Zerbst l „Ich wollte es unbedingt mal loswerden“, sagt Gerd Diemunsch. Jetzt im Alter verspürte er das Bedürfnis, seine Erlebnisse am Ende des Zweiten Weltkrieges einmal niederzuschreiben. Anfang August wird er 81. Als 1945 die Front immer näher an seinen idyllischen Heimatort heranrückte, war er gerade einmal sechs.

Seit mehr als 40 Jahren ist Gerd Diemunsch inzwischen in Zerbst zu Hause. Geboren und aufgewachsen ist er allerdings in Reinsdorf bei Wittenberg. In Gedanken kehrte er dorthin zurück, um seine Erinnerungen an den Einmarsch der sowjetischen Armee festzuhalten und das vor allem für die jüngere Generation.

Jugendliche haben oft keine Ahnung

„Ich habe festgestellt, dass viele Jugendlichen keine Vorstellung haben und völlig ahnungslos sind, wie schlimm es damals war“, begründet Gerd Diemunsch. Obwohl seine Familie und die Mitbewohner des Hauses diese „furchtbare und grausame Zeit mithilfe glücklicher Umstände glimpflich überlebt“ haben, wie er zurückblickend sagt.

Die Details schildert Gerd Diemunsch in dem jetzt erschienenen Buch „Kümmel, Kascha und Kopeken oder: Hilfe, die Russen kommen!“. Nur etwa ein halbes Jahr benötigte er für die Rohfassung. „Immer, wenn ich Lust hatte, hab’ ich mich rangesetzt“, erzählt er. Handschriftlich verfasste er eine Kapitel nach dem anderen.

Auch etwas zum Schmunzeln dabei

Das Manuskript bot Gerd Diemunsch einigen Verlagen an. Vom Verlag R. G. Fischer bekam er schließlich ein Angebot zur Veröffentlichung. Inzwischen ist das schmale Büchlein von knapp 90 Seiten überall erhältlich. „Vielleicht haben einige Interesse dran“, bemerkt der 80-Jährige lächelnd, der schon so manch charmanten und witzigen Vers als Gedicht zu Papier gebracht hat.

Auch in „Kümmel, Kascha und Kopeken“ finden sich zwischen Hamstertouren und unberechenbaren Rotarmisten Passagen zum Schmunzeln. Etwa, wenn dem kleinen Gerd eine riesige dunkle Spinne deutlich mehr Angst einjagt als die Bomberstaffel am nächtlichen Himmel oder er mit einem alten Messing-Wecker eine brenzlige Situation entschärft.