhonig. Die Bäume hatten zwar wie immer sehr viele Blüten ausgebildet. Wegen des fehlenden Regens produzierten sie aber keinen Nektar. Die Bienen fanden in den Lindenblüten keine Nahrung. Nur ganz vereinzelt hatten Imker Glück und konnten den beliebten Lindenhonig ernten. Auch hier sieht es in diesem Jahr besser aus. Wenn es jetzt noch etwas Regen gibt, sei mit einer Ernte zu rechnen, freut sich Manfred Werner.

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53 Imker sind in dem Verein organisiert. Das Imkern ist wieder stark in Mode geraten. Zwei bis drei Neuzugänge verzeichnet er im Jahr. Nicht nur in den Städten halten sich die Menschen wieder mehr Bienen. Auch auf dem Land ist das zu Anfang nicht ganz schmerzfreie Hobby zunehmend attraktiver geworden. Die Imker helfen dabei Anfängern nicht nur mit allerhand Ausrüstung und Technik, sondern auch mit vielen Ratschlägen. Das Imkern erfordert vor allem Ruhe und Geduld. Es dauert einige Jahre, bis der Imker ein Gefühl dafür entwickelt hat, wie sich sein Bienenvolk im Laufe des Jahres verändert und anpasst.

Schutz der Bienen wichtig

Allerdings gebe es beim Imkern einiges zu beachten, sagt der Vereinschef. Die Insekten müssen vor dem Start beim Veterinäramt angemeldet werden. Die Zerbster Imker raten zudem Anfängern dazu, Völker aus der Region zu erwerben, wenn sie mit dem Hobby beginnen wollen. Das dient vor allem dem Schutz der bestehenden Völker, beschreibt er. Denn die kleinen Flieger sind von zahlreichen Krankheiten bedroht.

Um im Falle eines Krankheitsausbruchs die Ursache zurückverfolgen zu können, müssen auch Wanderimker ihre Bienen beim jeweiligen Landkreis anmelden, wenn sie für einige Wochen kommen, um die Bienen in die blühenden Trachten zu schicken. Schon längst vor der Corona-Pandemie sei der Seuchenschutz schon immer ein Thema unter den Imkern gewesen, bestätigt Manfred Werner. Die Imker zahlen wegen einer möglichen Krankheitsgefahr auch in die Tierseuchenkasse ein. Überhaupt keinen Spaß verstehen sie, wenn Leute sich Bienen halten, ohne sie entsprechend angemeldet zu haben. „Niemand muss in einem Imkerverein Mitglied sein“, sagt er. Aber die Bienenvölker müssen angemeldet sein, unterstreicht er. Im Falle eines Krankheitsausbruchs sei dies sehr wichtig, um die Quelle schnell identifizieren zu können. Denn das gelinge nur, wenn alle Bienenvölker in einer Region lückenlos gemeldet sind.

Einmal im Jahr veranstalten die Zerbster einen Imkertag. Dann treffen sich die Hobbyimker und laden auch die Bürger ein, ihnen mal über die Schulter zu schauen. Ob der Imkertag in diesem Jahr möglich sein wird, sei noch offen, schätzt er ein.