Ronney l Die neunköpfige Reisegruppe hat es sich in Ronney gemütlich gemacht. Gegenüber des Umweltzentrums machen die Frauen eine längere Mittagspause. „Es ist ganz schön warm“, sagt Inge Grünweg. Mehr als 30 Grad Celsius im Schatten zeigt das Thermometer an. In der Sonne sind es noch deutlich mehr. Trinken ist bei diesen Temperaturen auf dem Rad besonders wichtig.

Auf dem Weg nach Wittenberg

Gestartet sind die Frauen in Hannover. Mit der Bahn haben sie und ihre gut bepackten Räder den Weg an Elbe überbrückt. In der Nähe von Magdeburg sind sie auf die Räder gestiegen, um die Elbe zu erkunden. Die Damen gehören einer evangelischen Kirchengemeinde an. „Wir haben aber auch eine Katholikin dabei“, sagt Inge Grünweg. Die 14. Tour der Frauen ist es bereits. Ihr Weg führt sie in die Lutherstadt Wittenberg. Sie wollen sich nach dem Lutherjahr mit dem Leben des großen Reformators beschäftigen. Auf dem Weg dorthin wollen sie die Natur an der Elbe genießen.

„Am Ende müssen 200 Kilometer stehen“, sagt Karin Elend. Sie hat den Gruppenausflug organisiert. Bei Dessau, erzählt sie, gebe es ein Hotel direkt am Elbufer. „Als ich das gesehen habe, stand für mich fest, da müssen wir hin“, beschreibt sie. Auf der viertägigen Reise ist für die Frauen, wie für viele andere Elberadler ebenso der Weg das Ziel. Die Radfahrer genießen die unverbauten Landschaften, den nicht begradigten Fluss und die natürlichen Elbauen, auf denen öfter auch mal Kühe weiden.

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Gut ausgeschildert

Auf dem Abschnitt, der am Rande der Stadt Zerbst verläuft, ist die Landschaft sehr urtümlich. Durch wenige Orte führt der Weg hier. Abseits der Straßen verläuft der Radweg. Gut ausgeschildert sei er ebenfalls, bestätigen die Frauen. Zur Sicherheit haben sie aber ein Navigationsgerät dabei.

Zur Not könnte aber auch das Smartphone den Weg zeigen. Vorausgesetzt, ein Funknetz ist verfügbar. Längst nicht überall ist der Elberadweg vom Funknetz abgedeckt. Vor allem in der Altmark gibt es noch Bereiche, in denen die Radler nicht einmal telefonieren können, weil es keine Netzabdeckung gibt.

Während in anderen europäischen Ländern beinahe überall kostenlose Zugänge zum Internet bereitstehen, ist dies in Deutschland selten, bestätigen die Frauen. Zwar seien sie nun nicht auf einen Internetzugang angewiesen. Nett wäre es aber trotzdem, wenn es ab und zu auf der Strecke die Möglichkeit geben würde.

Zwischen 60 und 80 Radler steuern in diesen Wochen täglich die Wasserburg in Walternienburg an. Die historische Anlage steuern täglich viele Radler an, da sie direkt am Elberadweg liegt. Hinter der Wasserburg führt der Elberadweg ein Stück die Landstraße entlang, um dann parallel zur Elbe zu verlaufen. Allerhand Sehenswürdigkeiten gibt es auf dem Stück zwischen Schönebeck und Dessau-Roßlau zu sehen.

Radfahrerkirche Steckby

Ihren nächsten Halt wollen die Frauen an der Radfahrerkirche in Steckby machen. Das Gotteshaus hat sogar eine eigene Internetseite. Jährlich halten viele Radfahrer hier an, schauen sich die kleine Kirche an und genießen gerade in diesen Tagen die Kühle in dem Haus. Die dicken Mauern halten die Wärme gut ab. Jährlich werten die Steckbyer die Radfahrersaison an der Elbe gewissenhaft aus. Im Gästebuch, welches in der Kirche ausliegt, schauen sie nach, wer sich dort so alles eingetragen hat. Besonders interessiert sie dabei, woher die Leute so kommen. Die Sachsen stellten im vergangenen Jahr mit 15 Prozent die größte Gruppe. Die Niedersachsen landeten mit zwölf Prozent auf dem dritten Platz.

Im vergangenen Jahr sank der Anteil der ausländischen Reisenden leicht, haben die Steckbyer festgestellt. Die größte Gruppe stellen aber immer noch die Niederländer mit 30 Prozent dar. Aber auch Tschechen und Schweizer lieben das Radeln an der Elbe und sind zahlreich.

700 Radler

Aber auch Finnen, Italiener und Türken radeln gern an der Elbe entlang, heißt es in der Saisonauswertung der Steckbyer. Ob die Übersicht die tatsächlichen Zahlen widerspiegelt, ist offen. Denn längst nicht alle, die an der Radfahrerkirche Rast machen, tragen sich auch im Gästebuch ein. Außerdem halten auch nicht alle Radfahrer an dem kleinen Gotteshaus. Etwa 700 Radler hinterließen ihre Spuren im Gästebuch. Das ist nach den Walternienburger Zahlen, nur ein Bruchteil der Reisenden.