Trauungen

Brautpaare profitieren von Corona

Nur einzelne Veranstaltungen konnten 2020 im Zerbster Schloss stattfinden. Einen positiven Effekt gab es: Für Trauungen blieb mehr Zeit.

Von Daniela Apel

Zerbst l Jana Reifarth blickt auf ein wahrlich außergewöhnliches Jahr zurück. Der Förderverein Schloss Zerbst musste schon viele Hürden meistern. Der Ausbruch der Corona-Pandemie stellte jedoch eine besondere Herausforderung dar. Von ursprünglich 17 geplanten Veranstaltungen konnten letztlich nur sechs tatsächlich realisiert werden. Zu ihnen gehörte das stets anlässlich der Zerbster Kulturfesttage stattfindende Angebot, in die Geschichte der Stadthalle einzutauchen. Rege war der Zuspruch an jenem 29. Februar, die einstige Reithalle mit fürstlicher Begleitung zu erkunden.

Unterdessen breitete sich das Virus deutschlandweit zunehmend aus, was erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Leben nach sich ziehen sollte. So gestaltete sich der Saisonauftakt im erhaltenen Ostflügel des früheren Residenzschlosses anders als üblich. Nicht nur, dass sich der Termin um ein paar Tage auf den 5. Mai verschob. Auf ein großes Programm musste verzichtet und zugleich die Zahl der gleichzeitig anwesenden Besucher drastisch begrenzt werden. „Mit jeweils fünf Personen pro Rundgang fingen wir an“, erinnert sich die Vereinssprecherin. Ab Ende Mai konnten sich dann zeitgleich fünf Interessierte die Sonderausstellung „Auf den Spuren Katharinas“ anschauen.

Die verordneten Regelungen zur Corona-Eindämmung wirkten sich ebenfalls auf die Sonderführungen aus, von denen in den Vorjahren weit mehr als 50 verzeichnet wurden. 2020 „waren wenige die Ausnahme und das auch nur in Kleinstgruppen und mit höherem Personalaufwand“, schildert Jana Reifarth. Einzig einige Vereinsmitglieder erhielten zudem bislang Einblick in das neu hergerichtete Appartement von Friedrich August, letzter Fürst von Anhalt-Zerbst und Bruder der russischen Zarin Katharina II.

Die traditionelle Serenade der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie wiederum erklang im September mal nicht im Schloss, sondern aufgrund der größeren Räumlichkeit in der Stadthalle. „Trotz Abstandsregeln und Mund-Nase-Bedeckung bis zum Sitzplatz konnten sich die etwa 100 Anwesenden dort an einem wunderbaren Konzert erfreuen“, sagt Jana Reifarth. Dass allerdings die meisten Veranstaltungen ausfallen mussten und Führungen wegbrachen, bekam der gemeinnützige Verein finanziell zu spüren – Einnahmen und Spenden verringerten sich merklich.

Einen positiven Effekt hingegen gab es durch all die Streichungen im Terminkalender: „Wir hatten zeitlich mehr Kapazitäten für die Durchführung von Trauungen“, erzählt Jana Reifarth. So konnten im Saal des Schlosses mehr Gäste einer Hochzeit beiwohnen als dies im Trauzimmer des Rathauses möglich war – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln. „Der Zollstock war ein stark eingesetztes Arbeitsmittel beim Stellen der Stühle“, bemerkt sie.

Die Trauungen im Mai – die ersten, die nach dem Lockdown wieder in kleinem Rahmen erlaubt waren –, sind ihr besonders in Erinnerung geblieben. „Für mich war es sehr befremdlich, den Brautpaaren nicht die Hand zu reichen, sondern mit langen Armen ein Präsent zu übergeben“, sagt Jana Reifarth.

Mit Handschuhen und Mundschutz bekleidet seien derweil die Sektgläser vom Organisationsteam des Vereins bereitgestellt worden, mit denen die frisch Vermählten mit ihren Gästen anstießen. „Distanz war das Gebot der Stunde“, bemerkt die Pressesprecherin. Am Ende waren es zehn Paare, die im barockem Ambiente des Ostflügels den Bund der Ehe schlossen. Zum Vergleich: 2019 waren es nur vier. „Für 2021 sind bereits sieben Termine von den zehn zur Auswahl stehenden reserviert“, freut sich Jana Reifarth.

Die schönen romantischen Momente und der persönliche Dank einiger Paare sowie die gelungene Serenade waren für sie Motivation sich in diesem so stark von Corona beeinflussten Jahr 2020 weiterhin ehrenamtlich zu engagieren. Als Katas-trophe würde Jana Reifarth die zurückliegenden Monate auch nicht bezeichnen, obwohl die Vereinsarbeit mit den Mitgliedern, die sozialen Kontakte auf der Strecke blieben und noch immer unter den anhaltenden Einschränkungen leiden.

„Aber es gibt eine Zeit nach der Pandemie“, betont sie. Mit Zuversicht sehe der Vereinsvorstand den bevorstehenden Aufgaben entgegen. So wird demnächst mit dem Austausch der Fenster im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss des Ostflügels begonnen. Die bisherigen Provisorien haben ausgedient, die Folienfenster weichen gläsernen Exemplaren, deren Anfertigung nach historischem Vorbild erfolgt. Auch sechs rekonstruierte Doppelflügeltüren werden im Zuge der Maßnahme im Eingangssaal des Schlosses eingebaut.

Zudem ist eine neue Ausstellung geplant, die sich der Baugeschichte und den Baumeistern der Zerbster Fürstenresidenz widmet. Die Eröffnung ist für Juni angedacht. Im August soll der beliebte Schlossabend seine Fortsetzung finden. Das wünscht sich vor allem Vereinsvorsitzender Dirk Herrmann. Alle Mitglieder eint die Hoffnung, dass möglichst bald ein Stück Normalität zurückkehrt.