Zerbst l Als katastrophal empfanden es viele der Besitzer von Einzelhandelsgeschäften, die am 18. März ihre Ladentüren schließen mussten. Bei allem Verständnis für die Maßnahme, mit der die Ausbreitung des Coronavirus eingedämmt werden sollte, stellte die Regelung doch einen drastischen Einschnitt dar. Mit Sorge blickten sie auf die wirtschaftlichen Einbußen, wie die Umfrage der Zerbster Volksstimme zeigte. Erleichterung paart sich nun mit Freude, dass Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmeter ab Montag wieder öffnen dürfen.

Spielzeugladen „Fantasia“

„Gott sei dank!“, sagt Sylvia Lier, die zusammen mit ihrer Tochter Diana Gröbke den Spielzeugladen „Fantasia“ betreibt. „Die Schließung hat uns schon richtig doll wehgetan“, gesteht sie. Das Ostergeschäft brach wie befürchtet weg. Das eine oder andere Produkt konnte zwar über den aufgestockten Ebay-Shop verkauft werden, dennoch sind die finanziellen Einbußen hoch. Entsprechend froh sind die beiden, dass die Verfügung wie angekündigt am 19. April endet. „Wir haben drauf gewartet, dennoch ist es ein merkwürdiges Gefühl“, gesteht Diana Gröbke. Doch die Zuversicht sei zurückgekehrt. „Ich rechne aber damit, dass die Käufer noch zurückhaltend sind“, sagt sie. Durchschnittlich 25 bis 30 Kunden haben sie am Tag, nach den Corona-Auflagen dürfen sich nun 17 gleichzeitig im Laden aufhalten.

Juwelier Klitsch

Thomas Gäbe vom Traditionshaus „Juwelier Klitsch“ freut sich über die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. „Ich bin für jede Auflockerung, die den Menschen eine Rückkehr zum normalen Leben ermöglichen“, sagt Thomas Gäbe. Auch er darf sein Geschäft am Montag wieder öffnen. Er befürchte aber, dass seine Branche zurzeit bei den Kunden nicht so gefragt sein wird. „Wer möchte sich zurzeit schmücken, wenn man es nicht zeigen kann?“, so Gäbe. Er zeigt sich deshalb noch relativ zurückhaltend und hält sich offen, ob er sein Geschäft direkt Vollzeit öffnet. Umsatzeinbußen musste das Juwelier-Geschäft trotz Onlinehandel verzeichnen.

Vodafone-Shop

Auch Steven Tennert vom Vodafone-Shop auf der Breite ist erleichtert über die Lockerungen. „Es erleichtert unseren Betrieb, ist aber gleichzeitig auch risikoreich. Es könnte gesundheitlich wieder schlimmer werden“, sagt Steven Tennert. Tennert und seine Kollegin Sabrina Gensch hatten in den vergangenen Wochen per Telefon mit ihren Kunden Kontakt gehalten. „Ich hatte bestimmt zehn Anrufe pro Tag, konnte aber zwischenzeitlich nicht auf unsere Systeme zugreifen“, erklärt er den erschwerten Arbeitsalltag. Steven Tennert nimmt an, dass der Betrieb am Montag eher schleppend losgehen wird. Desinfektionsmittel stehen den Kunden auf jeden Fall weiterhin zur Verfügung, so Tennert.

Boutique „Mode am Markt“

„Das ist der erste Schritt zurück in die Normalität“, sagt Anja Giese. Gemeinsam mit ihrer Mutter Angela besitzt sie die „Mode am Markt“. März und April sind für die Boutiquen-Inhaberinnen eigentlich die umsatzstärksten Monate im Jahr. Die verordnete Schließung kam da zum wirtschaftlich ungünstigsten Moment. Dennoch blieben die beiden optimistisch. Obwohl sie nichts verkaufen konnten, dekorierten sie wie sonst auch ihr Schaufenster jede Woche neu. Als sie gestern die gezeigten Modelle austauschten, seien sie bereits auf die Öffnung angesprochen worden, erzählt Anja Giese. Über die gesamte Zeit der Schließung hätten sie viel Solidarität erfahren. „Wir hatten viele nette Telefongespräche“, blickt sie auf die vergangenen Wochen zurück. „Nun sind wir positiv gestimmt“, erklärt Anja Giese glücklich. „Wir haben uns neben Desinfektionsmitteln auch schon Handschuhe und Mundschutzmasken besorgt“, freut sie sich auf ihre Kunden.

MK Büroservice

„Wir sind bereit zu öffnen“, erklärt Markus Kaufmann. Die Schließungsverfügung ging auch an seinem MK Büroservice nicht spurlos vorbei. Der technische Kundendienst, den er weiterhin anbieten konnte, federte die Einnahmeverluste „leider gar nicht“ ab. Markus Kaufmann hofft nun, dass das Geschäft wieder anläuft. Zugleich ist er gespannt, wie sich die Kunden verhalten werden. Bislang präsentierte sich die Zerbster Innenstadt meist wie ausgestorben. Da bleibt abzuwarten, wie die Menschen auf die Ladenöffnungen reagieren. „Die Gesundheitsfrage ist jetzt das Wichtigste“, meint Markus Kaufmann.