Barby/Walternienburg l Das Wasser kommt zurück. Am 7. September zeigte der Pegel der Elbe bei Barby schon wieder 40 Zentimeter an. Ein Hoffnungszeichen. In den vergangenen Wochen dümpelte der Wert weit unter der 30-Zentimeter-Marke. Der Schiffsverkehr auf dem mitunter mächtigen Strom war bereits lange eingestellt, das mussten auch die Gierseilfähren der Stadt Barby den Dienst einstellen. An die Rampen konnten die antriebslosen Schiffe nicht mehr anlegen.

Zwangspause

Die Fähre in Breitenhagen ist bereits seit einem Vierteljahr außer Betrieb, sagt der für die kommunale Schifffahrt zuständige Bauamtsleiter Holger Goldschmidt im Barbyer Rathaus. Die Mitarbeiter auf den Fähren hätten nach der Zwangspause erst einmal ihre angesammelten Überstunden abgebummelt, schildert er. Denn im Sommer, zur Hauptsaison des Fährgeschäftes sammeln sich viele Zusatzstunden beim Personal an.

Lange ist es hell und entsprechend lange kann das Schiff auf dem Fluss verkehren. Entsprechend fällt auch der Umsatz aus. Vor allem die Fähre in Barby ist für die Kommune kein Verlustgeschäft. Die Gierseilfähre spielt ihre Kosten jährlich ein, bestätigt er.

Zu lange an der Kette

In diesem Jahr rechne er aber nicht mehr damit, dass die Barbyer Verbindung dies erreiche. Zu lange lag das Schiff an der Kette. Der Umsatzausfall sei kaum mehr zu kompensieren. Die Stadt werde sich auf einen Verlust einstellen müssen, kündigt er an.

Aufmerksam haben die Barbyer auch registriert, dass auf der anderen Elbseite mit der Stadt Zerbst zwar Verständnis für die schwierige finanzielle Lage der Fährverbindungen vorhanden ist. Noch schöner wäre es, wenn sich die Nachbarkommune an den Kosten auch beteiligen würde, sagt Holger Goldschmidt. Denn Barby trägt die finanziellen Lasten der Fährschiffe allein. Drei Fähren, zwei an der Elbe und eine an der Saale bei Groß Rosenburg betreibt die Kleinstadt.

Keine Verpflichtung

Warum die Kommune die Fähren betreibt, erschließt sich dabei kaum. Denn die Straßen, zwischen denen die Fähren pendeln, gehören entweder dem Landkreis oder dem Land. Eine gesetzliche Verpflichtung gibt es zudem ebenfalls nicht. Das kann vor allem bei der Finanzierung der Verbindungen zu einem Problem werden. Wie andere Kommunen auch, kämpft Barby regelmäßig gegen Defizite im Haushalt. Reichen die Einnahmen in einem Jahr nicht aus, um die Ausgaben zu decken, fordert die kreisliche Kommunalaufsicht zuerst die Reduzierung der sogenannten freiwilligen Aufgaben. Die sind in Barby sehr hoch. Denn die Fähren zählen dazu.

Bislang nur Teilerfolge

Seit Jahren setzt sich der Barbyer Bürgermeister Torsten Reinharz dafür ein, die Fähren als Pflichtaufgaben zu sehen. Bislang hat er nur Teilerfolge errungen. Zumindest bei den regelmäßigen Werftrevisionen will das Land mehr Geld geben. Dafür verlangt es aber auch, dass die Kommunen die Schiffe auf Jahre weiter betreiben. Barby fordert hier, dass sich das Land finanziell auch an den jährlichen Betriebskosten der Fähren beteiligt. Es würde schon reichen, die eingefahrenen Defizite zu decken. Eine andere Möglichkeit wäre daneben natürlich der Bau weiterer Brücken über Elbe und Saale. Dann könnten die Fähren aufgegeben werden und die großen Flüsse würden nicht mehr als trennende Barrieren wahrgenommen werden. Brücken könnten die Regionen besser verbinden.