Zerbst/Bitterfeld l Im Herbst sollte er stattfinden – der Friedenslauf, den der 2019 gegründete Verein „Zukunft-Frieden“ mit Sitz in Bitterfeld-Wolfen plante. Eine Strecke von insgesamt 2600 Kilometern ist angedacht: Von Zerbst über Halle, Magdeburg und Hannover soll es weiter nach Hamburg und Rostock an der Küste entlanggehen, um über die Hansestädte in Polen, Lettland und Estland nach Puschkin/Sankt Petersburg zu gelangen, der russischen Partnerstadt von Zerbst.

Auf möglichst viele Begegnungen und Gespräche unterwegs hoffen Peter Junge und seine Mitstreiter, die genug haben von Sprachlosigkeit und Embargopolitik. „Mit diesem Friedenslauf wollen wir zeigen, dass es ohne Russland keinen Frieden, weder in Europa noch weltweit, geben kann“, erläutert der Vereinsvorsitzende.

Freie Zeit sinnvoll genutzt

Viele organisatorische Hürden waren bereits genommen, einige noch in der Schwebe. Doch der Ausbruch des Coronavirus und seine Auswirkungen zwangen die Läufer, ihren Grenzen überschreitenden Lauf auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Diese freie Zeit nutzt der Verein nun, um weiter um Aufmerksamkeit und Unterstützung zu werben.

Tag der Befreiung sollte gewürdigt werden

So auch durch die Aktion „Eine Glocke für den Frieden“. Eigens für diesen Lauf wird eine Friedensglocke – symbolträchtig aus alten Patronenhülsen und Medaillen – gegossen und in St. Petersburg übergeben. Daneben haben die Sportler mehrere Glocken in Kleinformat gießen lassen, von denen sie eine bereits dem Zerbster Bürgermeister Andreas Dittmann während des diesjährigen Neujahrsempfangs der Stadt übergaben.

Eine weitere wollten sie aus aktuellem historischen Anlass in diesen Tagen überbringen. Mit der bedingungslosen Kapitulation Hitlerdeutschlands am 8. Mai vor nunmehr 75 Jahren erfolgte die Befreiung Europas vom Nationalsozialismus. „Das war ein Befreiungsakt von bis dato nie gekanntem Ausmaß in der Geschichte und das sollte gebührend gewürdigt werden“, meint Vereinsvorsitzender Peter Junge. Eigentlich wollten er und seine Mitstreiter jetzt am 9. Mai dem Botschafter der Russischen Förderation in Deutschland, Sergei Netschajew, feierlich eine Friedensglocke überreichen, um somit auf ihren Friedenslauf aufmerksam zu machen, der am 5. September in Zerbst am Fuße des Denkmals für Zarin Katharina II. starten sollte.

„Die Corona-Pandemie hat uns veranlasst, sowohl die Übergabe der Friedensglocke in der Russischen Botschaft wie auch den Friedenslauf auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Dennoch sind wir gewillt, unser Projekt in die Tat umzusetzen, auch wenn momentan der genaue Zeitpunkt nicht vorhersagbar ist“, betonen die Läufer.

Viel Zeit und Geld in Projekt investiert

Denn, laut Junge, habe der Verein für dieses ehrgeizige Vorhaben bereits im Vorfeld viel Unterstützung zugesagt bekommen, auch von der Stadt Zerbst und dem hier aktiven Katharina-Verein, von der Stadt Bitterfeld-Wolfen und der Glockengießerei in Lauchhammer. Zudem sei auch von den Vereinsmitgliedern viel freie Zeit und Geld in die konkreten Lauf- und Reisevorbereitungen und in das notwendige Lauftraining investiert worden. Ein Aufgeben komme nicht da nicht in Frage.

„Doch in unseren Tagen gilt es für uns alle, ganz gleich, wo wir leben, und vor allem für uns Sportler, momentan andere Prioritäten zu setzen, jedoch nicht ohne den Erhalt des Friedens aus den Augen zu verlieren. So ist der 75 Jahre andauernde Friede in Europa ein Geschenk, das wir achten und dabei nicht vergessen sollten, wem wir es zu verdanken haben“, argumentieren Peter Junge und seine Mitstreiter.