Zerbst/Neuhaus l Der Steckby-Lödderitzer Forst bildete die Keimzelle des Unesco-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe. Die Schönheit und Einzigartigkeit dieses naturnahen Stroms mit seinen artenreichen Auen hat der Naturfotograf Jürgen Borris mit der Kamera eingefangen und im Bildband „einFlussReich“ jetzt veröffentlicht. „Faszinierend ist die Dynamik des Flusses und wie sich Pflanzen und Tiere auf diesen ständigen Wechsel von nass und trocken einstellen“, schwärmt Jürgen Borris von der Elbe. Bereits in den frühen 1980er Jahren entdeckten er und seine Frau Angelika die einzigartige Auenlandschaft für sich. „Als ,Fluchtpunkt‘ oder wie man heute sagt ,Lieblingsort‘“, verrät der gelernte Bankkaufmann, der schon mit Anfang 20 anfing, sich der Naturfotografie zu widmen. Seit 2013 geht er seiner privaten Leidenschaft nun in Vollzeit nach.

Die im tschechischen Riesengebirge entspringende Elbe zog das Paar immer wieder in ihren Bann. Begeistert erkundeten die Beiden nach dem Wegfall der deutsch-deutschen Grenze auch den anderen bislang unbekannten Abschnitt des Flusses im Osten der Republik. „2016 gab es dann ein Wiedersehen mit Johannes Prüter“, erzählt Jürgen Borris vom Leiter der Bioshärenreservatsverwaltung „Niedersächsische Elbtalaue“ in Hitzacker. Es war der Moment, in dem die Idee eines Bildbandes über die Naturschönheiten des Ende 1997 von der Unesco anerkannten Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe geboren wurde.

Schwieriger als gedacht: Fotos vom Biber

Im Frühjahr 2017 begannen die intensiven Fotoarbeiten, die sich bis weit ins Jahr 2020 hinzogen. Ein Campingplatz im niedersächsischen Bleckede diente als Basislager, von wo aus die mehrwöchigen Touren entlang der Elbe zwischen Wittenberg und Lauenburg starteten.

Bilder

Mit seiner Digitalkamera begab sich Jürgen Borris auf die Pirsch nach eindrucksvollen Motiven, die die Schönheit der artenreichen Auen und ihrer vielfältigen Lebensräume widerspiegeln und zugleich von der Kulturlandschaft erzählen, die seit Jahrhunderten eng mit dem Fluss verbunden ist. Aus der Nähe, aber auch aus luftiger Höhe drückte er auf den Auslöser. „Ich habe einen ausgiebigen Fotoflug mit dem Flugzeug unternommen“, erzählt Jürgen Borris. Für Detailaufnahmen ließ er einen Quadrokopter aufsteigen, eine mit einer Kamera ausgestatteten Drohne.

Eine Herausforderung stellten die tierischen Bewohner der Elbaue dar. Viel Geduld, Beharrlichkeit und „Sitzfleisch“ seien nötig gewesen, um beispielsweise Singschwäne im Flug, Dachse bei der Futtersuche oder auch badefreudiges Rotwild abzulichten, gesteht Jürgen Borris. „Um dabei Erfolg zu haben, ist es zudem zwingend erforderlich, über ein hohes Maß an biologischem Wissen über seine Wunschmotive zu verfügen“, bemerkt der Naturfotograf, der sich nicht zuletzt Tipps und Hinweise von Fachleuten und Ansprechpartnern vor Ort holte.

Ein spezieller Kandidat sei der Biber gewesen, erinnert sich Jürgen Borris. Der einst fast ausgestorbene Nager durfte keinesfalls im Buch fehlen. „Bei meiner Recherche traf ich immer wieder auf Menschen, die mir beteuerten, dass es überhaupt kein Problem sei, einen Biber zu fotografieren. Die Tiere würde man überall, auch am helllichten Tag dauernd sehen“, schildert er. Die Realität sollte anders ausschauen. Immer wieder liefen ihm Nutrias vor die Kamera, nur eben keine Biber... Um das Symboltier der Flusslandschaft doch vor die Linse zu bekommen, „waren noch einmal richtig Mühe und Aufwand gefragt“, blickt Jürgen Borris zurück.

Rund 6500 Bilder landeten am Ende in seinem Archiv. Davon kamen etwa 1000 in die nähere Auswahl. „In einem kreativen und zum Teil kontroversen Prozess habe ich dann in einer zweitägigen Sitzung im Verlag mit dem Layouter die 228 Fotos für das Buch zusammengestellt“, schildert Jürgen Borris. In Hochglanz abgedruckt zeigen sie die Elbe selbst, ihre Sandufer und Binnendünen, Stillgewässer, Auwälder und Auenwiesen. Daneben finden sich historische Siedlungen und Bauwerke sowie malerische Städte wie Tangermünde oder auch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich in dem 184 Seiten umfassenden Bildband.

Typisch, aber ausbleibend: Hochwasser-Motiv

Nicht zu vergessen ist der Steckby-Lödderitzer Forst, den die Unesco schon 1979 als Naturschutzgebiet auswies und der als Keimzelle des heutigen sich über rund 400 Stromkilometer erstreckenden Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe gilt. Der Bedeutung dieses Abschnitts war sich auch Jürgen Borris bewusst, der hier in inbesonderer Weise von der Biosphärenreservatsverwaltung „Mittelelbe“ unterstützt wurde. „Mehrere Male hat mich ein Ranger an lohnende Punkte geführt“, erzählt er. Darüber hinaus habe ihm sein guter Bekannter und Fotografenkollege Thomas Hinsche hilfreich zur Seite gestanden.

So entstand mit „einFlussReich“ ein wunderbarer Bildband über das Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, der erstmals den Natur- und Kulturraum dieses größten binnenländischen Biosphärenreservats in Deutschland im Zusammenhang beschreibt. In zehn Kapiteln wird dargestellt, wie sich die Auenlandschaft entwickelt hat, welche Lebensräume sich hier erhalten haben und wie sie geschützt werden. Die Texte stammen dabei von Dr. Johannes Prüter.

Übrigens gibt es noch ein Elbmotiv, das Jürgen Borris bislang fehlt. „Seit Beginn der Fotoarbeiten 2017 hat es kein Hochwasser gegeben“, bedauert er. „So gern hätte ich Auwaldaspekte mit erkennbarem Wasserstand ins Bild gesetzt und gern mit ins Buch aufgenommen.“

Der Bildband ist im Tecklenborg-Verlag erschienen. Erhältlich ist das Buch zudem direkt bei Jürgen Borris.