Möckern/Deetz l Ortswehrleiter Denis Hofmann, Heiko Bergfeld, Vertreter des Fördervereins der Feuerwehr und Clemens Blumhagel sind sichtlich nervös, als sie in der Stadthalle in Möckern Platz nehmen. „Wir hoffen natürlich auf eine gute Platzierung. Ob es aber für den Sieg gereicht hat, das glaube ich ehrlich gesagt nicht“, sagt der Ortswehrleiter kurz vor der Preisverleihung.

Es hat gereicht. Die Deetz-Badewitzer Kameraden haben mit ihrer außergewöhnlichen Mitglieder-Werbeaktion die Jury überzeugt und holen den ersten Platz. Neben einer Urkunde haben die Kameraden eine Geldzuwendung in Höhe von 1000 Euro erhalten. Damit honoriert der SGSA die erfolgreiche und kreative Aktion der Ortswehr zur Mitgliedergewinnung.

Anerkennung ehrenamtlicher Arbeit

„Wir freuen uns natürlich riesig über den ersten Platz und vor allem aber über die Anerkennung unserer ehrenamtlichen Arbeit“, sind sich Hofmann, Bergfeld und Blumhagel einig. Die 1000 Euro würden in die Kasse des Fördervereins fließen. „Eine sinnvolle Verwendung wird sich mit Sicherheit finden“, sagt Ortswehrleiter Denis Hofmann.

Der Präsident des SGSA, Magdeburgs Oberbürgermeister (OB) Dr. Lutz Trümper, hebt vor allem das Engagement der Freiwilligen Feuerwehren hervor: „Wer sich in seiner Freizeit für andere Menschen und deren Hab und Gut einsetzt, hat eine besondere Würdigung verdient.“

Aufruf zur Zivilcoursage

Als ein besonderes Zeichen der Verrohung der Gesellschaft bezeichnet Trümper die zunehmende Gewalt gegen Polizei, Feuerwehrleute und Rettungsdienste. Trümper: „Es ist unglaublich, wenn Rettungskräfte beispielsweise zu einem Unfallgeschehen gerufen werden und dort dann von Schaulustigen attackiert werden.“ Dies sei auf das Schärfste zu verurteilen. „Wenn die Gesellschaft hier nicht umkehrt und Zivilcourage zeigt, laufen wir ganz schweren Zeiten entgegen“, ruft Magdeburgs OB die Bevölkerung auf, sich vor die Freiwilligen Feuerwehren und ihre Kameraden zu stellen.

Lutz Trümper gibt der anonymen Hetze und Aufrufe zu Gewalt im Internet eine Mitschuld an den Geschehnissen und wiederholt seine Forderung, dass sich Nutzer, beispielsweise in den sozialen Netzwerken, nur mit ihrem Klarnamen anmelden und dann auch Beiträge posten und kommentieren dürfen. „Dann würde vieles, was wir heute lesen nicht mehr gepostet und geschrieben werden“, ist sich Lutz Trümper sicher.

Aufgabenfeld ist vielfältig

In diesem Zusammenhang kritisiert Trümper das Gerichtsurteil im Bezug auf Beschimpfungen und Beleidigungen gegen die Grünen-Politikerin Renate Künast. „Wenn ein Gericht sagt, dass das legitim ist und zur Meinungsfreiheit gehört, dann fällt mir nichts mehr dazu ein“, so Trümper.

Landesgeschäftsführer Jürgen Leindecker verweist darauf, dass die Freiwilligen Feuerwehren rund um die Uhr einsatzbereit sind – und das im Ehrenamt. „Die Arbeit der Kameraden beschränkt sich nicht mehr nur auf das Bekämpfen von Feuer. Ihr Aufgabenfeld ist weitaus vielfältiger. Das beginnt bei der technischen Hilfeleistung beispielsweise bei Verkehrsunfällen und endet bei einem großen gesellschaftlichen Engagement in ihren Gemeinden“, betont Leindecker. Da seien solche kreativen Aktionen, die die Deetz-Badewitzer Kameraden sich haben einfallen lassen, um neue Mitglieder für die Feuerwehr zu gewinnen, beispielhaft.

Bürger persönlich einladen

„Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit Veranstaltungen, wie ´Tage der offenen Tür´´, Vorstellungen auf Veranstaltungen im Ort oder auch die direkten Ansprachen keine Mitglieder angeworben werden konnten“, sagt Denis Hofmann. So habe man die Bürger persönlich und an der Haustür mit einem kleinen Geschenk zu einem Brunch eingeladen.

„Insgesamt haben 78 Erwachsene sowie 39 Kindern und Jugendlichen am Brunch teilgenommen. Am Ende konnten wir 13 neue Mitglieder für den aktiven Dienst in unserer Ortswehr gewinnen“, sind die drei Kameraden stolz auf das Ergebnis ihrer Aktion.