Premiere als Autor

Der aus Dessau stammende Jazzpianist Christoph Reuter schreibt ein Buch über Musik

Christoph Reuter ist Pianist und Kabarettist und als solcher auch in Zerbst bekannt. Corona bescherte ihm nun den Ausflug in ein völlig anderes kulturelles Genre. Der gebürtige Dessauer schrieb ein Buch über seine innigste Leidenschaft: die Musik.

Von Daniela Apel
Kabarettist und Pianist Christoph Reuter, der auch in Zerbst kein Unbekannter ist, schrieb während der kulturellen Corona-Zwangspause sein erstes Buch "Alle sind musikalisch - außer manche".
Kabarettist und Pianist Christoph Reuter, der auch in Zerbst kein Unbekannter ist, schrieb während der kulturellen Corona-Zwangspause sein erstes Buch "Alle sind musikalisch - außer manche". Foto: Catrin Reuter

Zerbst/Berlin - „Musik ist mein Leben“, sagt Christoph Reuter. Mit dieser Leidenschaft möchte er andere gern anstecken - als Pianist, Komponist und als Kabarettist. Denn „mit Humor kann man viel rüberbringen, selbst die trockenste Theorie“, ist der gebürtige Dessauer, Jahrgang 1977, überzeugt. Nun hat er alles in einem Buch zusammengepackt, mit dem er auf unterhaltsame Weise die These aufstellt „Alle sind musikalisch - außer manche“.

Es ist der Titel seines aktuellen Programms und doch weit mehr. Manches, was es nicht auf die Bühne geschafft hat, findet sich in seinem ersten literarischen Werk wieder. Es handelt sich um eine unverhoffte Premiere, zu der es ohne Corona nicht gekommen wäre. Denn auf einmal war da diese pandemiebedingte Zwangspause. Plötzlich fielen sie weg, die geliebten Auftritte.

Rolle als Autor ist spannende Herausforderung

Statt live das Publikum zu begeistern, kam Christoph Reuter wieder die Anfrage in den Sinn, ob er nicht Lust hätte, ein Buch zu schreiben. Zuvor fehlte die Zeit. Nun war sie ausreichend vorhanden, um sich in das kreative Abenteuer zu stürzen. Denn: „Das ist eine völlig andere Kunstform.“ Von einer sehr spannenden Herausforderung spricht der Jazzpianist, der gern Neues wagt. Er holte alte Notizen hervor, recherchierte eifrig und stürzte sich schließlich in die Arbeit, setzte sich an den Computer und schrieb „wild drauf los“. „Ursprünglich war das Buch doppelt so dick“, verrät Christoph Reuter. Das Rausstreichen von selbst so ins Herz geschlossenen Passagen überließ er wegen des Trennungsschmerzes allerdings lieber anderen.

Geblieben sind 72 äußerst musikalische Kapitel, die kuriose Geschichten enthalten, überraschende Erkenntnisse vermitteln und für so manchen Aha-Effekt sorgen, und das mit viel Charme und Wortwitz und jeder Menge Ohrwürmern. Neben der Verbreitung einer positiven Grundstimmung wollte Christoph Reuter vor allem eines: Musik in die Köpfe der Leute bringen. Das gelingt ihm mit womöglich unsterblichen Hits. Ob man „Katzenklo“ von Helge Schneider, „Yesterday“ von den Beatles oder „Hyper, Hyper“ von Scooter mag oder nicht, sie erklingen beim Lesen schlagartig im Kopf. Auch mit überlieferten Volksliedern und bekannten klassischen Werken enden die kurzen Kapitel, zwischen denen man ganz nach Lust und Laune hin und her springen kann.

Klavierspielen lernen in zwei Minuten

Jeder kann auswählen, mit welchem Aspekt er sich gerade beschäftigen möchte: mit den Geheimnissen der Tonleiter oder wie man einen Hit schreibt? Oder vielleicht doch eher mit der Frage, wie Musik eine Beziehung rettet oder welche Lieder für eine Hochzeit absolut ungeeignet sind? Auch der Musikalität von Käse widmet sich Christoph Reuter, der nur zwei Minuten braucht, um einem das Klavierspielen beizubringen. Vor allem aber verdeutlicht er mit jeder Zeile, dass die meisten von uns musikalischer sind als vermutet. Das definiert sich nämlich nicht allein dadurch, ob man singen kann oder ein Instrument beherrscht.

Vom gleichnamigen Kabarettprogramm haben es übrigens nur fünf Kapitel tatsächlich ins Buch geschafft. Wie sein Erstlingswerk ankommt, darauf ist Christoph Reuter mächtig gespannt. „Auf der Bühne weiß ich nach zwei, drei Minuten, ob's gefällt“, fehlt ihm hier diese unmittelbare Reaktion. „Da bewundere ich Autoren. Ich bin ein kommunikativer Typ. Ich brauche den Austausch“, gesteht er.

Workshop mit Zerbster Musikschülern geplant

Dennoch ist Christoph Reuter stolz auf sein Buch. Ein weiteres will er nicht ausschließen, doch es treibt ihn eben eher vors Publikum. Der Wahl-Berliner liebt jeden Live-Auftritt - ob als Solokünstler, mit dem Christin Claas Trio oder einem Orchester wie zuletzt Ostern 2019 in Zerbst bei den 15. Internationalen Fasch-Festtagen. Unter dem Titel „Fasch meets Jazz“ stand das Abschlusskonzert, bei dem auch junge Zerbster Musiker vom Francisceum mitwirkten. „Ein schöner Abend“, blickt Christoph Reuter zurück.

Und er plant wieder ein Projekt in der Region, und zwar zusammen mit den Musikschulen in Bitterfeld, Köthen, Dessau und auch Zerbst. Ums Improvisieren und Arrangieren wird es in den Workshops gehen, die sich wegen der Corona-Pandemie immer wieder verschoben haben und nun hoffentlich im Herbst stattfinden können. Die teilnehmenden Nachwuchskünstler werden ihre eigene Filmmusik komponieren und in einem Konzert aufführen. Musik ist eben uferlos, wie Christoph Reuter sagt.