Zerbst l Wenn sich die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren dieser Tage zu ihren Jahreshauptversammlungen treffen, geht es vornehmlich um Zahlen und Statistiken, um Einsatzzahlen, Rüstzeiten und Zeiten, die sie bei Lehrgängen und der Ausbildung verbracht haben – aber eben nicht nur.

Es geht auch um Aufwandsentschädigungen, die Zusammenarbeit mit Landwirten und um Hitzeperioden, extreme Trockenheit und immer mehr Feld- und Waldbrände. Aus letzterem ergibt sich die Frage: Was davon ist Wetter und was Klimawandel? Bürgermeister Andreas Dittmann (SPD), der aus Termingründen als erster ans Rednerpult trat, ist derweil sicher, dass dies erst der Anfang sei und sich diese Wetterphänomene in den nächsten Jahren häufen werden.

Stufenweise Erhöhung der Entschädigungen

„Das, was und infolge des zweiten Trockenheitsjahres an Feld- und Waldbränden beschert wurde, lässt für die Zukunft Schlimmes ahnen“, prophezeit Dittmann. Man mag an den Klimawandel glauben oder auch nicht, „er findet einfach statt. Und das, was wir in den letzten zwei Jahren in unserer Region an Wetterbedingungen hatten, das wird keine Eintagsfliege bleiben. Darauf werden wir uns einstellen müssen“, so Dittmann.

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„Insofern war es gut, dass es uns in diesem Jahr gelungen ist – auch auf Anregung der Zerbster Wehr – ein Großteil unserer Landwirte mal mit an den Tisch zu holen, um gemeinsam einerseits das Einsatzgeschehen 2019 auszuwerten und andererseits gemeinsam darüber nachzudenken, was die Landwirte selbst dazu beitragen können, dass nicht so viele Bände entstehen und wenn sie entstehen, geeignete Mittel Seitens der Landwirtschaft vorgehalten werden, um mindestens die Arbeit der Feuerwehr nicht zu erschweren oder mit ersten Maßnahmen das Ausmaß einzudämmen“, erklärte der Rathauschef.

Tanklöschfahrzeug wird ausgeschrieben

Im Bezug auf die möglich werdende Erhöhung der Aufwandsentschädigungen verwies Dittmann auf das Prozedere, das nötig ist, um die Feuerwehrsatzung entsprechend anzupassen. „Wir sind mit der Stadtwehrleitung im Gespräch, dass wir noch in diesem Jahr gemeinsam für den Stadtrat einen Vorschlag diesbezüglich erarbeiten wollen, wie wir zumindest stufenweise 2020 und 2021 die Möglichkeiten, die wir jetzt haben, auch zu nutzen“, sagte Dittmann.

Es würde ihn schwer wundern, wenn es in den Ortschaftsräten dazu Widerstände gibt, „denn letztlich haben wir ja auch bei der Entschädigung der ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitiker die möglichen Höchstsätze ausgeschöpft“, betonte Andreas Dittmann.

Aus Feldbrand wird schnell Waldbrand

Abschließend informierte der Rathauschef die Kameraden, dass soeben das neue Tanklöschfahrzeug mit gewünschter Gruppenkabine ausgeschrieben wurde, „ein Fahrzeug für die Zerbster Wehr, das die Stadt Zerbst mal wieder ganz ohne Förderung finanziert“, betonte Dittmann. Der Rathauschef dankte den Kameraden und deren Familien für das, was sie täglich leisten und auch aushalten müssen. „Ich wünsche Euch allen, dass Ihr stets gesund von Euren Einsätzen zurückkehrt“, so Dittmann.

Auch Ortswehrleiter Steffen Schneider ging in seinem Rückblick auf das Jahr 2019 auf die zahlreichen Feldbrände und dem daraus folgenden Gespräch mit den Landwirten ein. „Wir hatten Beispiele, wie schnell aus einem Feldbrand ein Waldbrand werden kann. Daraus ergab sich für uns die Frage, ob in der modernen Landwirtschaft der Brandschutz keine Rolle mehr spielt und jeder Halm wichtiger ist, wie der Schaden, der bei Bränden – auch im Umfeld – entstehen kann“, machte Schneider deutlich.

Elf Minuten durchschnittliche Rüstzeit

Aus diesem Einsatzgeschehen habe sich der Wunsch ergeben, sich mit den Landwirten zu verständigen und nach Maßnahmen zu suchen, um das Brandrisiko, oder zumindest die Ausmaße, die solche Brände annehmen können, zu minimieren, wie beispielsweise das Ziehen von Schutzstreifen. „An einer Stelle war es „nur“ ein Waldstück, anderenorts drohte der Feldbrand sogar auf angrenzende Gebäude überzugreifen“, mahnte Schneider. Umso mehr freue es ihn, dass die Landwirte das Gespräch als sehr konstruktiv aufgenommen haben und nicht als „anprangern“.

Außerdem ging der Ortswehrleiter auf die vielen kleineren und mittleren Brände ein, wo offenbar Zündler am Werk gewesen sind. „Strohdiemen in einem eingezäunten Bereich, Gartenlauben und Schuppen die nicht mehr genutzt werden, Müll-und Papiertonnen, ein verschlossener Metallcontainer oder eine Papppresse hinter einem Supermarkt, sind nur einige Beispiele, die ich hier nennen möchte und uns das Leben nicht gerade leichter gemacht haben“, ärgert sich Schneider.

160 Einsätze 2019

Besonders stolz hat der Ortswehrleiter darauf hingewiesen, dass die Rüstzeit bei allen Einsatz eingehalten wurde. Sie lag bei durchschnittlich elf Minuten. „Von der Alarmierung bis das erste Fahrzeug den Hof der Wache verlassen hat, vergingen im Schnitt gerade sechs Minuten“, betonte Schneider unter dem Beifall der Kameraden. Insgesamt seien sie zu 160 Einsätzen ausgerückt – ebenso viele wie im Jahr 2018.

Auch Schneider ging in seinen Ausführungen davon aus, dass sich das Einsatzgeschehen in den nächsten Jahren wohl noch verschärfen wird. „Umso mehr bin ich froh, so eine schlagkräftige Truppe hinter mir zu haben. Dafür möchte ich euch allen danken“, betonte der Ortswehrleiter.

Uwe Reger, Vertreter der befreundeten Jeverander Feuerwehr überbrachte die Grüße der Kameraden aus Friesland und sorgte mit der Schilderung eines Einsatzes Anfang diesen Jahres für Stille im Saal. „Am 27. Januar erschien bei einer Alarmierung die Adresse eines Kameraden auf dem Display des Piepers – ein Alptraum, und Einsatz, den sich niemand wünscht“, so Reger.

Verabredet wurde außerdem ein Wettbewerb im „Boßeln“ (Kugel mit möglichst wenigen Würfen über eine festgelegte Strecke werfen). Reger brachte auch gleich den Wanderpokal mit, der von den Fördervereinen beider Wehren gestiftet wurde.